SchottlandShetland - Archipel für Abenteurer. Die Out Skerries

Christian Tiedt

 · 19.08.2026

Schottland: Shetland - Archipel für Abenteurer. Die Out SkerriesFoto: Antar de Juana
Im Auge des Sturm klart es kurz auf: Anleger auf Bruray auf den Out Skerries.
​Eine einzige Charteryacht gibt es auf Shetland – was auch am recht rauen Charme der Inseln im äußersten Norden Schottlands liegen dürfte. Gleichzeitig bietet das wilde Revier an der Grenze von Nordsee und Nordatlantik einmalige Naturerlebnisse – und echtes Segeln. Teil 2/4: Von Bruray in den Norden nach Yell.

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Text: Caro Käßler

​Wir umrunden Bound Skerry – den östlichsten Punkt Schottlands – mit seinem markanten Leuchtturm von 1858, nehmen Kurs auf die Nordost-Einfahrt und machen fest im kleinen Hafen von Bruray. Eine neugierige Robbe lugt aus dem Wasser.

Warme Zuflucht auf Bruray

Wir legen mit Springs und doppelten Leinen an. Acht Windstärken sind angekündigt. Ab Mittag sehen wir dann draußen Wellen und Gischt über die Mole peitschen. Die Yacht zerrt an der Pier – doch alles hält.

Im nahen Fährterminal entdecken wir eine warme Zuflucht: Sitzecke, Bücher, Kochgelegenheit, sogar lokale Handarbeiten im Vertrauenskassenprinzip. Nebenan saubere Toiletten und eine warme Dusche. Gastfreundschaft auf shetländisch: wortlos, aber spürbar.

Den Sturm im Hafen abwettern

Am Nachmittag reißt der Himmel kurz auf und der Wind lässt nach – wir befinden uns im Auge des Sturms. Wir nutzen das Wetterfenster für einen Spaziergang. Küstenseeschwalben mit ihren durchdringenden Rufen stürzen sich ins Wasser und tauchen kurze Zeit später mit zappelndem Fang wieder auf.

Auf den Wiesen grasen Schafe. Am Weg liegen Netze, Ankerketten und Bojen – Relikte eines Fischerdorfs. Wir machen einen Abstecher zur Südküste von Bruray, wo die Gischt über die Felsen brandet und feiner Sprühregen in der Luft liegt.

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In der Nacht bricht der Sturm voll los. Das Boot ächzt. Der Wind pfeift. Wir kontrollieren immer wieder die Leinen – alles hält. Dienstag gehört dem Abwettern. Seekarten, Spiele, Tee – draußen schäumen die Wellen. Bei uns im Salon: gemütliche Wärme.

Routenplanung: Nach Norden!

Am Abend geht es an die Routenplanung. Schon übermorgen müssen wir zurück in Lerwick sein, denn Freitag droht bereits der nächste Sturm. Es gibt zwei Optionen: Südlich nach Sumburgh Head – seglerisch wahrscheinlich das einfachere Unterfangen.

Oder nördlich über Fetlar und Yell – mit Ankerstopp, mehr Naturerlebnissen, aber dafür mit rauerem Rückweg gegen Wind und Welle am Donnerstag. Die Crew stimmt ab – einstimmig: Norden. Noch ein Stück wilde Shetlands. Noch ein bisschen Weite.

Ein enges Ablegemanöver

Mittwoch geht es wieder früh raus aus den Kojen. Der Wind steht kräftig aus Westen und drückt die „Sparkling Spirit“ längsseits gegen die Pier. Das Ablegemanöver will gut überlegt sein.

Wir entscheiden uns für das Bremer Manöver: eine seewärtige Achterleine, Ruder kurz aufs Land und dann gerade legen, kurzer Gasstoß – das Boot dreht sich vom Steg. Eng war’s trotzdem. Kaum draußen, setzen wir die gereffte Genua.

Weißer Sand, das Wasser türkis

Die See steht bei gut anderthalb Metern, die Gischt fliegt, das Boot stampft. Nicht der beste Vormittag für sensible Mägen. Wir machen sieben Knoten auf Nordwestkurs. Kurz vor der Bucht von Tresta Beach auf Fetlar zwingen uns Wind und Abdrift zu einer zusätzlichen Wende, dann fällt der Anker – 30 Meter Kette geben sicheren Halt.

Vor uns: ein strahlend weißer Strand, eingerahmt von sattgrünen Hügeln und türkisfarbenem Wasser. Fast zu schön, um wahr zu sein – aber fürs Dinghy ist es uns zu nass. Wir streichen den Landgang und bleiben gemütlich an Bord. Nächstes Ziel: Burravoe Marina, im Süden von Yell, 13 Seemeilen entfernt.

​​Auf Nordwestkurs nach Yell

Nächstes Ziel: Burravoe Marina, im Süden von Yell, 13 Seemeilen entfernt. Zwischen Fetlar und Yell lauern strömungsbedingte eddies – kleine Wasserwirbel. wir prüfen Tide, Windrichtung und Strömungsrichtungen, schaffen das Zeitfenster und kommen gut durch die Passage.

Die Einfahrt nach Burravoe ist schmal, mit einigen Untiefen, der Wind weht noch immer kräftig. Nach mehreren Anläufen machen wir längsseits fest. Kleine bunte Fischerboote leuchten uns von der anderen Seite der Pier aus ihren Boxen entgegen.

Die Kulisse: Grüne Hügel, verstreute Häuser, ein Caravan-Stellplatz mit ein paar Vans. Burravoe wirkt wie ein Dorf am Ende der Welt. Und empfängt uns mit Ruhe. In der Nacht rollt sanfterer Wellenschlag ans Heck. Der Wind lässt nach. Zum Glück.

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Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

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