Revierreport 2022
Für Eigner: Was Mittelmeersegler jetzt wissen sollten

Der Süden nimmt nach der Corona-Zwangspause wieder Fahrt auf. Die Folge: Es wird voll und teuer in den Häfen. Wo Eigner noch einen Platz fürs Schiff finden

  • YACHT Online
 • Publiziert am 09.05.2022
Beispiel Griechenland: Das Revier ist im Wandel, der Staat fördert massiv Charterflotten und Häfen Beispiel Griechenland: Das Revier ist im Wandel, der Staat fördert massiv Charterflotten und Häfen Beispiel Griechenland: Das Revier ist im Wandel, der Staat fördert massiv Charterflotten und Häfen

YACHT/ A. Fritsch Beispiel Griechenland: Das Revier ist im Wandel, der Staat fördert massiv Charterflotten und Häfen

Nord- und Ostseesegler wissen ein Lied davon zu singen: Noch vor einigen Jahren waren Dauerliegeplätze problemlos zu haben. Inzwischen sind sie rar und teuer, die Wartelisten lang; wir haben mehrfach darüber berichtet. Auch wenn es nur ein schwacher Trost für hiesige Segler ist: Noch kritischer ist die Situation in den Mittelmeerrevieren.

Volle Marinas im Süden? Das kannte man dort in der Vergangenheit ebenfalls nicht. Allenfalls edlere Destinationen wie die Costa Smeralda oder die Côte d’Azur schmückten sich mit ausgebuchten Häfen. Daneben gab es lediglich vereinzelt Hotspots, wie beispielsweise Mittelkroatien, Elba und die Balearen, in denen es sommers immer schon eng wurde. Nahezu überall anders konnte man hingegen recht entspannt auf Törn gehen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie und der Krieg in der Ukraine haben die Dinge jedoch vielerorts im Mittelmeer verändert.

Was erwartet Eigner und Chartersegler in diesem Jahr? YACHT-Autor Thomas Käsbohrer hat sich umgehört.

Kroatien

Unsere Reise beginnt im Norden des Landes, genauer im Südwesten der Insel Krk. Dort liegt die Marina Punat – nach aktuellen Belegungszahlen eine der größten in Kroatien. Renata Marevic leitet sie seit vielen Jahren. Hat sie noch freie Kapazitäten auf ihren 1.350 Wasser- und Landliegeplätzen? Die Managerin verneint: „Wir sind voll!“ Im Hafen liegen überwiegend Eignerschiffe, im Nordteil gibt es einen Bereich für Charterschiffe. „Wir profitieren eindeutig von unserer Lage – davon, dass wir eine Inselmarina sind und per Auto dank Brücke zum Festland eine schnelle und flexible Anreise aus Süddeutschland möglich machen“, fügt Ma­revic hinzu. „Unsere Gäste kommen fast ausschließlich aus Deutschland, Österreich und Slowenien.“

Trotz voller Belegung betont sie aber auch, dass in großen Marinas naturgemäß bessere Chancen auf einen Jahresliegeplatz bestünden. Da sei mehr Bewegung drin als in kleinen Häfen, es könne immer mal spontan ein Platz frei werden. Die Preise hat die Marina Punat in diesem Jahr nach eigenen Angaben moderat erhöht – auch dies ein Indiz für gute Auslastung.

Bekannt sind in Kroatien insbesondere die von einem großen Unternehmen betriebenen ACI-Marinas. 23 gibt es entlang der Küste. Mit durchschnittlich 250 Liege­plätzen sind es aber eher kleinere bis mittelgroße Anlagen, die überwiegend aus den Achtzigern stammen, den Anfangsjahren des nautischen Tourismus an der Adria.

Die größte ACI-Marina mit 475 Liegeplätzen befindet sich in Kroatiens nördlichstem Hafen Umag. Dort ist man seit Jahren entspannt, was die Zahl der freien Dauerliegeplätze angeht. „Wir haben immer etwas frei“, lautet die Auskunft. „Wer als Jahreslieger neu zu uns kommt, erhält außerdem 15 Prozent Welcome-Rabatt.“

Mit diesem Angebot, das auch für die ACI-Marinas in Pula sowie für fünf Inselmarinas auf Cres, Rab (Supetarska Draga), Brac (in Milna und Vrboska) und Korcula gilt, liegt man im ersten Jahr überaus günstig. Die neueste ACI-Marina Rovinj hat zwar ebenfalls noch freie Jahresliegeplätze, aber nur für bis zu zwölf Meter lange Yachten – und dann erst wieder ab 28 Meter Schiffslänge und zu Preisen, die eher eine betuchtere Klientel ansprechen sollen.

Je weiter man entlang der Küste nach Süden segelt, desto häufiger steuert man Häfen an, in denen große Charterflotten zu Hause sind. Zadar, Biograd und vor allem die Region um Trogir und Split zählen dazu. Die dortige hohe Zahl an Mietyachten reduziert nicht nur drastisch das Angebot an Gastliegeplätzen, sondern auch die verfügbaren Jahresliegeplätze.

YACHT/A. Lindlahr Volle Stege in Biograd. Wie in Kroatien wird es vielerorts eng in den Häfen und Buchten des Mittelmeers

„Je mehr Charter, desto voller“, lautet die schlichte Faustregel für die Liegeplatzsuche am 280 Seemeilen langen Küstenabschnitt Kroatiens. Das bestätigt Karl-Heinz Beständig, Autor und Herausgeber des bekannten Kroatien-Hafenhandbuchs. Er sagt: „Im Norden gibt’s bis auf wenige Ausnahmen Platz. Ab Zadar und weiter südlich nimmt die Zahl freier Jahresliegeplätze ab.“

Beständig beobachtet zudem einen weiteren Trend im Charterbereich: „Der Anstieg der Zahl der Miet-Katamarane in Biograd oder Murter führt dazu, dass in Chartermarinas kaum noch etwas zu bekommen ist.“ Einen Tipp hat der Kroatien-Experte für Eigner dennoch: „Wer einen Platz für sein Schiff sucht, sollte sich nicht mit Wartelisten vertrösten lassen, sondern einfach ständig nachfragen. Wer kommt, der kriegt!“

Italien

Ist in Kroatien partout kein Platz fürs Boot zu finden, kann man sich in den Nachbarländern umschauen. Etwa in Slowenien und auch an der italienischen Nordadriaküste gibt es ein nicht unerhebliches Kontingent an Dauerliegeplätzen, die nicht allzu weit vom eigentlichen Wunschrevier entfernt sind – und die zusätzlich auch ihre eigenen schönen Segelziele haben.

Zwischen Lignano und Triest bewirtschaften 20 Marinas etwa 7.000 Liegeplätze. Vor allem aus Süddeutschland sind sie mit dem Auto gut zu erreichen. Eng in den Häfen wird es zwar auch dort, aber: „Wir registrieren seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie eine verstärkte Nachfrage nach Jahresliegeplätzen, doch wir haben immer noch etwas Platz“, sagt Fortunato Moratto. Er leitet die Marina Sant’Andrea im friau­lischen San Giorgio di Nogaro.

Einige kleinere Marinas wie Grado oder Portopiccolo seien traditionell gut belegt, sagt der Marinachef, desgleichen sei die Großstadtmarina Porto San Rocco vor den Toren Triests voll. Einen regelrechten Mangel an Liegeplätzen in seiner Region mag Moratto trotzdem nicht erkennen. Wofür auch spricht, dass die Preise für 2022 an der Nordadria nach seiner Aussage vielerorts konstant blieben.

Ganz anders an der italienischen Westküste. Im Tyrrhenischen Meer zeichnet sich eine echte Liegeplatzknappheit ab. Von San Remo nahe der Côte d’Azur bis hinab nach Reggio Calabria an der Stiefelspitze ist es derzeit nicht einfach, ein Eignerboot unterzubekommen. Ganz besonders gilt das für die Reviere um Elba und Nordsardinien.

Balearen

Auf den spanischen Mittelmeerinseln ist die Liegeplatzsituation ebenfalls seit Langem angespannt und Besserung nicht in Sicht. Mit ihren 30 Marinas entlang der 300 Seemeilen langen Küstenlinie verfügt Mallorca zwar über eine erstaunliche Hafendichte; doch Jahresliegeplätze sind seit Jahr und Tag rar. Der Mangel treibt die Preise nach oben.

Sarres Schokemöhle Yachting Yacht vor Mallorca. Freie Liegeplätze gibt es auf der Baleareninsel praktisch nicht. Spanische Eigner weichen längst ans Festland aus

Für viele Mallorca-Segler ist es daher längst Usus, einen Dauerliegeplatz in einem der Häfen am spanischen Festland zu mieten. Die meisten Einheimischen, die ihren Segelurlaub für Juli und August auf den Balearen planen, buchen dann oft schon im Januar einen mehrwöchigen Gastliegeplatz auf Mallorca. Nach den Segelferien im Balearenarchipel kehren sie samt Schiff zurück zur Küste. Ein Modell, das durchaus auch für den einen oder anderen deutschsprachigen Mallorca-Fan interessant sein könnte.

Griechenland

In den Revieren vom Ionischen Meer bis hin zur Ägäis ändert sich die Situation gegenwärtig rasant. Klaus Pitter von Pitter-Yachtcharter erklärt: „Griechenland hat in den letzten Jahren enorme Förderprogramme zum Aufbau seiner Charter­flotten aufgelegt und wird in diesem Sommer als Top-Destination zurückkehren. „Aber“, so Pitter, „der typische Griechenland-Segler wird möglicherweise sein Revier nicht mehr so vorfinden, wie er es von früher kennt.“ Die hohe Zahl an neuen Charterschiffen werde sich bemerkbar machen, zulasten freier Dauerliegeplätze.

Beispiel Westgriechenland: Von den 1.200 Wasser- und 500 Landliegeplätzen in Korfus hauptstadtnah gelegener Marina Gouvia ist auf Anfrage für den Herbst keiner frei. Lediglich für einen Platz in der Marina Lefkas mit ihren 680 Wasserplätzen gibt es für Schiffslängen um zwölf Meter eine positive Antwort.

Ähnlich das Bild in den großen Anlagen um Athen wie Alimou oder Athens Marina, der früheren Marina Falirou. Kaum eine von ihnen mag einen Liegeplatz zusagen. Mikhalis Farsaris, Marinabetreiber auf Kreta, beschreibt die Entwicklung so: „Nicht nur die großen Häfen, sondern sogar abgelegenere Marinas wie auf Chios oder Rhodos sind gut gebucht. Selbst auf Kreta abseits der klassischen Charterreviere arbeiten wir mit einer Warteliste.“ Für den Sommer rechnet Farsaris auf den Inseln damit, dass vor vielen Marinas oder beliebten Orten zusätzliche Schwimmstege verankert werden müssen, um die große Zahl von Booten unterbringen zu können.

Momentan ist es also nicht einfach, einen Platz fürs Boot im Süden zu finden. Bleibt die Hoffnung, dass sich die Lage entspannt, wenn sowohl die Corona-Pandemie als auch die Folgen des Ukraine-Krieges in hoffentlich nicht allzu ferner Zeit überwunden werden können.

Der Artikel von Thomas Käsbohrer ist in YACHT 9/2022 erschienen.

Weiterlesen: Was Chartersegler im Sommer 2022 im Süden erwartet


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