WeltumseglungPazifik-Rendezvous: “Westwärts-Solo ist mutig!”

Tatjana Pokorny

 · 08.02.2026

Am Steuer der Ultim-Gigantin "Macsf", die einst auch Thomas Coville diente.
Foto: Guirec Soudée Adventures/Team Macsf
Zum Wochenende konnte sich Guirec Soudée bei seiner Solo-Weltumseglung von Ost nach West mitten im Pazifik über eine Begegnung der besonderen Art freuen. Dazu markiert dieser 8. Februar für den Franzosen einen ganz besonderen Tag.

Es war der 23. Februar 2025, als Guirec Soudée die Ziellinie seiner ersten Vendée Globe mit Platz 23 passierte. Mit wehender bretonischer Flagge auf der “Freelance.com” und viel Stolz war der Franzose damals vom Rennen um die Welt zurückgekehrt. Mit 89 Tagen, 20 Stunden, 16 Minuten und 20 Sekunden kam Soudée zwar erst 25 Tage nach Sieger Charlie Dalin ins Ziel, doch der abenteuer- und nun auch regattahungrige Seesegler feierte sein Solo mit den vielen Fans wie einen Sieg.

Weltumseglung: vom Abenteurer via Vendée Globe zum Rekordmann?

Dem damals 32 Jahre alten Ocean Lover war mit der ins Ziel gebrachten Vendée Globe der Sprung vom Abenteurer zum Regattasegler gelungen. Vor dem Start bekannt als der Mann, der mit seiner Henne Monique um die Welt gesegelt war, im Eis der Arktis überwintert und zweimal den Atlantik mit einem Ruderboot überquert hatte, war nun seine Solo-Premiere um die Erde im Regattamodus vollbracht.

Noch am Tag seiner Ankunft hatte Guirec am 8. Februar 2025 vor versammelter Presse verkündet, dass sein nächstes Ziel die Solo-Weltumseglung mit einer Ultim von Ost nach West sein würde. Mit diesen Plänen hatte er damals sogar das eigene Team überrascht, das sich jedoch zunächst damit beruhigte, dass der Skipper diese Pläne vermutlich im Rausch der Emotionen angekündigt hatte. Doch so war es nicht.

Guirec Soudée machte – wie so oft schon zuvor – Ernst und mit seinem Team aus dem Traum eine Realität. Am Tag vor Heilgabend war Guirec Soudée mit dem Ultim-Maxi “Macsf” in seine jüngste Herausforderung gestartet. Die Besonderheit der aktuellen Solo-Prüfung besteht darin, dass Soudée sie westwärts bestreitet – also gegen die vorherrschenden Winde, gegen die Stürme, die ihm begegnen. Dabei will er den Rekord knacken, den Jean Luc “VDH” Van Den Heede vor 22 Jahren mit einer betagten Einrumpfyacht aufgestellt hatte.

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Ziel ist die erste Nonstop-Weltumseglung einer Ultim von Ost nach West

“VDH” war am 7. November 2003 zu seinem Nonstop-Ost-West-Solo aufgebrochen und hatte am 9. März 2004 nach 122 Tagen, 14 Stunden, 3 Minuten und 49 Sekunden mit der 26,40 Meter langen, vom Gilles Vaton Studio entworfenen Aluminium-Yacht “Adrien” die Ziellinie erreicht. Diesen Rekord jagt nun Guirec Soudée mit der Ultim-Gigantin “Macsf”, einst gebaut als ”Sodebo Ultim” und später auch bekannt unter ihren Namen “Actual Leader”, “Mieux” und Adagio”. Vor Guirec Soudée hat noch niemand die Welt solo und nonstop mit einer Ultim von Ost nach West komplett umsegelt.

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​Zwei Versuche gab es bislang nur mit Mehrrumpfbooten auf diesem Kurs. Yves Le Blevec versuchte es 2017 allein auf “Actual Ultim”. Dabei war der Trimaran aber kurz vor Kap Hoorn gekentert. Romain Pilliard und Alex Pella nahmen die Herausforderung mit dem Trimaran “Use it Again” 2021 an, scheiterten aber ebenfalls in Südamerika, als sie nach der Kap-Hoorn-Passage in einer Serie von Tiefdruckgebieten in der Cook Bay Schutz suchten und das 75-Fuß-Irens-Design, das als frühere “B&Q” einmal von Ellen MacArthur gesegelt worden war, dort auflief.

An seinem 48. Renntag segelte Guirec Soudée bei seinem aktuellen Weltrekordversuch in die Tasmanische See zwischen Neuseeland und Tasmanien. In diesem südwestlichen Teil des Südpazifiks war er bei seiner Weltumseglung am Sonntagabend mit knapp 20 Knoten unterwegs. Die bislang erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit seit seinem Start beträgt für “Macsf” 17 Knoten.

Ultim vs. Alu-Einrumpfyacht: mal Rückstand, mal Vorsprung

Auf die zum vergleichbaren Zeitpunkt vom amtierenden Rekordhalter absolvierte Kurslänge hielt Soudée am 8. Februar einen Vorsprung von gut 830 Seemeilen, die er zuletzt wieder ausbauen konnte, nachdem er der “VDH”-Zeit zwischendurch auch eine Weile hinterhergehinkt war. Hier geht es zum Tracker für das Solo von Gurec Soudée.

Zum Wochenende hatte dazu ein ungewöhnliches Treffen das Gute-Laune-Barometer an Bord von “Macsf” mitten im Pazifik in die Höhe schnellen lassen. “Schaut mal, da ist ein Flugzeug der französischen Marine, sie haben mich gerade angefunkt”, jubelte Guirec Soudée glücklich in die eigene Kamera. Der Skipper berichtete der über ihn hinwegfliegenden Falcon-Besatzung, dass er zuvor habe in den Norden ausweichen müssen, um dort bessere Winde zu finden, jetzt aber Australiens Südzipfel wieder direkter ansteuern könne und darüber “sehr glücklich” sei.

Die Flugzeug-Besatzung bezeichnete die Solo-Weltumseglung gegen die vorherrschenden Winde gegenüber Guirec Soudée als “sehr mutig”. Sie demonstriere “starke Werte wie Ausdauer, Entschlossenheit und Kontrolle, Werte, die wir gemeinsam haben”. Soudée bedankte sich für den “unglaublichen Moment” und hielt fest: “Das wird Teil meiner schönsten Erinnerungen sein.”

Die zweite Halbzeit läuft schon: 12250 Seemeilen bis ins Ziel

Es werden weitere gute wie schwere Zeiten auf Guirec Soudée zukommen. Auch solche, die er etwa im Kap-Hoorn-Sturm erlebt hatte. Rund 12.250 Seemeilen hatte Guirec Soudée am Abend des 8. Februar noch vor sich. Damit läuft die zweite Halbzeit dieses “Falscherum-Solos” um die Welt bereits.

Guirec Soudée im Glück bei der Begegnung mit einer Falcon und ihrer Besatzung im Pazifik:

Rückblick! So stürmisch war Guirec Soudée auch als 23. gefeiert worden, als er am 8. Februar 2025 die Ziellinie seiner ersten Vendée Globe passiert hatte:

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