Der Westen Jütlands wird von endlosem Strand gesäumt, begrenzt von Dünen auf der einen Seite und der Nordsee auf der anderen. An einem sonnigen Sommertag bietet sich ein friedliches Bild. Doch es täuscht: Das Meer ist flach und die sich ständig veränderten Sände davor heimtückisch. Wenn das Wetter umschlägt, kann diese langgestreckte Leeküste für unvorsichtige Schiffe schnell zur tödlichen Falle werden.
So am 24. Dezember 1811. An diesem Tag zieht ein Orkan über die Nordsee hinweg und trifft mit voller Kraft auf eine Handvoll britischer Schiffe, getrennt von einem weitaus größeren Geleitzug. Napoleons Krieg in Europa macht die Schutzmaßnahme nötig: 150 Handelssegler, in der Obhut der Royal Navy, schwer beladen auf dem Weg von Südschweden nach England.
Doch gegen die Wut der Natur sind selbst die größten Kriegsschiffe auf Glück angewiesen. Und zwei von ihnen haben das ihre an diesem Heiligabend aufgebraucht: HMS “Defense”, ein Zweidecker mit 74 Kanonen, und die noch mächtigere HMS “St. George”, vergeblich benannt nach dem Schutzpatron Englands, mit 98 Geschützen auf drei Decks.
Der Dreidecker ist bereits angeschlagen, nur mit Notruder unterwegs. Doch Admiral und Kommandant wähnen sich sicher. Die Einschätzung wird nicht nur ihnen zum Verhängnis werden. Immer dichter wird das Linienschiff auf die Küste getrieben, völlig steuerlos, nachdem bei einem vergeblichen Ankermanöver das Notruder von der Ankertrosse zerstört und auch die Sturmfock vom Wind davongerissen wird.
Gegen sechs Uhr morgens strandet die “St. George” schließlich etwas südlich von Thorsminde und in Sichtweite des Strands. Doch die mörderische Brandung lässt eine Evakuierung nicht zu. Die Beiboote schlagen voll, sobald sie das Wasser berühren. Eine gewaltige Welle wäscht mehrere Hundert Männer vom Deck ins Meer, sie ertrinken oder erfrieren in der eisigen See.
Ein Dutzend Seeleute auf zwei Flößen schaffen es bis an den Strand. Sie sind die einzigen Überlebenden der “St. George”. Auch HMS “Defense” geht verloren, die sich zu nah am größeren Schiff hält. Hier überleben vier Männer. Knapp 1.400 Menschen finden den Tod, Matrosen, aber auch einige eingeschiffte Zivilisten, darunter Frauen und Kinder.
Die Namen der Ertrunkenen bedecken heute eine der Wände im Strandingsmuseum St. George in Thorsminde, nördlich der Einfahrt zum Hafen und zum Nissum Fjord. Inzwischen mehrfach erweitert, dokumentiert es seit 1992 die Katastrophe. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der “St. George”, von deren Wrack eine Vielzahl von Artefakten geborgen werden konnten.
Viele von ihnen werden im Museum atmosphärisch eindrucksvoll präsentiert. Sie illustrieren das tägliche Leben und die Arbeit der Seeleute an Bord ebenso, wie die Funktionsweise eines Linienschiff aus der Zeit der napoleonischen Kriege und schließlich den dramatischen Schiffbruch selbst. Größte Exponate sind dabei neben Geschützen auch der Anker - und das imposante 11,5 Meter hohe Ruder.
Der Verlust des Ruders zuvor in der Ostsee hatte erst die Voraussetzungen geschaffen für die spätere Katastrophe in der Nordsee. Gefunden wurde es zufällig beim Bau eines Offshore-Windparks südlich von Gedser im Jahr 2003. Nach archäologischer Untersuchung kam es ins Strandingsmuseum St. George, wo es heute hoch aufgerichtet wie ein schwarzes Mahnmal an die Tragödie vom Heiligabend 1811 erinnert.
Gastliegeplätze finden sich im Hafen von Thorsminde im südlichen Teil des Vesthavn, der westlich von Schleuse und Brücke liegt. Service ist vorhanden. Die Einfahrt ist befeuert. Die Entfernung zum Museum beträgt etwa 750 Meter.

Ressortleiter Reise
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