SchottlandShetland - Archipel für Abenteurer. Die Insel Mainland.

Christian Tiedt

 · 23.08.2026

Schottland: Shetland - Archipel für Abenteurer. Die Insel Mainland.Foto: Caro Käßler
Sandstrand am Übergang nach St. Ninian’s Isle.
​Eine einzige Charteryacht gibt es auf Shetland – was auch am recht rauen Charme der Inseln im äußersten Norden Schottlands liegen dürfte. Gleichzeitig bietet das wilde Revier an der Grenze von Nordsee und Nordatlantik einmalige Naturerlebnisse – und echtes Segeln. Teil 3/4: Von Lerwick aus Mainland entdecken.

Themen in diesem Artikel

Text: Caro Käßler

Unser letzter Segeltag bricht an. Der Morgen beginnt grau. Regen prasselt aufs Deck, das Licht ist gedämpft. Erst mittags wollen wir die rund 25 Seemeilen zurück nach Lerwick in Angriff nehmen. Davor bleibt noch Zeit für einen kurzen Landgang auf Yell. Wir treffen auf unsere ersten Shetlandponys – klein, zottelig, neugierig. Ein paar Grashalme wandern heimlich durch den Zaun – natürlich von der vermeintlich grüneren Seite. Zufriedenes Schnauben inklusive.

Landgang auf Yell

Weiter geht’s zum Old Haa Museum and Tearoom, einem der ältesten Gebäude auf Yell. Wenige Räume, viel Geschichte. Auf dem Rückweg ein letzter Stopp im gut sortierten Brough Store. Wir kaufen ein paar letzte Vorräte. Der Himmel bleibt bedeckt, doch einzelne Sonnenstrahlen malen goldene Flecken ins Cockpit. Und der Wind geht wieder kräftig – diesmal voll aufs Heck – konstant 17 bis 20 Knoten, in Böen deutlich mehr.

Ablegen! Vor dem Bug jedoch ein Trawler. Viel Spielraum ist nicht. Was nun? Die Entscheidung: erneut das Bremer Manöver. Der Fischer nebenan beobachtet das Geschehen – und reicht uns zwei Kugelfender, um etwas mehr Platz zwischen Boot und Pier zu schaffen. Nett, pragmatisch und punktgenau.

Ein Regenbogen über Lerwick

Nach mehreren Anläufen gelingt das Ablegen. Wir setzen Kurs auf Lerwick. Zunächst segeln wir auf Halbwindkurs – bis hinter Whalsay der Wind dreht. Unsere Route durch den West Linga Sound verwerfen wir, um stattdessen die Außenpassage um Whalsay zu nehmen. Der Plan geht nicht auf. Der Wind steht von vorn, die See steht mit bis zu zwei Metern. Wir werfen den Motor an.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

An Bord ist es ruhig. Viele zieht es heute in sich zurück. Einer dieser Tage, an denen man spürt: Manchmal ist Segeln auch: aushalten, miteinander schweigen, aufeinander achten. Gegen 21:30 Uhr erreichen wir den Bressay Sound. Lerwicks Hafeneinfahrt wirkt vertraut – und ist doch erneut ein Moment des Ankommens. Über der Marina spannt sich ein Regenbogen. Wir sind erschöpft, aber zufrieden.

In den Süden von Mainland

Und täglich grüßt das Murmeltier: Freitag ist wieder Abwettern angesagt. Wir mieten ein Auto und machen das Beste draus. Erster Stopp: Sumburgh Head, die Südspitze Shetlands. Ein steiler Pfad führt hinauf zum markanten Leuchtturm. Viel Wind.

Ein spektakulärer Anblick, wie sich die Vögel gegen den Sturm in ihre Nester kämpfen. Sumburgh ist ein Paradies für Tölpel, Papageientaucher und Möwen. Mit etwas Glück kann man hier auch Wale sehen. Heute leider nicht. Im Museum gibt’s dafür Naturhistorie, Leuchtturmtechnik und Kriegsgeschichte – dazu einen Tearoom mit Panoramablick, Kuchen auf Spendenbasis und einen kleinen, aber feinen Souvenirshop.

Eine Brücke aus Muschelsand

Das Visitor Center in Hoswick bietet alles für einen Lunch-Stopp, das Knitwear Village gleich daneben Shetlandwolle in allen Varianten – von Mütze bis Pullover. Warm, stilvoll und von herausragender Qualität. Nächster Halt ist St. Ninian’s Beach.

Eine weiße Muschelsand-Brücke verbindet das Mainland mit der vorgelagerten Insel. Entstanden ist sie nach der letzten Eiszeit mit dem ansteigenden Meeresspiegel, als sich Wellen um die Insel herum gebrochen haben. Türkisblaues Wasser, sattes Grün – und dazwischen wir, mit unserer nächsten Verabredung: Es geht in die Haar-Sauna.

Unser Abschied von Shetland

Ein umgebauter Pferdeanhänger, beheizt mit Holz. Drei Saunagänge, dazwischen in den Nordatlantik. Verrückt? Total. Aber unvergesslich. Am Abend dann der erste Pub. Die Stimmung: laut, ausgelassen, Karaoke. Unsere Jungs kratzen allen Mut zusammen und geben „Uptown Girl“ zum Besten. Die Gläser klirren, der Applaus tobt.

Am nächsten Morgen packen wir, verabschieden uns von der „Sparkling Spirit“ und von unserem Skipper, der in der nächsten Woche auf seine neue Crew und komplett andere Wetterbedingungen treffen wird. Möge auch ihre Reise eine besondere werden! Wir schultern unsere Taschen und nehmen Shetland mit – im Herzen, unseren Meilenbüchern, in unseren Geschichten.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Christian Tiedt

Christian Tiedt

Ressortleiter Reise

Christian Tiedt wurde in Hamburg geboren, blieb lange aber ohne direkten Zugang zum Wassersport. Nach der Berufsausbildung bot das Studium dann endlich die Gelegenheit, auf dem Wasser aktiv zu werden – und die entsprechenden Führerscheine zu machen. Zuerst beim Fahrtensegeln und dann, mit dem Einstieg bei BOOTE im Jahr 2004, auch mit Motorbooten aller Art. Christian konnte inzwischen fast ganz Europa (und einige weiter entfernte Destinationen) auf eigenem Kiel kennenlernen und teilt seine Erlebnisse und Erfahrungen für die YACHT und BOOTE am liebsten in Törnreportagen.

Meistgelesen in der Rubrik Reisen