Christian Tiedt
· 25.05.2026
Helgoland, der rote Felsen in der Nordsee; viele haben vergessen, dass Deutschlands einzige Hochseeinsel noch gar nicht solange deutsch ist. Erst 1890 war es soweit, nachdem das Deutsche Reich sie im Tausch gegen Sansibar von Großbritannien erhalten hatte. Der wuchtige Leuchtturm in seiner heutigen Form ist ein unmittelbares Ergebnis dieses Handels – auf tragische Weise.
Britische Kronkolonie, das war Helgoland fast 100 Jahre lang, von 1807, als man es den Dänen während der Napoleonischen Kriege “abgenommen” hatte, bis 1890. In dieser Zeit machte die Insel eine spektakuläre Wandlung durch, vom Schmuggelplatz zum Seebad. Denn den Urlaubern auf der Suche nach Sommerfrische war es egal, dass am Hafen des Unterlands der Union Jack wehte.
Für die Schifffahrt in der Deutschen Bucht war der Fels aus Buntsandstein mit seinen umgebenden Riffen also sowohl Ziel als auch Hindernis. So errichteten die Briten bereits 1810 den ersten Leuchtturm. Er stand bis 1902, dann wurde er von einem leistungsstärkeren Nachfolger abgelöst. Sein Entwurf entsprach jenem am Kap Arkona auf der Insel Rügen. Er könnte noch heute stehen, wenn nicht zunächst der Kaiser und später Hitler Helgoland vor allem als eins gesehen hätten: eine schwer bewaffnete Festung.
Kurz vor Kriegsende, am 18 und 19. April 1945, flog die Royal Air Force schwere Bombenangriffe auf die Insel. Auch der Leuchtturm fiel der Zerstörung zum Opfer. Als der Rauch abgezogen war, erhob sich nur noch ein einzelnes Bauwerk aus der Trümmerwüste des Oberlandes – ein Hochbunker, der vierkantige Beton Klotz, von dem die Flugabwehr Helgolands geleitet worden war.
Mit dem Frieden kehrte auch die Notwendigkeit zurück, der Schifffahrt wieder einen Orientierungspunkt zu geben. So kam es, dass in Ermangelung anderer Gebäude, der nur gering beschädigte ehemalige Flakleitstand 1952 ein provisorisches Laternenhaus als Aufsatz bekam und zum neuen Leuchtturm wurde. 1964 erhöht und rot verklinkert, erhielt er in Grundzügen sein heutiges Aussehen. Durch die friedliche Funktion ist seine kriegerische Vergangenheit kaum noch zu erkennen.
Ebenfalls seit 1964 rotiert an seiner Spitze das leistungsstärkste deutsche Leuchtfeuer. Seine Nenntragweite beträgt 28 Seemeilen. Eine Xenon-Hochdrucklampe erzeugt ein Licht mit einer Stärke von 35 Megacandela. Das entspricht etwa dem Licht von 35 Millionen Kerzen oder 350.000 100-Watt-Glühlampen. Selbst am Festland sind seine Blitze bei guten Bedingungen auszumachen.
Gäste auf eigenem Kiel kommen besonders im Sommer reichlich nach Helgoland. Der Südhafen ist zwar Schutzhafen des Bundes und bei jeder Tide anzulaufen, eine kommerzielle Marina wird aber nicht betrieben.
Liegeplätze stehen je nach Bootsgröße zur Verfügung, im Südhafen an der Schwimmsteganlage entlang der Ostkaje, der zentralen Steganlage (des Wassersportclub Helgoland, Anmeldung vorab), sowie gegebenenfalls an der Nord- und Westkaje. Die Anmeldung vor Ort erfolgt im Hafenamt Helgoland. Dazu kommen Liegeplätze im Nordosthafen, dort erfolgt die Anmeldung beim Hafenmeister des WSC Helgoland.

Ressortleiter Reise