WertungSo funktioniert die Wertung

Lars Bolle

 · 09.06.2003

Wertung: So funktioniert die WertungFoto: YACHT
Wer zuerst in Cuxhaven ist, hat nicht unbedingt gewonnen. Es gilt die berechnete Zeit

Um die seglerische Leistung der Crews miteinander vergleichen zu können, hat jede Yacht entsprechend ihres ermittelten Potenzials einen Rennwert. Dieser wird mit der gesegelten Zeit verrechnet, das Ergebnis, die berechnete Zeit, entscheidet über Sieg und Niederlage.

Die Veranstaltung trägt allen Aspekten eines modernen Events Rechnung. So ist Hilfe von außen erlaubt. Seitdem es leistungsfähige Datenkommunikationssysteme gibt, die via Satellit arbeiten, können Crews auch auf hoher See im Internet surfen, E-Mails schreiben oder spezielle, nicht öffentliche Präzisionsdaten über das Wetter oder Routingvorschläge direkt, also individuell, empfangen. Das Gleiche gilt für an Land ausgearbeitete Vorschläge für die weitere Taktik, die oft von den Positionen der Gegner abhängt.

Um die Veranstaltung sicherer und transparenter zu machen, wird auf jedem Schiff ein Sender installiert, der per Satellit eine Positions-Aktualisierung ermöglicht, die im Internet veröffentlicht wird. Ein Programm verrechnet die Zeit-Handikaps sofort. Dadurch gibt es fortlaufend eine aktuelle Ergebnisliste im Internet.

So funktioniert die Vergütung: Das schnellste Schiff auf dem Papier ist die "Rambler". Es hat einen Zeit-Vergütungs-Koeffizienten (Rennwert) von 1,681 zugewiesen bekommen, der sich aus den Leistungsdaten des Schiffs ergibt, unter anderem Rumpfform, Gewicht und Segelgröße. Die Amerikaner müssen von New York nach Cuxhaven also 1,675-mal so schnell sein wie die "Peter von Seestermühe", die den Rennwert 1,006 hat. Wenn sie 17 Tage bräuchte, müsste demnach die "Rambler" die Strecke in rund zehn Tagen schaffen, um gleichauf zu liegen.

Die komplizierte Formel, nach der der Rennwert berechnet wird, heißt IRC. Theoretisch genauer ist IMS, weil mehr Leistungsdaten der Schiffe eingehen. Aber diese Vermessung, in der beim HSH Nordbank blue race auch (freiwillig) gewertet wird, leisten sich normalerweise nur die Regatta-Spezialisten.

Der Pokal geht an das Schiff, das nach der mit der IRC-Formel berechneten Zeit führt. Eine gut gesegelte kleine Yacht hat also durchaus Chancen auf den Gesamtsieg. Mit ein wenig Glück findet sie am Ende des Feldes bessere Windbedingungen vor als die großen Stars der Veranstaltung vorn.

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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