Das Brandenburger Tor, Schloss Neuschwanstein, des Schwarzwalds nebelige Niederungen und seine sonnigen Höhen: Was haben all diese Orte gemein? Sie gehören zu den bekanntesten Ansichten Deutschlands - im In- und Ausland. Kein Imagefilm, kein Reiseführer kommt ohne diese Wahrzeichen aus. Der Norden hat keine solchen touristischen Schwergewichte und muss anders punkten – mit maritimem Charme wie aus dem Bilderbuch: dem Leuchtturm Westerheversand.
Kein deutsches Seezeichen ist bekannter als Westerheversand. Spielend verweist es selbst Ikonen wie Kap Arkona auf Rügen und Roter Sand in der Außenweser auf die Plätze. Äußeres ist hier alles: Der schlanke Turm mit seinem rot-weißen Ringelanstrich und den zwei flankierenden friesischen Wärterhäusern verkörpert das moderne Klischee eines Leuchtturms so perfekt, das allein sein Anblick sinnliche Assoziationen auslöst: Salzluft auf dem Lippen, in den Ohren Möwengeschrei, und so weiter.
Dabei pflegte Westerheversand die längste Zeit hindurch ein sehr viel profaneres Dasein, wie es für die allermeisten Leuchttürme eben die Regel ist. Dazu passt, dass das Idol von heute keine “Einzelkind” ist. Er hat zwei Brüder, in Hörnum auf Sylt und auf Pellworm. Alle drei entstanden nach ähnlichen Plänen in gleicher Bauart aus gusseisernen Platten in den Jahren 1906 und 1907.
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In Betrieb ging Westerheversand 1908, als Orierentierungsfeuer für den Seebereich nordwestlich der Halbinsel Eiderstedt und als Quermarkenfeuer für die Ansteuerung von Husum und Pellworm durch das Wattenmeer. Technik und Leistung des steigerten sich, von der Kohlestab-Bogenlampe zur Xenon-Hochdrucklampe. 1978 zogen die letzten Wärter ab, der Turm wurde automatisiert.
So weit, so gewöhnlich: Und dennoch leuchtete Westerheversand heller als andere Leuchttürme entlang der heimischen Küsten – besonders im übertragenden Sinne. Vielleicht liegt das Besondere darin, dass er inmitten weiter Marschwiesen völlig allein steht wie ein Monument und nur zu Fuß wie auf einem Pilgerweg erreicht werden kann.
Möglicherweise verdankt er seine Bekanntheit aber auch schlicht der Tatsache, dass eine große norddeutsche Brauerei ihn in den Achtzigern über Jahre hinweg als Werbemotiv nutze. Wobei man aber auch sagen muss: Ohne sein strahlendes Aussehen wäre er für diese Rolle sicher nicht gecastet worden...
Heute widmen sich die beiden ehemaligen Wärterhäuser dem Naturschutz. Sie beherbergen ein Informationszentrum des Nationalparks Wattenmeer. Wer ihn sehen möchte, kann den Turm besteigen und von der Galerie unterhalb der Laterne weit über den Seedeich hinausblicken. Inklusive salziger Luft und (manchmal) schreienden Möwen.
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