Es ist viel los gerade bei Kap Hoorn und im Südatlantik: Das Frauen-Team The Famous Project hatte die legendärste aller Landmarken für Weltumsegler schon am 6. Januar passiert und seinen atlantischen Endspurt eingeläutet. Die Rekordzeit für Nonstop-Weltumseglungen, die Francis Joyon und seine Crew 2017 mit derselben “Idec Sport” mit 40 Tagen, 23 Stunden, 30 Minuten und 30 Sekunden aufgestellt hatten, war für Alexia Barrier, Dee Caffari und ihre sechs Mitstreiterinnen aber bereits am 9. Januar abgelaufen.
The Famous Project ist inzwischen seit bald 43 Tagen unterwegs. Technische Probleme zum Auftakt hatten ihre Jules-Verne-Rekordchance auf die schnellste Nonstop-Weltumseglung früh platzen lassen. Dennoch gaben sie nicht auf und haben inzwischen drei Kaps als erste rein weibliche Crew auf einem Maxi-Trimaran passiert und segelten am 11. Januar weit östlich von Brasilien schon über dem 30. Breitengrad Süd dem Äquator entgegen.
Die Seglerinnen hatten zuletzt mit leichteren Winden zu kämpfen, nutzen dabei aber auch die Möglichkeit, ihr lädiertes Steuerbord-Foil zu überprüfen, das während der Kap Leeuwin-Hochgeschwindigkeitspassage bei der Kollision mit einem großen Fischernetz und dessen Schwimmern sowie möglicherweise einer weiteren Kollision beschädigt worden war. Die starke Delamination haben die Seglerinnen erst jetzt bei langsamerer Fahrt sehen können.
Das unbrauchbare Foil wurde nun komplett aufgeholt und arretiert. Alexia Barrier berichtete: “Wir haben das Foil gestern in Windstille hochgeholt und festgestellt, dass es im unteren Teil beschädigt ist. Das war eine kleine Überraschung. Wir können es nicht mehr benutzen, aber das ist okay, denn das Boot wurde (Red.: 2006) ohne Foils gebaut, also werden wir es ohne Steuerbord-Foil segeln.”
Der Schaden bereitet der Crew auf der atlantischen Zielgeraden ihrer Nonstop-Weltumseglung aber keine großen Sorgen. Für die Frauen waren es am Sonntagmorgen keine 2000 Seemeilen mehr bis zum Äquator. Hier geht es zum Tracke für The Famous Project. Alexia Barrier, Dee Caffari, Annemieke Bes, Rebecca Gmür Hornell, Deborah Blair, Molly LaPointe, Támara Echegoyen und Stacey Jackson drücken das Gaspedal weiter maximal durch.
Südwestlich von ihnen kämpfte sich zeitgleich Guirec Soudée vor der argentinischen Küste Kap Hoorn erst noch entgegen. Der Franzose will die Welt mit dem Trimaran “Macsf” gegen die vorherrschenden Winde umsegeln. Er würde mit dem berüchtigsten der drei Kaps seinen ersten großen Meilenstein schaffen, bevor er in den Pazifik einsegelt, den Thomas Covilles “Sodebo Ultim 3” gerade verlassen hat. Sogar ein “Giganten-Treffen” auf See zwischen dem “Macsf”-Solisten und seinen sieben Landsleuten erschien eine Weile denkbar, ist aber eher unwahrscheinlich geworden, wenn Team Sodebo den angedachten Kurs östlich der Falkland Inseln hält. Auch ist Guirec Soudée (hier geht es zu seinem Tracker) für eine Begegnung auf See zu spät dran.
Er hatte am frühen Sonntagmorgen noch rund 600 Seemeilen bis Kap Hoorn vor sich, als Thomas Covilles “Sodebo Ultim 3” es in der Nacht schon passiert hatte. Das war der Ultim von 2019 mit einem neuen Pazifikrekord (7 Tage, 12 Stunden, 12 Minuten) nach insgesamt 26 Tagen, 4 Stunden und 46 Minuten gelungen. Diese Bestmarke hatte zuvor François Gabart mit “Macif” und 7 Tagen 15 Stunden seit 2017 gehalten.
Bei der Kap-Hoorn-Passage hatte Team Sodebo einen Vorsprung auf die “Idec Sport”-Rekordzeit von etwa 235 Seemeilen. Im Vergleich zwischen der “Idec Sport”-Bestmarke von 2017 und der aktuellen Zeit von “Sodebo Ultim 3” hatten die “Sodeboys” Kap Hoorn jetzt 10 Stunden und 59 Minuten schneller erreicht als einst Francis Joyon und seine Crew bei ihrem erfolgreichen Versuch. “Sodebo Ultim 3” hatte bei Kap Hoorn seit dem Start in Ouessant 19.781 Seemeilen zurückgelegt – 1449 mehr als einst “Idec Sport”. Der sehr informative Tracker zeigt diesen Vergleich zwischen der Rekordfahrt von 2017 und dem aktuellen Sodebo-Versuch dauerhaft.
Es ist ein schöner Moment, vor allem nach unserem Abbruch im vergangenen Jahr. Es ist großartig eine neue Referenzzeit aufzustellen, aber unser Ziel ist der Rekord in Ouessant.” Guillaume Pirouelle
“Sodebo Ultim 3” hat den Pazifik nun bereits verlassen und folgt im Südatlantik dem Team The Famous Project, das die alte “Idec Sport” antreibt. Im Gegensatz zum Frauen-Team hat die siebenköpfige Männer-Mannschaft auf “Sodebo Ultim 3” noch alle Chancen, den neun Jahre alten “Idec Sport”-Rekord zu knacken. Für den Schlussspurt von Kap Hoor zur Ziellinie bei Ouessant blieben Team Sodabo bei Kap Hoorn 14 Tage, 18 Stunden, 44 Minuten und 29 Sekunden, wollen sie am Ende die Jules Verne Trophy in den französischen Himmel heben.
Wir sind stolz und zufrieden mit dem, was wir bisher erreicht haben. Aber wir wissen, dass es nicht auf die Zeit bei Kap Hoorn ankommt, sondern auf die Zeit bei der Ankunft in Ouessant.” Nicolas Troussell
Mit der Kap-Hoorn-Passage verlässt Team Sodebo das Südmeer. Skipper Thomas Coville sagte: “Kap Hoorn nenne ich gerne das ‘Kap der glücklichen Befreiung’. Es ist das Gegenteil vom Kap der Guten Hoffnung, das uns in die südliche Hemisphäre führt, wo wir auf uns selbst gestellt sind. In den letzten Tagen hatten wir raue See, starken Wind, Eisberge und viel Eis. Was unsere Freude darüber noch verstärkt hat, es zu passieren.”
Auch Navigator Benjamin Schwartz beschrieb sein Gefühl zur gelungenen Passage, sagte: “Kap Hoorn ist ein Symbol, denn es ist der Ausgang des Tunnels der Südsee und die Rückkehr zu milderen Bedingungen. Für mich persönlich ist es das erste Mal, dass ich bei einer Nonstop-Weltumseglung so weit komme.” Dieser Jules-Verne-Rekordversuch hatte mit dem Rekord am Kap der Guten Hoffnung am zweiten Weihnachtstag schon vielversprechend begonnen.
Thomas Coville, Benjamin Schwartz, Frédéric Denis, Pierre Leboucher, Léonard Legrand, Guillaume Pirouelle und Nicolas Troussel wissen, dass sie auch jetzt nicht nachlassen dürfen. Der atlantische Aufstieg birgt seine eigenen Gefahren und die aktuellen Bedingungen bestätigen das laut Team. Aktuell bilden sich mehrere Tiefdruckgebiete vor der Küste Argentiniens und Uruguays. Die Crew könnte eine östliche Route vor dem Wind bevorzugen, aber muss laut Team dabei “einen kühlen Kopf bewahren und sich ständig anpassen”.
Die neue Woche wird im aktuellen Kampf um die Jules Verne Trophy vorentscheidend sein. Die Sodebo-Router haben es schon bestätigt: Es beginnt der komplizierteste Teil dieses Versuchs, den Nonstop-Rekord um die Welt zu brechen. Thomas Coville sagte: „In einem Wettkampf kommt das Schwierigste oft erst am Ende. Natürlich wird es weniger kalt sein und es wird weniger Eisberge geben. Aber wir müssen immer noch mit Tiefdruckgebieten und schwierigen Bedingungen rechnen. Es liegt an uns, das, was wir gerade aufbauen, erfolgreich zu Ende zu bringen.”
Das Schwierigste liegt nicht hinter uns, sondern vor uns!“ Thomas Coville
Benjamin Schwartz erklärte: „Wir nähern uns langsam dem Ziel. Die nächsten Wegpunkte sind der Äquator und vor allem die Ziellinie. Wir sind schon etwas ungeduldig, das Ergebnis dieses Versuchs zu erfahren. Wir haben alle Trümpfe in der Hand, um diesen Rekord zu brechen.“