Bodensee in NotSo tragen Skipper zum Schutz bei

Antonia von Lamezan

 · 21.04.2026

Der Bodensee steht vor ökologischen Herausforderungen. Skipper können zum Schutz des Reviers beitragen
Foto: Kaufmann / Rund Um
Der Bodensee steht vor ökologischen Herausforderungen: Zum achten Mal in Folge blieb die winterliche Wasserzirkulation zum Seegrund aus, der Wasserpegel schwankt extremer und invasive Arten breiten sich aus. Wassersportler können aktiv zum Schutz des Sees beitragen.

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Der Bodensee ist weit mehr als eines der größten Binnenreviere Europas: Er ist ein sensibles Ökosystem und versorgt Millionen Menschen mit Trinkwasser. Doch der See ist im Wandel. Ausbleibende Tiefendurchmischungen, extreme Pegelstände und invasive Arten wie die Quagga-Muschel setzen das Gewässer unter Stress. Skipper können einen Beitrag zum Erhalt des Reviers leisten: Auf E-Antriebe oder synthetische Kraftstoffe setzen, biozidfreies Antifouling nutzen und einen respektvollen Umgang mit den Naturschutzregeln pflegen.

Darum bleibt die Winterzirkulation aus

Bis vor einigen Jahren kühlte im Winter das sauerstoffreiche Oberflächenwasser ab, wurde schwerer und sank bis auf den 251 Meter tiefen Grund. Nährstoffreiches Tiefenwasser wurde verdrängt und stieg nach oben. Dieser Kreislauf versorgte Organismen am Grund des Sees mit Sauerstoff und brachte Nährstoffe für das Wachstum nützlicher Kieselalgen an die Oberfläche: die Basis der Nahrungskette im Ökosystem Bodensee. Seit acht Jahren sind die Winter nicht mehr kalt genug für diesen Vorgang. Während an der Oberfläche wichtige Nährstoffe fehlen, begünstigt das zunehmend warme, stehende Wasser die Ausbreitung von weniger erwünschten Arten wie Blaualgen. Das Ökosystem verschiebt sich: Spezialisierte Arten verschwinden allmählich, wärmeliebende Generalisten breiten sich aus.

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Noch ist die Sauerstoffversorgung nicht kollabiert. Am tiefsten Punkt, im Bodenseeteil Obersee, wurden in diesem Winter etwa noch sechs bis sieben Milligramm Sauerstoff pro Liter gemessen, an der Oberfläche deutlich mehr. Sauerstoff kommt also unten an, aber nicht mehr in dem Maß, das für ein robustes System ideal wäre. In flacheren Seeregionen wie der Bregenzer Bucht und im Überlinger See funktioniert die Zirkulation weiterhin.

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Extremere Wasserstände – aber bisher keine Ökosystem-Schäden im See

Der Wasserspiegel des Bodensees schwankt jährlich um etwa 1,2 Meter, abhängig von Regen- und Schneemengen. Der Klimawandel verstärkt diese Schwankungen. Relevante Einflussfaktoren sind auch die alpine Wasserkraft mit ihren Speicherseen, historische bauliche Maßnahmen am Auslauf des Obersees und das Pflanzenwachstum im Seerhein. Ursache für den im Jahresverlauf schwankenden Wasserpegel sind die unterschiedlich großen Wassermengen, die in den Bodensee gelangen. Aus dem See abfließende Wassermengen hingegen verändern sich weniger, denn der Bodensee ist einer der wenigen unregulierten Alpenseen.


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Laut Dr. Gernot Längle, dem Vorsitzenden der IGKB, haben die tiefen winterlichen Wasserstände bisher keine negativen Auswirkungen auf das Ökosystem des Sees. Der übliche Jahresgang mit über einem Meter höheren Wasserständen im Sommer bleibt erhalten. Für die empfindliche Flachwasserzone und die Schilfgürtel zählt jedoch der Zeitpunkt. Wenn das Wasser im Frühjahr zu spät steigt oder im Winter stark zurückweicht, verlieren Fische ihre Laichgründe und Wasservögel ihre geschützten Brutplätze.

Skipper sollten besonders in den Winter- und Frühjahrsmonaten vor jedem Törn den aktuellen Pegelstand prüfen. Wer flache Buchten bei Niedrigwasser meidet, schützt nicht nur seinen Kiel vor Grundberührung, sondern schont auch die gestressten Rückzugsräume der Uferfauna.

Invasive Quagga-Muschel als blinder Passagier

Die aus dem Schwarzmeer-Raum eingeschleppte Quagga-Muschel besiedelt mittlerweile den Seeboden des Bodensees in Dichten von teilweise 800 bis über 10.000 Exemplaren pro Quadratmeter. Sie filtert große Mengen Wasser und entzieht Nahrung für Plankton, welches wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische ist. Zudem besiedelt sie Rohre und Bojen und verstopft Leitungen von Wasserwerken.

Für Skipper ist die Quagga-Muschel mehr als ein ökologisches Ärgernis: Sie setzt sich an Rümpfen fest, erhöht den Reibungswiderstand und kann im schlimmsten Fall Kühlwasserleitungen zusetzen. Wer sein Boot in andere Gewässer trailert, muss besonders vorsichtig sein.

Wichtig für die Reinigung: Ein einfaches Abspritzen mit dem Gartenschlauch reicht oft nicht aus. Die mikroskopisch kleinen Larven der Muschel sind sehr widerstandsfähig. Experten raten dazu, das Boot und den Trailer bei einem Gewässerwechsel professionell und heiß zu reinigen. Nur Wassertemperaturen von über 60°C stellen sicher, dass die Larven zuverlässig abgetötet werden. Dabei sollte besonders auf schwer zugängliche Stellen wie den Ankerkasten, Bilgenwasser und den Motor-Kühlkreislauf geachtet werden.

Überführungsregeln in der Schweiz

Wer plant, sein Boot in Schweizer Gewässer zu überführen, sollte die strengen Regeln unserer Nachbarn kennen: In vielen Kantonen herrscht mittlerweile eine strikte Reinigungspflicht für Schiffe, die vorher in einem anderen Gewässer (wie dem Bodensee) lagen.

  • Zertifikat: Skipper müssen eine fachgerechte Reinigung oft per Meldebestätigung oder Zertifikat nachweisen. Dafür wurden eigens Online-Portale eingerichtet, über die ein geplanter Gewässerwechsel angemeldet wird. Im Anschluss an die Reinigung bei einer zugelassenen Reinigungsstelle, wird eine Einwasserungsbewilligung ausgestellt.
  • Kontrollen: Ohne die Einwasserungsbewilligung als Nachweis kann das Einwassern verweigert werden. Informieren Sie sich vorab bei den zuständigen Schifffahrtsämtern (z. B. Kanton Thurgau oder St. Gallen), um Bußgelder und eine Zwangspause an Land zu vermeiden.

Elektromobilität, HVO-Diesel und biozidfreies Antifouling

Dass Umweltschutz und Wassersport kein Widerspruch sind, zeigt Sonja Meichle. Als Chefin der größten Marina am See und Vizepräsidentin des Bundesverbands Wassersportwirtschaft verbindet sie die Leidenschaft für den Wassersport mit ökologischer Verantwortung. Ihr Credo: Die Branche wartet nicht auf Verbote, sie liefert bereits Lösungen.

Der Bodensee wird zum Vorreiter für saubere Antriebe. Meichle erklärt, dass der Trend bei kleinen Außen- und Innenbordern seit Jahren gezielt in Richtung Elektroantrieb ginge. Für größere Motoren stünden noch technische Entwicklungen wie bipolares Laden und Range-Extender aus, jedoch tue sich in dieser Hinsicht gerade sehr viel. Damit der Umstieg gelingt, wird parallel die Lade-Infrastruktur in den Häfen rund um den See massiv ausgebaut.

Für alle, die noch mit Verbrennern unterwegs sind, gibt es eine unkomplizierte Lösung, die sofort Wirkung zeigt. Gegenüber der Yacht-Redaktion bestätigte Meichle:

„Alle drei deutschen Seetankstellen haben bereits auf synthetischen HVO-Diesel umgestellt.“

Wie sie bereits in früheren Berichten betonte, können herkömmliche Dieselmotoren diesen Kraftstoff problemlos und rückstandsfrei verwenden. HVO ist nach EN 15940 zertifiziert und für die meisten modernen Dieselmotoren ohne Umrüstung freigegeben. Bis die Elektromobilität bei größeren Motoren technisch ausgereift ist, lassen sich so die CO2-Emissionen sofort massiv reduzieren. Ein Nebeneffekt, der die Crew freuen wird: Auch der lästige Dieselgeruch im Cockpit gehört damit der Vergangenheit an.

Auch beim Thema Antifouling findet ein Umdenken statt. Was im letzten Jahr noch mit Skepsis betrachtet wurde, wird laut Meichle nun zum Standard: „Die bisherigen Erfahrungen mit biozidfreiem Antifouling sind gut. Es wirkt – natürlich abhängig von Faktoren wie Wassertemperatur und Nutzungshäufigkeit des Bootes.“ In ihrer Marina geht die Empfehlung klar zu biozidfreien Produkten.

Eigenverantwortung statt Paragrafen

Während die Schweiz in vielen Kantonen auf strikte Registrierungsverfahren und Reinigungspflicht gegen die Quagga-Muschel setzt, vertraut Meichle auf Eigenverantwortung und Wissen. Starre Regeln seien schwer zu kontrollieren, besonders bei SUPs oder Kleinstbooten.

Sonja Meichle ist überzeugt:

Besser, man setzt auf Aufklärung und Sensibilisierung, sodass Menschen sich freiwillig umsichtig verhalten. Mit übergestülpten Regeln kommt man nicht weit.“

Ihre Marina wird deshalb zum Lernort: In Vorträgen erfahren Skipper alles über umweltfreundliche Pflege, Trinkwasser-Sparen und die richtige Heißreinigung bei Gewässerwechseln. Das Ziel ist klar: Den Bodensee als Ökosystem und Revier erhalten, mit Verstand statt Vorschriften.

Checkliste für Skipper: So schützen Sie den Bodensee

  • Ressourcen schonen: Reinigen Sie das Deck mit Seewasser statt mit kostbarem Trinkwasser und verwenden Sie ausschließlich biologisch abbaubare Reinigungsmittel.
  • Professionelle Heißreinigung bei Gewässerwechsel: Töten Sie Larven der Quagga-Muschel bei einem Gewässerwechsel durch eine Reinigung bei über 60°C ab.
  • Einwasserungserlaubnis bei Überführung in die Schweiz: Stellen Sie sicher, dass Ihnen eine Einwasserungserlaubnis erteilt wird, bevor Sie Ihr Boot in Schweizer Gewässer trailern.
  • Umweltfreundliche Anstriche: Verwenden Sie biozidfreies Antifouling, um die Wasserqualität zu schützen.
  • HVO-Diesel tanken: Tanken Sie regenerativen HVO-Diesel anstatt fossiler Brennstoffe, um deinen ökologischen Fußabdruck zu verringern.
  • fachgerechte Entsorgung: Geben Sie Ihr Abwasser und Ihren Müll ausschließlich an den dafür vorgesehenen Stationen in den Häfen ab.
  • Uferzonen respektieren: Halten Sie sich innerhalb der 300-Meter-Zone strikt an das Schnellfahrverbot (maximal 10 km/h sind erlaubt). Bleiben Sie auch unter Segeln Schilfgürteln freiwillig fern, um Brutvögel nicht zu stören
  • verantwortungsbewusstes Ankern: Ankern Sie nur in den ausgewiesenen Zonen und beachten Sie die maximale Liegedauer von 24 Stunden.
  • Schutzgebiete meiden: Befahren Sie keine markierten Naturschutzgebiete, um die lokale Flora und Fauna zu bewahren.
  • Kiel-Kontakt vermeiden: Fahren Sie nicht in seichte Bereiche ein. Das Aufwirbeln von Sediment schädigt Wasserpflanzen und stört das ökologische Gleichgewicht der Flachwasserzone.

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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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