WeltumseglungExklusiv – Helgoland Round the World Race geplant

YACHT Online

 · 01.04.2026

Hochseesegeln vor Helgoland ist immer ein besonderes Erlebnis…
Foto: Hinrich Franck/Nordseewoche

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Was die Franzosen mit der Vendée Globe oder dem Globe40 und die Macher von The Ocean Race seit Jahrzehnten zelebrieren, könnte bald auch in Deutschland gelingen. Helgoland soll der Start- und Zielhafen einer neuen Weltumseglung sein. Ihr Name: Helgoland Round the World Race.

​„Die Franzosen haben Eric Tabarly, Bernard Moitissier, Loïck Peyron, Franck Cammas, Charles Caudrelier, François Gabart und Charlie Dalin. Und noch ein paar mehr Kapazitäten. Aber wir haben Wilfried Erdmann und Boris Herrmann. Warum also sollten wir nicht auch so große Rennen wie die Grande Nation austragen können! Das Helgoland Round the World Race passt genau hierher!“, sagt Fiete Hansen.

Der Helgoländer Fischer erinnert sich noch lebendig an die großen Segelzeiten, in denen vor Helgoland scharfe Admiral’s-Cup-Ausscheidungen stattfanden und die nationale wie auch internationale Segelprominenz den roten Felsen belebten.

Helgoland Round the World Race: von der Langen Anna um die Welt und zurück

Einmal im Jahr steht die Insel zum Saisonauftakt bis heute im Zeichen des Regattasports: Die 1922 erstmals ausgetragene Nordseewoche ist eng mit Helgoland verwoben. In diesem Jahr wird die 91. Auflage vom 22. bis zum 25. Mai ausgetragen. Zu Impressionen aus dem vergangenen Jahr geht es hier. Auf dem Programm steht in knapp zwei Monaten auch wieder die seit 1932 ausgesegelte legendäre 500-Seemeilen-Langstrecke Pantaenius Rund Skagen. In einigen Jahren schon könnte der Klassiker ein packender Prolog zum neuen Helgoland Round the World Race werden.

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Helgoland will mehr. Das anspruchsvolle Nordseerevier von Deutschlands einziger Hochseeinsel soll mit dem Helgoland Round the World Race wieder in den Mittelpunkt der Regattawelt rücken. An langen Winterabenden wurde dieser Plan bei geheimen Treffen auf der Insel geschmiedet. Mal trafen sich die Insulaner und weitere Impulsgeber zum Austausch in einer der farbenfrohen und inspirierenden Hummerbuden, mal im Museum Helgoland oder auch im Bunkerstollen.

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Eines der Treffen zum Helgoland Round the World Race hat vermutlich auch in der nachhaltigen Familienfischerei Albatros Hummer stattgefunden. Dabei soll es vor allem darum gegangen sein, Albatrosse als symbolträchtige Begleiter von Weltumseglern zu ehren. Denn in Albatrossen, so heißt es unter Seeseglern, leben die Seelen der auf See gebliebenen Kameraden und Kameradinnen weiter.

Kap Hoornier werden mit dem Helgoland Round the World Race

Die 1936 gegründete Amicale Internationale des Capitaines au Long Cours Cap Horniers und heute kurz als IACH bekannt, nutzt traditionell einen Albatros im Logo. Einst war die Aufnahme nur Kapitänen von Rahseglern möglich, die bei ihren Handelsreisen Kap Hoorn passierten. Inzwischen steht die IACH-Mitgliedschaft Menschen aller Nationalitäten offen, die Kap Hoorn unter Segeln im Rahmen einer Nonstop-Fahrt von mindestens 3000 Seemeilen passiert haben, die sowohl im Pazifik als auch im Atlantik oberhalb des 52. Südlichen Breitengrades verläuft und ohne den Einsatz von Antriebsmotoren absolviert wurde.

Eine Chance zur IACH-Aufnahme könnte künftig auch die Teilnahme am Helgoland Round the World Race bringen. Das Rennen um die Welt soll nach ersten Ideen offenbar stattfinden, wenn Deutschland sich bei der Bewerbung um Olympische Spiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 durchgesetzt hat. Hier sei man, so war aus dem Umfeld des Helgoländer Bürgermeisters zu vernehmen, im engen Austausch mit den Bewerber-Kampagnen: Hamburg, München, Berlin und KölnRheinRuhr.

Angedacht ist die Weltumseglung von und nach Helgoland für die Klassen Ultim, Imoca, Class40 und eine noch im Detail zu definierende ORC-Division, um auch möglichst viele deutsche Eigner und ihre Crews zu locken. Viel mehr wollten die Helgoländer Intiatoren zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht preisgeben. Klar sei, dass der Kurs um die Welt zu Werbezwecken für die Insel in der Deutschen Bucht zum Auftakt auf dem Weg in den Atlantik mindestens zwei oder drei europäische Häfen entlang der Küsten der Niederlande, Frankreichs und Spaniens anlaufen werde. Ein Abstecher nach Großbritannien wird noch erwogen.

Helgoländer Regattaexperten im Planungskomitee

Sodann soll es klassisch entlang der drei großen Kaps – Kap der Guten Hoffnung, Kap Leeuwin, Kap Hoorn – weitergehen, bevor die Flotte wieder den Atlantik hinauf und zurück nach Helgoland segelt. Team Malizia und Boris Herrmann haben wie viele weitere nationale und internationale Teams bereits intensives Interesse an der ersten großen Regatta um die Welt signalisiert, die von und nach Deutschland führt.

Endlich einmal steht das Nordseerevier im Mittelpunkt einer Weltumseglung, in dem ich als kleiner Junge schon unterwegs war.” Boris Herrmann

Breite Zustimmung für die Idee kommt auch aus den deutschen Segelvereinen. Ein wichtiges Ziel der neuen Weltumseglung sei es, die Insel, die 1890 von Deutschland gegen Sansibar eingetauscht worden war, weltweit berühmt zu machen. „Jeder soll uns dann kennen. Und unsere Flagge: Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Strand – es leben die Farben von Helgoland!“, sagte eine stolze Schülerin der James-Krüss-Schule auf Helgoland.

Während sich die Organisatoren noch den Gang in die Öffentlichkeit scheuen, gehen Insider davon aus, dass bekannte Helgoländer Regattasegler den Initiatoren im Aufbruch mit wertvollem Rat zur Seite stehen. So sollen zu den inoffiziellen Ratgebern der frühere Admiral’s-Cup-Gewinner und heutige Satnav-Experte Jens Ewerling und der ehemalige Admiral’s-Cup- und Whitbread-Round-the-World-Race-Teilnehmer und YACHT-Vizechef Fridtjof Gunkel zählen.

Auch der auf Helgoland geborene Ralf Steitz, 1995 an Dennis Conners Seite im America’s-Cup-Einsatz, könnte als Berater im Gespräch sein. Und natürlich der bekannte Schiffbauingenieur und Judel/Vrolijk & Co-CEO Torsten Conradi. Er wuchs auf Helgoland auf und entdeckte den Segelsport als Zehnjähriger für sich, als der Wassersportclub Helgoland in den späten 1960er Jahren seine ersten Optis bekam. Er kennt Insel und Revier wie nur wenige.

Im Zeichen des Hummers: alte Trophäen für ein neues Rennen um die Welt

Die Preise für die Sieger in den angedachten vier Klassen gibt es schon. Sie entstanden im vergangenen Jahrhundert. Als 1925 bei der vierten Nordseewoche erstmals Helgoland das Ziel der Regatta war, hatten Helgoländer Fischer als Extra-Preise zwei Körbe mit Hummern gestiftet. Einen jungen unbekannten Künstler hat die Gabe zu einer Serie von vier ähnlichen Bronzeplastiken inspiriert.

Bewacht werden die Kunstwerke von Familie Conradi in einem ihrer liebevoll gehegten Hotels und Ferienhäuser auf der Insel. In welchem und wo genau, das verraten sie nicht. Aber so viel konnte die YACHT in Erfahrung bringen: Bei den Trophäen soll es sich um in Bronze gegossene Hummer handeln, die heute auch das Hummerschutzgebiet vor Helgoland würdigen.

Das Schutzgebiet kennen viele Nordseewochen-Teilnehmer auch aus leidvoller Erfahrung: Wer abkürzt und reinfährt, wird drastisch bestraft und disqualifiziert. Wer aber im künftigen Helgoland Round the World Race auch diese Klippe meistern kann, der könnte im neuen Rennen um die Welt frei nach dem Helgoländer Dichter und Schriftsteller James Krüss zum „Leuchtturm auf den Hummerklippen“ werden.

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