WM iQFoilTiefschlag für Kördel, Steinlein sichert Nationenstartplatz für Olympia

Tatjana Pokorny

 · 03.02.2024

Theresa Steinlein sicherte bei der iQFoil-WM vor Lanzarote Nationenstartplatz Nummer acht für die deutschen Olympia-Segler
Foto: Sailing Energy
Eine Weltmeisterschaft, zwei Welten: Für den sonst so souveränen Erfolgsgaranten Sebastian Kördel brachte die iQFoil-WM zum Auftakt der Olympia-Saison eine schwere Prüfung seiner Nehmerqualitäten. Seine junge Teamkameradin Theresa Steinlein dagegen überraschte vor Lanzarote mit der Sicherung des achten Nationenstartplatzes für Deutschlands Olympia-Segler

Des einen Leid war des anderen Glück bei der iQFoil-Weltmeisterschaft der Windsurfer vor Lanzarote. Während Sebastian Kördel nach bärenstarkem Auftakt überraschend und nachhaltig aus dem Tritt kam, sicherte Theresa Steinlein mit dem besten WM-Ergebnis ihrer noch jungen Karriere den achten von maximal zehn möglichen Nationenstartplätzen für Deutschlands Olympiasegler. Nun fehlen nur noch die beiden Nationenstartplätze für die Skiff-Disziplinen 49er und 49er FX.

Verpatzter Saisonauftakt für einen Überflieger

Sebastian Kördel hat in der noch jungen WM-Geschichte der neuen olympischen Segeldisziplin iQFoil noch nie ein so miserables WM-Ergebnis eingefahren wie in dieser Woche. Nun ist ihm das ausgerechnet zu Beginn des Jahres widerfahren, in dem er bei der olympischen iQFoil-Premiere im Sommer in der Bucht von Marseille eine Medaille gewinnen will: Der Weltmeister von 2022 und Vizeweltmeister von 2023 hat die WM 2024 als 28. beendet.

Kurz nach dem WM-Finale hatte der sonst so souveräne deutsche Windsurfriese noch keine konkrete Antwort auf die Frage nach dem Warum. Er wird diese Antwort nach einer kurzen Atempause gemeinsam mit seinem Coach Dom Tidey zu finden versuchen. Eine nicht nach Plan verlaufene Ruhephase vor der WM, eine Erkrankung, die ihn bei den iQGames “rausgeschossen” hatte, viel Bewegung in seinem sportlichen Umfeld, der frühe Saisonzeitpunkt der WM und eine Reihe weiterer Punkte könnten als Puzzleteile bei der Suche auf die Antwort dienen.

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Ich war einigermaßen gesund und habe es selbst verbockt” (Sebastian Kördel)

“Ich denke, das Management meiner Erholungsphasen hat eine Rolle gespielt, aber ich will nicht rumheulen. Es hat bei dieser WM einfach nicht gepasst. Ich war einigermaßen gesund und habe es selbst verbockt. Ich habe mich einfach schwergetan, war zu oft auf der falschen Seite unterwegs und bin auch vom Speed her nicht da gewesen”, sagte Kördel in einer ersten, sich selbst gegenüber schonungslosen Bilanz.

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Gleichzeitig wusste Kördel: “Ich brauche jetzt ein paar Tage. Aber ich habe ein gutes Team um mich herum und bin guter Dinge, dass wir meine Performance wieder auf den Punkt bringen können.” Dem 33-jährigen Medaillen-Könner vom Norddeutschen Regatta Verein bleiben mit den iQFoil Games (4. bis 9. März) und dem Mallorca-Klassiker Trofeo Princesa Sofía (30. März bis 6. April) zwei weitere Ausscheidungsregatten, um sich das individuelle Olympia-Ticket zu sichern und den von ihm selbst bereits 2023 gesicherten Nationenstartplatz für Deutschlands Olympiasegler auch persönlich zu besetzen.

iQFoil-Frauen: olympischer Nationenstartplatz für Deutschland gesichert

Das gleiche Ziel verfolgt seine erst 21 Jahre alte Team- und Vereinskameradin Theresa Steinlein. Die junge iQFoil-Athletin, die erst vor drei Jahren aufs neuolympische Windsurf-Board umgestiegen war, sicherte mit WM-Platz 18 den olympischen Nationenstartplatz nun auch für Deutschlands Windsurferinnen.

Ob Theresa Steinlein diesen Nationenstartplatz als aktuell beste deutsche iQFoil-Akteurin auch selbst besetzen kann, hängt wie bei Sebastian Kördel an den Leistungen bei den kommenden beiden Ausscheidungsregatten. Grundsätzlich gilt: Wer die individuelle Olympia-Fahrtkarte zum Start bei der olympischen Regatta in der Bucht von Marseille (28. Juli bis 8. August) lösen will, muss sich national durchsetzen und gleichzeitig die Kriterien des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für den Olympia-Start erfüllen.

Der schwere Weg zum individuellen Olympia-Ticket

Leicht ist der Weg zum individuellen Olympia-Ticket nicht: Die Kandidaten müssen in allen zehn olympischen Segeldisziplinen in der Endabrechnung nach jeweils drei festgelegten Ausscheidungsregatten im nationalen Vergleich vorn liegen. Dazu müssen sie bei einer der drei Regatten mindestens einmal einen zwölften oder besseren Platz erreicht haben. Und drittens müssen sie in der Addition aller drei Ausscheidungsregattaergebnisse im internationalen Ländervergleich unter den Top-Ten-Nationen platziert sein.

Kördel und Steinlein werden als aktuell in Deutschland führende Athleten ihrer Disziplin darum kämpfen. Dauerbrenner Sebastian Kördel traut DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner trotz verpatzter WM weiterhin alles zu: „Sebastian ist und bleibt ein Leistungsgarant, surft seit Jahren regelmäßig aufs Podium und hat große Titel in Serie gewonnen. Eine schwache Serie ändert nichts daran, dass er zu den international Besten seiner Disziplin zählt und das in Zukunft auch wieder zeigen wird.“

Ich habe hier drei Monate sehr intensiv trainiert. Das hat sich voll ausgezahlt” (Theresa Steinlein)

Zur Leistung von Theresa Steinlein sagte Nadine Stegenwalner: “Theresa ist eine starke WM gefahren. Der achte Nationenstartplatz ist gesichert – das ist eine tolle Zwischenbilanz für das German Sailing Team auf Kurs Paris 2024.“ Theresa Steinlein selbst verweist nach ihrem Erfolg auf dem Weg nach oben auf mehrere hilfreiche Faktoren, sagt: “Ich habe hier drei Monate sehr intensiv trainiert. Das hat sich voll ausgezahlt.“

Und das gilt, obwohl sich Theresa Steinlein im September 2023 das Handgelenk gebrochen hatte. Nach erfolgreicher Behandlung und Reha war sie danach stärker als zuvor in die Olympia-Saison durchgestartet. „Ich bin gut über die Verletzung hinweggekommen. Das und die kleine Pause haben mich sehr motiviert“, erzählt die Zwillingsschwester von 49er-FX-Steuerfrau Sophie Steinlein.

Ich könnte mir keinen besseren Coach vorstellen” (Theresa Steinlein)

Ihre WM-Leistung schreibt Theresa Steinlein auch der guten Zusammenarbeit mit Trainer Daniel Slijk zu: „Ich könnte mir keinen besseren Coach vorstellen. Er versteht mich, passt unsere Arbeit sehr gut an meine Bedürfnisse an.“ Bei 1,63 Meter Körpergröße hat die iQFoil-Windsurferin zuletzt auch gute Schritte in Richtung mehr Körpergewicht gemacht. Bei rund 62 Kilogramm fehlt ihr aber im Vergleich zu den Top-Akteurinnen noch einiges Gewicht. Bei der WM gab es deshalb täglich vor dem Einschlafen einen 1.300-Kalorien-Gute-Nacht-Shake.

Theresa Steinleins olympischer Traum lebt. Entschlossen, aber vorsichtig sagt sie zur ins Visier genommenen Olympia-Teilnahme: „Ich bin optimistisch. Ich freue mich jetzt erst einmal, dass ich den Nationenplatz für Deutschland sichern konnte. Das war ein großer Schritt. Aber ich bin nicht happy, bevor ich nicht das Olympia-Ticket in der Tasche habe.“

WM-Gold geht nach Italien und Israel

Weltmeister wurde vor Lanzarote im iQFoil der Männer der Italiener Nicolo Renna vor Pawel Tarnowski (Polen) und Titelverteidiger Luuc van Opzeeland. Mit dem neuen Champion und dem Bronzemedaillengewinner hatte sich Sebastian Kördel im vergangenen Jahr noch einen spektakulär spannenden Kampf um die WM-Medaillen in Den Haag geliefert. Daran will Kördel möglichst schnell wieder anknüpfen. Bei den Frauen wurde Sharon Kantor aus Israel Weltmeisterin. Silber holte die Britin Emma Wilson vor Katy Spychakov (Israel).

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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