DänemarkChartertörn im Samsøbelt - Teil 1: Samsø

Jan-Ole Puls

 · 13.01.2026

Der Hafen von Ballen ist der größte auf der dänischen Ostseeinsel Samsø.
Foto: Ole Puls
​Ein spätsommerlicher Törn führt von ruhigen Inselhäfen mitten hinein in die Großstadt. Zwischen Samsø, Tunø und Aarhus ist viel Zeit für traumhaftes Segeln, gutes Essen und das Gefühl, dass man eigentlich noch nicht zurück will.

Mein Mann heißt gar nicht Jim, sondern Jørgen“, lacht Inge Juhl Lorenzen. Das fängt ja gut an! Wir übernehmen ein Charterboot und reden den Betreiber falsch an. „Das passiert hier jeden Tag, mittlerweile hört er auch auf den Namen“, erwidert seine Frau mit einem Lächeln auf unsere ­Entschuldigung. Beide zusammen führen eines der bekanntesten Charterunternehmen in Dänemark. Fast jeder Segler kennt Steg 6 in der gerade frisch zum „Hafen des Jahres 2025“ gewählten Marina Kerteminde. Hier waltet das Unternehmen Jim Søferie seit über 40 Jahren. „Angefangen hat es mit unserem eigenen Boot“, erzählt Jørgen Juhl Lorenzen aka Jim. „Dann kam das zweite, und so weiter. Jetzt besitzen wir zwölf Schiffe in der Vercharterung.“

Dänischer Kuchen und französische Vögel

Es ist Anfang September und wir übernehmen eine Hallberg-Rassy von den beiden. Eine Woche Segeln zwischen Samsø, Tunø und der Großstadt Aarhus. Eins kann ich vorwegnehmen: Es war leerer in den Häfen als gedacht, dafür umso schöner. Die Übergabe ist charmant und sehr persönlich gestaltet: Eine Flasche Rosé für den Weg, dazu ein frisch gebackenes Stück Kuchen. Später erfahren wir, dass das kein Einzelfall ist. Bei jedem neuen Gast landet Gebäck auf dem Tisch. Wir bekommen das größte Schiff, eine super gepflegte ältere Dame mit dem Namen „Le Roitelet“. Alle Boote der beiden sympathischen Dänen haben französische Vogelnamen. „Le Roitelet“ bedeutet übersetzt Zaunkönig. Ein Bild vom jeweiligen Vogel hängt als Zeichnung im entsprechenden Salon.

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Nach der Übergabe geht es früh in die Kojen, um für den nächsten Tag ausgeschlafen zu sein. Der könnte kaum schöner starten. Möwen kreisen durch den Hafen, der Duft von frischem Kaffee und Brötchen liegt in der Luft, und das Gefühl, dass ein perfekter Segeltag auf uns wartet, lässt uns förmlich aus den Betten unserer Rassy schweben. Wasser auf den Herd, Kaffee in die Pressstempelkanne, und während sich an Bord das herrliche Aroma „eines Morgens auf einem Segelboot“ ausbreitet, bereiten wir das Ablegen vor. Wenig später stehen wir achtern, mit Tasse in der Hand, genießen die Sonnenstrahlen und warten, bis der Motor warm wird. Zugegeben, das Warten fällt schwer – wir wollen los und heute noch nach Ballen auf Samsø. Das sind von Kerteminde aus rund 25 Seemeilen. An einem Tag also gut zu schaffen. Achtung aber: Im Großen Belt kann auch eine Menge Strom stehen! Ein bis zwei Knoten sind keine Seltenheit. Möchte man dagegen an, sollte man sich unter Land halten oder dementsprechend mehr Zeit einplanen.

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Erster Schlag: Kurs auf Samsø

Das erste Manöver mit dem neuen Schiff klappt perfekt. Außerhalb des Hafens fahren wir in den Wind, das Groß geht hoch, die Fock folgt. Der Motor verstummt, Kurs 072 liegt an. Bei gemütlichen zwölf Knoten Wind und sechs bis sieben Knoten Speed segeln wir Richtung Mårup, drehen nach einer halben Stunde ab mit Kurs auf Samsø. Der Wind raumt, die Fock wird ausgebaumt, der Autopilot eingeschaltet und der Strom schiebt uns zusätzlich mit einem Knoten – schöner könnte es kaum sein. Zeit fürs Frühstück. Nach einem ruhigen Schlag aus Süden laufen wir am späten Nachmittag in Ballen ein. Schon die Ansteuerung verrät, warum der Hafen einer der beliebtesten auf Samsø ist: Lange Sandstrände flankieren die Bucht, und über den roten Dächern liegt ein leichter, warmer Schimmer, als würde die Insel sich von ihrer besten Seite zeigen wollen. Der Hafen selbst ist lebendig, im Sommer hektischer als jetzt, Anfang September. Heute ist er beinahe ausgestorben. Breite Holzstege, aber auch ein Schwimmsteg in der Mitte sind vorhanden. Ein kleiner Supermarkt, und Restaurants direkt am Wasser, die abends den Geruch von Fisch über die Masten wehen lassen, gibt es auch.

Es gibt schlimmere Orte zum Abwettern als Samsø

Wir machen am Mittelsteg fest. Überall sind mindestens 2,40 Meter Wassertiefe. Auch mit größeren Yachten sollte man hier kein Problem bekommen. Neben uns liegt die neue Hallberg-Rassy 40. Cool, zwei Epochen nebeneinanderliegen zu sehen! Schnell kommt man mit dem niederländischen Eignerpaar ins Gespräch. Ein typischer Hafenabend mit Anlegebier und netten Gesprächen über ältere und neue Boote folgt. Der nächste Morgen bringt deutlich mehr Wind als angekündigt. Böen fegen quer über den Hafen, weiße Schaumkronen laufen herein. Die Entscheidung fällt schnell: Wir bleiben. Samsø ist einer dieser Orte, an denen ein Hafentag kein Verlust ist. Eher die Gelegenheit, die Insel wirklich kennenzulernen. Wer hier abwettert, sollte im Inneren des Hafens liegen. Direkt in der Einfahrt wird es bei Wellen aus Nord bis Nordost schaukelig. Das verläuft sich aber nach hinten und wir haben kaum etwas von dem schlechteren Wetter gemerkt.

Landgang auf der Postkarten-Insel

Für ausgedehntere Landgänge kann man hier im Übrigen problemlos ein Auto oder Fahrrad mieten, und genau das tun wir auch. Für alle anderen Liegenbleiber hat der Hafen ein besonderes Schmankerl zu bieten: Er besitzt eine Sauna, die von Gästen kostenfrei benutzt werden kann. Auch die Duschen sind in der Liegegebühr inbegriffen. Die Landschaft von Samsø ist eine Mischung aus offenen Feldern, sanften und überraschend steilen Hügeln und kleinen, fast märchenhaften Dörfern. Die Ostküste empfängt uns mit goldgelben Weiden und weitem Blick über die Ostsee. Immer wieder lohnt ein Stopp am Strand: Klares Wasser, heller Sand, kaum Menschen. Das Inselinnere wirkt wie eine Postkarte. Bauernhöfe, Kartoffelfelder, Stände mit Selbstbedienung. Zum Abendessen gibt es die berühmten Samsø-Kartoffeln, klassisch mit persillesovs, einer Petersiliensauce. Der Norden rund um Issehoved zeigt sich wild. Eine schmale Landzunge zieht sich ins Meer. Von oben betrachtet wirkt es wie das Ende der Welt. Einheimische nennen den Ort „das Skagen von Samsø“.

Royaler Besuch und die schönsten Inselhäfen

Im Westen, nahe Trane­bjerg, entdecken wir Hofcafés und Kunsthandwerkerläden. Ein kurzer Halt, ein Stück Apfelkuchen, und schon fühlen wir uns wie Stammgäste auf Zeit. Tranebjerg, auf Deutsch Kranichberg, ist der größte Ort der Insel. Hier leben ganze 843 Personen, stand Januar 2025. Besonders beeindruckend: Es gibt sogar eine eigene Brauerei und ein lokal tätiges Gericht. In allen Lebenslagen ist hier also Hilfe zu finden. Gut gefallen hat uns auch der Ort Nordby. Der vermutlich bereits im frühen Mittelalter entstandene Ort wirkt verspielt und einfach nur gemütlich. Typisch Dänisch eben. Auch Seine Majestät der König und die Königin von Dänemark waren einige Tage vorher zu Besuch. Die Königsyacht „Dannebrog“ lag im Hafen von Kolby Kås.

Auch die weiteren Häfen der Insel schauen wir uns an. Für uns bleibt Ballen der Lieblingshafen, dicht gefolgt von Mårup. Der oben erwähnte Hafen Kolby Kås ist ein Fährhafen – für einen Nachtstopp okay, als graue Betonwüste aber davon abgesehen weniger zu empfehlen. Es gibt so gut wie nichts außer dem Anleger und ein paar Boxen. Empfehlenswert für alle, die Ruhe suchen, ist Langør. Wer hierherkommt, will raus aus dem Trubel. Schon die Ansteuerung durch den flachen Stavns Fjord entschleunigt. Der Tonnenstrich zieht sich durchs Wasser, links und rechts breitet sich Schilf aus. Der Hafen selbst ist klein, überschaubar und angenehm schlicht. Ein paar Stege, ein kleines Bistro, ansonsten viel Luft und Ruhe. Die Boxen sind ausreichend groß, und spätestens nach dem Abschalten des Motors fällt auf, wie still es ist. Man sitzt im Cockpit, schaut über den Fjord und merkt schnell, dass man nichts vermisst. Keine großen Restaurants, keine Shoppingmeile – dafür Natur pur. Ein kurzer Spaziergang entlang des Ufers, ein Blick auf die kleinen Inseln und Vogelkolonien, mehr braucht es nicht. Leider ist das Clubhaus kurz vor unserem Besuch abgebrannt.


Hier geht es zum zweiten Teil der Reisereportage:
Dänemark: Samsø - Teil 2


Revier-Infos

Charter
Unsere Hallberg-­Rassy 40 haben wir von dem dänischen Charterunternehmen Jim Søferie bekommen. Die Charterbasis liegt im Hafen von Kerteminde und bietet so einen perfekten Ausgangspunkt für Törns in Dänemark und Schweden. Zur Auswahl stehen insgesamt zwölf Schiffe. Die ­Range reicht von der kleineren Hallberg-Rassy 29 bis hin zu unserer 40er. Die Anreise mit dem Auto von Hamburg aus beträgt ungefähr dreieinhalb Stunden. Parkplätze stehen kostenlos auf einem eingezäunten Gelände zur Verfügung. Auch Extras wie Endreinigung, ein Schlauchboot, Außenborder oder Bettwäsche stehen zur Verfügung. Eine Woche Charter kostet 4.470 Euro in der Saison und 3.850 Euro außerhalb.

Wind & Wetter
Im Sommer (Juni–August) ist das Wetter zwischen Samsø und dem dänischen Festland meist mild. Die Temperaturen liegen tagsüber typischerweise bei 18–22 Grad. Es gibt viele freundliche Tage, aber das Wetter bleibt wechselhaft mit gelegentlichen Schauern. Der Wind ist fast immer spürbar, vor allem über dem Wasser. Er weht meist aus westlichen bis südwestlichen Richtungen und bewegt sich häufig im Bereich einer mäßigen Brise. Insgesamt sind es typische dänische Sommerbedingungen: angenehm, aber selten völlig windstill.

Navigation
Die Navigation zwischen Samsø und dem dänischen Festland gilt insgesamt als gut beherrschbar. Das Revier ist übersichtlich und die Fahrwasser sowie Hafen­ansteuerungen sind zuverlässig betonnt, dennoch gibt es rund um Samsø und in Küstennähe zahlreiche Untiefen und Flachstellen. Hinzu kommt regelmäßiger Fährverkehr, dem frühzeitig ausgewichen werden sollte. Bei Wind gegen Strom baut sich oft eine kurze, steile Welle auf.

Literatur & Karten
Delius Klasing, Sportbootkarten Satz 5: „Kattegat“ (99,90 €) und Satz 4: „Großer Belt bis Bornholm“ (89,90 €). shop.delius-klasing.de Havneguide.dk ist eine dänische Online‑Hafenplattform. Ein Hafenführer, der speziell für Seglerinnen, Segler und Bootsreisende in Dänemark entwickelt wurde. havneguide.dk


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