DänemarkChartertörn im Samsøbelt - Teil 2

Jan-Ole Puls

 · 13.01.2026

Die geliehene Hallberg-Rassy 40 vom Vercharterter JIM Søferie aus Kerteminde.
Foto: Ole Puls
Wind & Wetter Im Sommer (Juni–August) ist das Wetter zwischen Samsø und dem dänischen Festland meist mild. Die Temperaturen liegen tagsüber typischerweise bei 18–22 Grad. Es gibt viele freundliche Tage, aber das Wetter bleibt wechselhaft mit gelegentlichen Schauern. Der Wind ist fast immer spürbar, vor allem über dem Wasser. Er weht meist aus westlichen bis südwestlichen Richtungen und bewegt sich häufig im Bereich einer mäßigen Brise. Insgesamt sind es typische dänische Sommerbedingungen: angenehm, aber selten völlig windstill.

Ein spätsommerlicher Törn führt von ruhigen Inselhäfen mitten hinein in die Großstadt. Zwischen Samsø, Tunø und Aarhus ist viel Zeit für traumhaftes Segeln, gutes Essen und das Gefühl, dass man eigentlich noch nicht zurück will.


Lesen Sie hier den ersten Teil der Reisereportage:
Dänemark: Chartertörn im Samsøbelt - Teil 1


​Farvel Samsø - Hej Tunø!

Am späten Nachmittag legt sich der Wind langsam, die Sonne färbt die Bucht in warmes Licht, unsere Yacht schaukelt ganz leicht in der Box. Zwei Tage Ballen, wir haben den Hafen nicht verlassen, und doch fühlt es sich schon nach einer deutlich längeren Zeit an, die wir hier verbracht haben. Am nächsten Morgen nutzen wir das Wetterfenster, um weiterzuziehen. Südlich um Samsø herum segeln wir am Off­shore-­Windpark vorbei. Die Rotoren an den hohen weißen Türmen drehen sich gleichmäßig im Wind, das Wasser schimmert tiefblau zwischen den Fundamenten. Die Rassy läuft sauber am Wind, fünf bis sechs Knoten Fahrt bei acht Knoten Wind. Je weiter südlich wir kommen, desto ruhiger wird das Wasser. Als würde die Insel selbst eine schützende Hand über die See legen. Kurs 352 liegt an.

Tunø taucht als grüne, sanft gewölbte Silhouette am Horizont auf. Die Einfahrt in den kleinen Hafen ist eng, aber charmant. Wir finden schnell einen Platz für einen kurzen Landgang. Die Insel und der Hafen sind dabei wie ausgestorben. Wir zählen nur sechs Boote. Wer einmal im Sommer hier war, weiß: Normalerweise teilen sich sechs Schiffe einen Liegeplatz. Autos gibt es keine, nur Fahrräder und Schubkarren. Die Wege zwischen den Häusern wirken wie aus der Zeit gefallen. Durch die stille „Innenstadt“ schlendern wir zur Kirche, die zugleich als Leuchtturm dient – ein ungewöhnliches Doppel, das Tunø berühmt gemacht hat. Vom Hügel aus blickt man über Felder bis zur See, die sich in breiten Schwüngen um die Insel legt. Ein schneller Kaffee, dann legen wir ab.

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Bestes Segelwetter

Der Wind steht günstig für Ebeltoft, und sobald wir aus dem Schutz der Insel heraus sind, nimmt die Yacht wieder Fahrt auf. Der Blister wird gesetzt. Kurs 019 liegt an, so schaffen wir teilweise über acht Knoten mit fünf Grad Krängung und wenig Ruderdruck. Der ein oder andere Segler wird überholt und freundlich gegrüßt. Gibt es etwas Schöneres? In der Ferne taucht Helgenæs auf, dahinter die Bucht von Ebeltoft. Die Einfahrt in die Stadt ist ruhig, nur die tief stehende Sonne und eine heranziehende Regenwolke färben die Szenerie. Den Abend verbringen wir unter Deck, begleitet vom ersten starken Herbstregen. Zum Abendbrot gibt es Pfannengemüse von Samsø und Tunø. Eine Mitseglerin ist Dänin. Beim Einkaufen an kleinen Ständen ist das von Vorteil. Es ist zwar alles auf Deutsch beschrieben, aber gezahlt wird oft mit MobilePay. Wer sich dort anmelden möchte, muss dänisch sein. Deutsche können das nicht, da eine CPR-Nummer angegeben werden muss. Unter dieser Identifikationsnummer sind alle Daten der Person gespeichert. Die Nachbarn sind uns bei der Digitalisierung einen großen Schritt voraus.

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Ebeltoft - Die Ruhe vor dem Sturm

Der Hafen von Ebeltoft liegt geschützt in einer Bucht und ist leicht anzusteuern, selbst bei mehr Wind. In wenigen Minuten ist man mitten in der Stadt. Kopfsteinpflaster, schiefe Häuser, kleine Läden und Cafés sorgen für echtes dänisches Hafenstadt-Flair. Einen Besuch wert ist auf jeden Fall die historische Fregatte „Jylland“ von 1860. Früh am nächsten Morgen, kurz vor Tagesanbruch, legen wir in Ebeltoft ab. Der Hafen liegt still, nur vereinzelt brennt Licht in den Cockpits. Diese Crews haben wohl die gleiche Idee wie wir: das Wetterfenster nutzen, bevor es zu blasen beginnt. Noch ist es nur ein Hauch und wir laufen unter Motor, während der Himmel von Blau zu Grau wechselt. Nach und nach erscheint die Küste. Erst als Schatten, dann mit Kontur. Möwen ziehen Kreise, das Wasser liegt fast glatt. Man merkt aber, dass sich etwas anbahnt. Angesagt sind bis zu 30 Knoten Wind. Wir wollen die Zeit in Aarhus abwettern. Außerdem ist in unserer Bordkasse noch Geld, um einmal schön essen zu gehen.

Aarhus - Es wird lebhafter

Je näher Aarhus kommt, desto mehr Leben zeigt sich am Horizont. Frachter und Schnellfähren tauchen aus dem Dunst auf. Wir haben Glück und erreichen die Stadt rechtzeitig, bevor der angekündigte Starkwind kommt. Von der Marina direkt in der Stadt lässt sich das Zentrum zu Fuß erkunden: breite Promenaden, kleine Gassen, Cafés am Wasser und eine beeindruckende Architektur. Ein Spaziergang durch das Freilichtmuseum Den Gamle By fühlt sich wie eine kleine Zeitreise an, während das ARoS-Kunstmuseum mit Regen­bogen­panorama einen modernen Kontrast bietet. Mit den letzten Tagen hat das hier nicht viel gemein. Zwar bemühen sich die Dänen, die Stadt möglichst grün zu gestalten, es ist und bleibt aber die zweitgrößte Stadt Dänemarks. Für uns hat das allerdings auch einen Reiz und wir genießen den Trubel. Wir mischen uns unter die Leute und bekommen mit, dass gerade ein Stadtfest in vollem Gange ist. Wir haben uns schon gewundert, wieso überall kleine Buden in der Stadt verteilt sind. Die Bordküche bleibt zum ersten Mal kalt und wir gehen essen.

Ein weiteres Mal: Abwettern

Bei der abend­lichen Törnplanung und dem dazugehörigen Blick aufs Wetter zeigt sich schnell: Vor 14 Uhr brauchen wir morgen nicht aufzubrechen. Angesagt sind 1,50 Meter Welle und 28 Knoten Wind bis mittags, danach stark abnehmend. Wir entscheiden uns, später loszufahren und dann Hou anzusteuern. Unter Land kreuzen wir in Richtung Ostsüdost und die Rassy zeigt mal wieder, dass zehn Tonnen auch segeln können. Hou ist übersichtlich und doch überraschend groß. Viele Stege, Platz zum Manövrieren, entspannte Atmosphäre. Direkt am Hafen gibt es alles Notwendige, kurze Wege zum Ort, Strände für einen Spaziergang. Wieder ein Ort zum Durch­atmen und eine wirklich gute Wahl nach der hektischen Großstadt. Außerdem soll es hier das beste Fish and Chips Dänemarks geben, so zumindest erzählte man uns im heimischen Segelclub. Leider war es für einen Test schon zu spät, aber wenn es ums Essen geht, ist unsere Quelle sehr zuverlässig. Die Woche nähert sich dem Ende und wir müssen zurück nach Kerte­minde. Vor uns liegen 36 Seemeilen bei perfekten Bedingungen: Halbwind mit zehn Knoten und ein 110 Quadratmeter großer Blister. Jeder Segler weiß, wie bei solchen Bedingungen der Puls steigt. Der Strom spielt auf unserer Seite und der aufgezeichnete Segeltag hat eine Durchschnittsgeschwindigkeit von acht Knoten. So lassen sich auch längere Strecken entspannt genießen. Nach viereinhalb Stunden laufen wir in die Bucht von Kerteminde ein. Der Tag hat so viel Spaß gemacht, dass wir gar nicht aufhören wollen – und ehrlich gesagt auch nicht, dass die Woche endet. Gerade als wir überlegen, im Hafen festzumachen, zieht das Regattafeld des Vegvisir Race 2025 unter der Großer-Belt-Brücke durch. Natürlich können wir uns das Spektakel nicht entgehen lassen. Ein krönender Abschluss, der die schöne Segelwoche noch einmal ganz besonders macht.


Revier-Infos

Charter
Unsere Hallberg-­Rassy 40 haben wir von dem dänischen Charterunternehmen Jim Søferie bekommen. Die Charterbasis liegt im Hafen von Kerteminde und bietet so einen perfekten Ausgangspunkt für Törns in Dänemark und Schweden. Zur Auswahl stehen insgesamt zwölf Schiffe. Die ­Range reicht von der kleineren Hallberg-Rassy 29 bis hin zu unserer 40er. Die Anreise mit dem Auto von Hamburg aus beträgt ungefähr dreieinhalb Stunden. Parkplätze stehen kostenlos auf einem eingezäunten Gelände zur Verfügung. Auch Extras wie Endreinigung, ein Schlauchboot, Außenborder oder Bettwäsche stehen zur Verfügung. Eine Woche Charter kostet 4.470 Euro in der Saison und 3.850 Euro außerhalb.

Navigation
Die Navigation zwischen Samsø und dem dänischen Festland gilt insgesamt als gut beherrschbar. Das Revier ist übersichtlich und die Fahrwasser sowie Hafen­ansteuerungen sind zuverlässig betonnt, dennoch gibt es rund um Samsø und in Küstennähe zahlreiche Untiefen und Flachstellen. Hinzu kommt regelmäßiger Fährverkehr, dem frühzeitig ausgewichen werden sollte. Bei Wind gegen Strom baut sich oft eine kurze, steile Welle auf.

Literatur & Karten
Delius Klasing, Sportbootkarten Satz 5: „Kattegat“ (99,90 €) und Satz 4: „Großer Belt bis Bornholm“ (89,90 €). shop.delius-klasing.de Havneguide.dk ist eine dänische Online‑Hafenplattform. Ein Hafenführer, der speziell für Seglerinnen, Segler und Bootsreisende in Dänemark entwickelt wurde. havneguide.dk


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