Besondere LeuchttürmeRubjerg Knude - auf der Flucht vor dem Meer

Christian Tiedt

 · 12.07.2026

Besondere Leuchttürme: Rubjerg Knude - auf der Flucht vor dem MeerFoto: picture alliance / Amazing Aerial Agency, Dimitri Weber
Sicher - aber nicht für alle Ewigkeit. Rubjerg Knude Fyr hoch über der Nordsee.
Besondere Leuchttürme: Rubjerg Knude Fyr an der Westküste Jütlands führt einen Kampf, der auf Dauer nicht zu gewinnen ist - gegen die Nordsee. Da blieb nur eins: Rückzug.

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Wenn Leuchttürme den anrennenden Elementen trotzen sollen, müssen sie nicht nur robust gebaut sein. Sie müssen auch auf festem Grund stehen. Eine Felsküste aus Granit etwa oder ein sicherer Standort fern der Brandung. Bei Rubjerg Knude war es anders: Man baute im wahrsten Sinne auf Sand. Und dass an Jütlands Westküste, wo die Winterstürme regelmäßig Land rauben.

Auf der sicheren Seite?

Um eine möglichst große Feuerhöhe zu erreichen, wählten die Ingenieure die höchste Erhebung der Umgebung: die Wanderdüne Rubjerg Knude. 200 Meter landeinwärts ihrer seeseitigen Flanke, im Windschutz hinter dem höchsten Dünenkamm, wähnte man sich auf der sicheren Seite. Im Jahr 1900 wurde das Feuer an der Spitze des quadratischen Turms entzündet, 90 Meter über dem Meer, mit einer eindrucksvollen Tragweite von 25 Seemeilen. Man gratulierte sich.

  • Name: Rubjerg Knude Fyr, Jütland, Dänemark
  • Lage: Nordsee
  • Position: 57°26′56,5″N, 009°46′31,7″E
  • Turmhöhe: 23 m
  • Feuerhöhe: 90 m
  • Kennung: Fl.(1+2)W. 30s

Der Sand löscht das Feuer

Doch schon bald stellte sich heraus, dass um den Turm herum alles in Bewegung war. Die Düne wanderte mit dem Wind langsam nach Osten. Der feine Sand machte den Wärtern zu schaffen, drang in jeden Bereich ihres Lebens ein. Je näher der Dünenkamm kam, desto mehr musste geschaufelt werden. Wagenfuhre um Wagenfuhre.

Zu bändigen war die Düne nicht. Längst waren Brunnen und Garten verschüttet, als ihr Grat so hoch wurde, dass das Feuer des Leuchtturms dahinter verschwand. 1968 musste es gelöscht werden. Rubjerg Knude zog weiter und begrub mit der Zeit alle Gebäude bis auf den Turm selbst. Fünfzig Jahre lang. Doch als das Gelände dann wieder zutage trat, drohte dem Seezeichen erst recht der Untergang: Die Abbruchkante der Steilküste war inzwischen gefährlich nah gekommen.

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Fluchthelfer für den Turm

Um 2016 lagen nur noch so wenige Meter zwischen dem Turm und dem Abgrund, das schon ein einzelner verheerender Sturm den Absturz bedeutet hätte. Während die Behörde im fernen Kopenhagen dieses Schicksal als Lauf der Dinge sah, und schon an Abriss dachte, regte sich vor Ort Widerstand.

Längst war der Turm zum beliebten Ausflugsziel geworden, die Aussicht von seiner Galerie - nach wie vor zugänglich - spektakulär. Man ersann einen Plan, dem Turm bei der Flucht zu helfen. Auch die Hauptstadt gab Geld. So zog das 700 Tonnen schwere Seezeichen auf Schienen 80 Meter weit landeinwärts. Rubjerg Knude Fyr war gerettet – zumindest für die nähere Zukunft.

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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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