NorwegenZwischen Hörsaal und eisigen Bordnächten - Ein Wintersemester an Bord

Jill Grigoleit

 · 21.07.2026

Bei Minusgraden an Bord wohnen: Nach der Überfahrt aus Kiel verbringt Studentin Hannah das Wintersemester in Trondheim an Bord ihrer Vindö 40 "Lilja".
Foto: Hannah Hoven
YACHT-Leserin Hannah Hoven ist mit ihrer Vindö 40 „Lilja“ von Kiel nach Norwegen gesegelt, um dort im Wintersemester an Bord zu wohnen und den Sommer nördlich des Polar­kreises zu verbringen. Erste Einhanderfahrungen, ein Winter zwischen Hörsaal und eisigen Bordwänden und im Sommer die Mitternachts­sonne über den Lofoten. Teil 2: Ein Wintersemester an Bord.

Ein Text von Hannah Hoven

​Ich isoliere den Aufbau und stopfe jede Ritze mit Luftpolsterfolie. Im November und Dezember bleibt die Temperatur mit wenigen Ausnahmen unter minus 10 Grad. Zwischendurch fällt sie sogar auf minus 15 Grad ab. Der Heizlüfter läuft auf Hochtouren, trotzdem bleibt es kalt an Bord.

Zwischen zwei Welten: Abendgarderobe auf Eis

Im Dezember findet die Weihnachtsfeier Julebord unseres Studiengangs statt. Nach Wochen in funktionaler Kleidung grabe ich tief in meinem kleinen Kleiderschrank. Ich ertaste den Hosenanzug und ziehe daran. Er bewegt sich nicht. Ich ziehe stärker. Mit einem Ruck löst er sich von der Bordwand, an der er festgefroren war. Da ich sowieso schon zu spät dran bin, ziehe ich den Anzug trotz Eisklumpen einfach an und radle los. Grinsend sitze ich zwischen meinen Mitstudierenden in ihren Kleidern und Anzügen. Das Eis schmilzt. Nass klebt mir der Leinenstoff an der Schulter.

Unialltag in Norwegen: Gemeinsam ist es weniger kalt

Eine Wolke aus Wasserdampf steigt auf, als ich den Wasserkocher in die kleine Spüle leere. Ich bin gerade erst nach Hause gekommen und habe den Heizlüfter angeschaltet. Ich behalte die Jacke erst mal an. Das Geschirr von gestern abzuwaschen ist eine willkommene Aufgabe. Das warme Wasser fließt um meine kalten Finger. Gestern saßen wir zu fünft um den Salontisch. Ich lade gerne zu mir ein. Nicht nur weil es dann wärmer ist als allein, sondern weil es so gemütlich ist. Ich nehme aber ebenso gerne Einladungen an Land an und bringe dann manchmal meinen Wäschesack mit, denn am Hafen gibt es weder verlässliche Duschen noch eine Waschmaschine. Ein Wasseranschluss, der auch im Winter funktioniert, ist aber zum Glück vorhanden. So bringt das Bootsleben jeden Tag ein bisschen Abenteuer in den Unialltag. Und eine Sache habe ich in diesem norwegischen Winter gelernt: niemals ohne Heizdecke in die Koje zu gehen.

Fortsetzung folgt: Im dritten Teil der Geschichte geht Hannah mit ihrer “Lilja” auf Sommertörn zu den Lofoten.


Norwegen im Winter – klingt nach Abenteuer! Lesen Sie hier einen weiteren Törnbericht:


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Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

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