Die norwegische Küstenverwaltung Kystverket hat untersucht, wie die Gefährdung der Umwelt durch “U-864” und seine Quecksilberfracht am besten gebannt werden kann. Dabei überprüfte man zwei Varianten: erst die Quecksilberbehälter aus dem Wrack bergen und anschließend abdecken oder das Wrack samt Ladung und bereits kontaminierter Umgebung direkt durch Abdeckung sichern.
Kystverket empfiehlt die zweite Lösung. Beide Varianten würden das langfristige Umweltrisiko deutlich senken, heißt es in der offiziellen Mitteilung zum Bericht über U-864. Doch die Bergung der Ladung sei in der Durchführung unsicherer, berge ein höheres Risiko für die Freisetzung von Quecksilber und verursache deutlich höhere Kosten.
Nach den neuen Untersuchungen könnten ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge zu den Kielkästen des Wracks vordringen und Quecksilberbehälter herausholen. Gefunden wurden jedoch nicht nur intakte, sondern auch bereits und korrosionsgeschädigte Stahlbehälter. Dazu wurde in der Bilge und im Meeresboden rund um das Wrack herum bereits auch frei bewegliches Quecksilber nachgewiesen.
Genau darin liegt das Problem: Arbeiten am oder unmittelbar neben dem Wrack können kontaminierte Sedimente aufwirbeln und Quecksilber im Gebiet verteilen. Die aktualisierte Bewertung zum Munitionsrisiko fällt dagegen vergleichsweise beruhigend aus. Eine Detonation sei bei den vorgesehenen Maßnahmen wenig wahrscheinlich, solange das Wrack keinen großen mechanischen Belastungen ausgesetzt werde.
“U-864” war ein für Fernunternehmungen geeignetes U-Boot des Typs IX D2. Am 9. Februar 1945 war es vor dem Hafenort Fedje im Westen Norwegens von dem U-Boot HMS „Venturer“ versenkt worden. Die Briten wussten durch ihren Geheimdienst von der geplanten deutschen Unternehmung.
Alle 73 Personen an Bord kamen dabei ums Leben. Das 2003 entdeckte Wrack liegt in rund 150 Metern Tiefe und ist durch den Torpedotreffer mittschiffs in zwei Hauptteile zerbrochen. An Bord befand sich eine große Menge Quecksilber in Stahlbehältern auf dem Weg nach Japan.
Die Hintergründe zu Quecksilber und “U-864” zeigen, warum die Lage so genau beobachtet wird: Das Schwermetall kann sich unter bestimmten Bedingungen in besonders giftiges Methylquecksilber umwandeln und über Bodenorganismen in die Nahrungskette gelangen.
Wie hartnäckig die Belastung sein kann, unterstreicht ein aktueller Bericht der Deutschen Presseagentur über Quecksilber in der Nordsee. Danach lag an fast der Hälfte der untersuchten Messstellen in der küstennahen Nordsee der von den OSPAR-Anrainerstaaten festgelegte Schwellenwert von 0,15 Milligramm pro Kilogramm Sediment über dem Zielwert. Besonders betroffen sind Sedimente nahe Flussmündungen.
Quecksilber bindet sich an Bodenablagerungen und baut sich kaum ab. Es bleibt damit auch dort ein Thema, wo direkte Einträge zurückgegangen sind. Das Umweltbundesamt verweist zugleich darauf, dass die atmosphärischen Quecksilbereinträge in die Nordsee seit 1990 zwar deutlich gesunken sind. Für bereits belastete Sedimente löst das aber nicht das Altlastenproblem.
Für das Revier vor Fedje meldet Kystverket nach bisherigen Untersuchungen bislang zwar keine höheren Quecksilberwerte in Fisch und Schalentieren als an anderen Stellen der westnorwegischen Küste. Da das von “U-864” ausgehende Risiko für eine Langzeitbelastung jedoch erheblich ist, soll nun dennoch rechtzeitig gehandelt werden.
Auch in deutschen Revieren zeigen Debatten über den Umgang mit gefährlichen Munitionsaltlasten und allgemein über die industrielle Nutzung der Nordsee, dass das Thema von großer Bedeutung ist.
Ist das Abdecken eines belasteten Wracks für Sie die überzeugendere Lösung – oder sollte Norwegen die technisch erreichbaren Quecksilberbehälter trotzdem bergen?
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