Wenn Leuchttürme den anrennenden Elementen trotzen sollen, müssen sie nicht nur robust gebaut sein. Sie müssen auch auf festem Grund stehen. Eine Felsküste aus Granit etwa oder ein sicherer Standort fern der Brandung. Bei Rubjerg Knude war es anders: Man baute im wahrsten Sinne auf Sand. Und dass an Jütlands Westküste, wo die Winterstürme regelmäßig Land rauben.
Um eine möglichst große Feuerhöhe zu erreichen, wählten die Ingenieure die höchste Erhebung der Umgebung: die Wanderdüne Rubjerg Knude. 200 Meter landeinwärts ihrer seeseitigen Flanke, im Windschutz hinter dem höchsten Dünenkamm, wähnte man sich auf der sicheren Seite. Im Jahr 1900 wurde das Feuer an der Spitze des quadratischen Turms entzündet, 90 Meter über dem Meer, mit einer eindrucksvollen Tragweite von 25 Seemeilen. Man gratulierte sich.
Doch schon bald stellte sich heraus, dass um den Turm herum alles in Bewegung war. Die Düne wanderte mit dem Wind langsam nach Osten. Der feine Sand machte den Wärtern zu schaffen, drang in jeden Bereich ihres Lebens ein. Je näher der Dünenkamm kam, desto mehr musste geschaufelt werden. Wagenfuhre um Wagenfuhre.
Zu bändigen war die Düne nicht. Längst waren Brunnen und Garten verschüttet, als ihr Grat so hoch wurde, dass das Feuer des Leuchtturms dahinter verschwand. 1968 musste es gelöscht werden. Rubjerg Knude zog weiter und begrub mit der Zeit alle Gebäude bis auf den Turm selbst. Fünfzig Jahre lang. Doch als das Gelände dann wieder zutage trat, drohte dem Seezeichen erst recht der Untergang: Die Abbruchkante der Steilküste war inzwischen gefährlich nah gekommen.
Hier finden Sie noch mehr besondere Leuchttürme.
Um 2016 lagen nur noch so wenige Meter zwischen dem Turm und dem Abgrund, das schon ein einzelner verheerender Sturm den Absturz bedeutet hätte. Während die Behörde im fernen Kopenhagen dieses Schicksal als Lauf der Dinge sah, und schon an Abriss dachte, regte sich vor Ort Widerstand.
Längst war der Turm zum beliebten Ausflugsziel geworden, die Aussicht von seiner Galerie - nach wie vor zugänglich - spektakulär. Man ersann einen Plan, dem Turm bei der Flucht zu helfen. Auch die Hauptstadt gab Geld. So zog das 700 Tonnen schwere Seezeichen auf Schienen 80 Meter weit landeinwärts. Rubjerg Knude Fyr war gerettet – zumindest für die nähere Zukunft.
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