Am 28. März um 9.34 Uhr war es vollbracht: Guirec Soudée hat mit der Ultim “Macsf” den 22 Jahre alten Rekord von Jean-Luc Van Den Heede für die schnellste Solo-Weltumseglung von Ost nach West pulverisiert, kam nach 94 Tagen, 21 Stunden, 58 Minuten und 34 Sekunden ins Ziel.
Damit blieb der 34 Jahre alte Franzose auch als erster unter der 100-Tage-Marke für eine Einhand-Weltumseglung gegen die vorherrschenden Winde – eine historische Premiere auf einem Mehrrumpfboot.
Gefeiert wird der Mann, dessen Leistung noch durch das World Sailing Speed Record Council (WSSRC) bestätigt werden muss, heute voraussichtlich ab frühen Nachmittag am Quai Malbert in Brest. Dort hat Soudées Team schon einen großen Stand neben der Bühne aufgebaut, an dem auch die Bücher über seine früheren Abenteuer ausgestellt sind. Viele Clips vom jüngsten Abenteuer des “Hühnermanns” finden sich auf seinem YouTube-Kanal. Dort soll es auch Live-Bilder der Rekordfeier in Brest geben.
Die soeben beendete Rekordfahrt barg für Soudée Höhenflüge und Schockmomente. Zu den Tiefschlägen zählte der Ruderbruch vor Madagaskar an Tag 68 seiner Herausforderung. Soudée war 2019 mit seinen Segelabenteuern an der Seite von Bordhenne Monique berühmt geworden. Er hat bei seiner aktuellen Rekordfahrt mehr als 37.670 Seemeilen zurückgelegt, bevor er die Ziellinie zwischen der Insel Ouessant und Cape Lizard an der Südspitze Englands passierte.
Der junge Familienvater ist erst der sechste Skipper, der eine Solo-Weltumseglung von Ost nach West vollenden konnte. Und der erste, der es auf einem Mehrrumpfboot geschafft hat. Das Segeln hatte er im Alter von sieben Jahren für sich entdeckt. Sein Umfeld dafür war ideal: Er wuchs auf der kleinen familieneigenen Insel Yvinec bei Plougrescant in der Bretagne auf. Die bretonische Flagge ließ er nach dem Zieldurchgang mit viel Stolz wehen. Seine aktuelle Leistung läutet ein neues Zeitalter für Rekordfahrten “falsch herum” um die Welt ein.
Bislang führen das World Sailing Speed Record Council (WSSRC) und auch das Guiness Buch der Rekorde Jean-Luc Van den Heede als schnellsten Solo-Weltumsegler gegen den Wind. Soudées Landsmann hatte seine Bestmarke am 9. März 2004 mit der der 85-Fuß-Yacht “Adrien” aufgestellt. Seine Rekordfahrt dauerte damals 122 Tage, 14 Stunden, 3 Minuten und 49 Sekunden.
Der 80 Jahre alte Altmeister wird zur Ankunft am Dock erwartet. Der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte Jean-Luc Van Den Heede: “Ich freue mich für ihn, ich freue mich, dass mein Rekord noch zu meinen Lebzeiten gebrochen wurde. Immerhin sind es 22 Jahre!” Dass Van Den Heedes außergewöhnliche Leistung so lange Bestand hatte, liegt auch daran, dass die der Kurs um die Welt gegen die vorherrschenden Winde ein mühsamer ist, dessen Herausforderungen nur die wenigsten Segler und Seglerinnen annehmen.
Nur rund ein Dutzen Wagemutige haben sich getraut, die Hälfte von ihnen erreichte die Ziellinie. Als erste Frau hatte die inzwischen siebenmalige britische Weltumseglerin Dee Caffari die Herausforderung angenommen. Sie war auf der 72-Fuß-Yacht “Aviva” am 18. Mai 2016 nach 178 Tagen, 17 Stunden, 55 Minuten und 42 Sekunden auf See ins Ziel gekommen.
Als historisch erstem Solosegler war dem Briten Chay Blyth die Solo-Weltumrundung von Ost nach West 1971 gelungen. Mit der 59-Fuß-Yacht “British Steel” war er nach 292 Tagen auf See angekommen. Für diese Erstleistung war der schottische Pionier mit dem Orden Commander of the British Empire ausgezeichnet worden.
Eine weitere Erstleistung war Bill Hatfield am 22. Februar 2020 gelungen: Von Australien aus gelang ihm die Weltumseglung von Ost nach West als ältestem Herausforderer. Im Alter von 81 Jahren war er mit der Northshore 38 “L’Eau Commotion” in 258 Tagen, 22 Stunden, 24 Minuten und 9 Sekunden um die Welt gesegelt. Es war gleichzeitig die erste Ost-West-Weltumseglung mit einem Boot unter 40 Fuß. Die Durchschnittsgeschwindigkeit seiner Fahrt betrug 3,48 Knoten.

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