Text: Caro Käßler
Unsere siebenköpfige Crew macht im August die „Sparkling Spirit“ klar. Nach Monaten Planung beginnt unser Törn mit dem Vorsatz: echte Segelei abseits klassischer Reviere.
Lerwick, die Hauptstadt, empfängt uns mit nordischer Klarheit: graue Häuser, bunte Fischerboote, kleine Läden, hübsche Cafés und Kneipen mit Charakter. Rund ein Drittel der gesamten Bevölkerung lebt hier – etwa 7.500 Menschen.
Alles scheint wie gemacht für Seefahrer – oder solche, die es werden wollen. Im Café Fjara, mit Blick auf die Bucht, treffen wir uns zur Crewbesprechung. Denn unseren ursprünglichen Routenplan müssen wir bereits wieder verwerfen: Nach einem ungewöhnlich stabilen Hochsommer bringt Tief Floris Regen und Böen bis 74 Knoten.
Die südlich gelegene Fair Isle streichen wir, auch die Westseite Shetlands ist damit tabu. Wir bleiben im Osten, im Lee der Insel, wo das Wetter etwas milder ist – relativ. Wie heißt es? „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“
Unsere Jeanneau Sun Odyssey 43 liegt bereit. Noch ist sie die einzige Charteryacht der Region. Die Saison ist kurz, das Wetter launisch. Wer hier segelt, tut es nicht für Hängematte und Hugo. Sondern für Natur und Abenteuer. Segeln auf den Shetlands verlangt Vorbereitung – und Respekt.
Starke Tidenströme, unbetonnte Felsen, enge Einfahrten und berüchtigte tidal races – kabbelige Wasserzonen, die bei Wind gegen Strom zu gefährlichen Verhältnissen führen können. Vorausschauendes Navigieren ist Pflicht. Gezeiten-Atlas und Revierführer gehören fest zur Ausrüstung. Das Wetter? Überraschend rau. 20 bis 30 Knoten Wind sind normal. Dafür gibt’s: Seehunde, Delfine, Papageientaucher – und eine Landschaft, die unter die Haut geht.
Nachdem unser Proviant verstaut und die erste Sicherheitseinweisung erledigt ist, überrascht unser Skipper uns mit einem Welcome-Whisky direkt aus der hiesigen Destille. Wir sitzen im Cockpit und genießen die Sonne – vielleicht zum letzten Mal in dieser Woche.
Durch den Bressay Sound verlassen wir Lerwick – und prompt reißt das Genuafall. Ein improvisierter Wechsel aufs Spifall rettet uns vor drei Tagen Hafenzwangspause. Nach 75 Minuten Bastelarbeit steht die Genua wieder.
An Backbord gleitet das Giant’s Leg vorbei, eine beeindruckende Felsformation, eingebettet in dramatisch zerklüftete Küste. Um uns herum tummeln sich Seevögel: Basstölpel, Möwen, sogar ein paar Papageientaucher begleiten uns.
Ursprünglich wollten wir bei Noss einen Ankerstopp einlegen, und an Land die spektakulären Sandsteinklippen besuchen. Doch durch unsere Verzögerung mit dem Vorsegel bleibt dafür heute keine Zeit. Wir luven an und segeln weiter Richtung Whalsay.
Die Wolken brechen auf und die Sonne kommt durch. Wir verteilen Sonnencreme: Die Ozonschicht ist dünn hier oben. Gegen 20 Uhr erreichen wir Symbister auf der Westseite Whalsays und machen längsseits an der inneren Mole fest. Der erste Törntag endet ruhig.
Für den nächsten Tag erwartet uns eine Sturmwarnung: Ab Mittag soll es losgehen. Mit zwei Reffs im Großsegel sind wir schon ab 6:45 Uhr unterwegs nach Nordosten, um rechtzeitig auf den Out Skerries festzumachen. Nur neun Meilen liegen vor uns, bei mäßiger See und einer frischen Brise.
Die angekündigte Regenfront hält glücklicherweise noch Abstand. Bald schon taucht ein Flickenteppich aus kahlen Felsen auf: Karg, rau, irgendwo zwischen Himmel, Wasser und Stein. Gerade 30 Menschen leben auf den Hauptinseln der Out Skerries, Bruray, Housay und Grunay.
Wir umrunden Bound Skerry – den östlichsten Punkt Schottlands – mit seinem markanten Leuchtturm von 1858, nehmen Kurs auf die Nordost-Einfahrt und machen fest im kleinen Hafen von Bruray.

Ressortleiter Reise
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