Jill Grigoleit
· 21.07.2026
Ein Text von Hannah Hoven
Ich isoliere den Aufbau und stopfe jede Ritze mit Luftpolsterfolie. Im November und Dezember bleibt die Temperatur mit wenigen Ausnahmen unter minus 10 Grad. Zwischendurch fällt sie sogar auf minus 15 Grad ab. Der Heizlüfter läuft auf Hochtouren, trotzdem bleibt es kalt an Bord.
Im Dezember findet die Weihnachtsfeier Julebord unseres Studiengangs statt. Nach Wochen in funktionaler Kleidung grabe ich tief in meinem kleinen Kleiderschrank. Ich ertaste den Hosenanzug und ziehe daran. Er bewegt sich nicht. Ich ziehe stärker. Mit einem Ruck löst er sich von der Bordwand, an der er festgefroren war. Da ich sowieso schon zu spät dran bin, ziehe ich den Anzug trotz Eisklumpen einfach an und radle los. Grinsend sitze ich zwischen meinen Mitstudierenden in ihren Kleidern und Anzügen. Das Eis schmilzt. Nass klebt mir der Leinenstoff an der Schulter.
Eine Wolke aus Wasserdampf steigt auf, als ich den Wasserkocher in die kleine Spüle leere. Ich bin gerade erst nach Hause gekommen und habe den Heizlüfter angeschaltet. Ich behalte die Jacke erst mal an. Das Geschirr von gestern abzuwaschen ist eine willkommene Aufgabe. Das warme Wasser fließt um meine kalten Finger. Gestern saßen wir zu fünft um den Salontisch. Ich lade gerne zu mir ein. Nicht nur weil es dann wärmer ist als allein, sondern weil es so gemütlich ist. Ich nehme aber ebenso gerne Einladungen an Land an und bringe dann manchmal meinen Wäschesack mit, denn am Hafen gibt es weder verlässliche Duschen noch eine Waschmaschine. Ein Wasseranschluss, der auch im Winter funktioniert, ist aber zum Glück vorhanden. So bringt das Bootsleben jeden Tag ein bisschen Abenteuer in den Unialltag. Und eine Sache habe ich in diesem norwegischen Winter gelernt: niemals ohne Heizdecke in die Koje zu gehen.
Fortsetzung folgt: Im dritten Teil der Geschichte geht Hannah mit ihrer “Lilja” auf Sommertörn zu den Lofoten.

Redakteurin Reise
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