Nach Höhenflügen und Tiefschlägen läuft für Guirec Soudée der Endspurt seines gewagten Mammutunterfangens. Er segelt bei seiner Weltumseglung die schon betagte Ultim “Macsf” von 2014 gegen die vorherrschenden Winde von Ost nach West um die Welt. Die frühere “Geronimo” war in ihrem bewegten Leben nach ihrem Umbau als “Sodebo Ultim”, “Actual Leader” und “Brest Ultim Sailing” im Einsatz, bevor Guirec Soudée die Riesin 2025 kaufte und dem zwölf Jahre alten Trimaran nun noch einmal alles abfordert.
Auf Kurs Start- und Ziellinie humpelt das brave Boot schon seit Tag 68 über die Ozeane. Da hatte den Skipper der Schock des Ruderbruchs im Revier von Madagaskar getroffen. Doch er blieb auf Kurs, hält weiter am Ziel fest, den Einhandrekord für die schnellste Weltumseglung in “verkehrter Richtung” zu brechen. Die Chancen, dass er es schafft, stehen gut.
Die Bestmarke hält seit 2004 Jean-Luc Van Den Heede, der mit den damals erzielten 122 Tagen, 14 Stunden, 3 Minuten und 49 Sekunden im Guinness-Buch der Rekorde steht. Der Franzose war – wie Guirec Soudée jetzt – klassisch über die Startlinie zwischen Lizard Point und Oessant gegangen, hatte seine Bestmarke von extremer Haltbarkeit mit seiner 85 Fuß langen Einrumpfyacht “Adrien” zwischen dem 7. November 2003 und dem 9. März 2004 aufgestellt.
Nach fast 87 Tagen seiner aktuellen Weltumseglung hielt nun Guirec Soudée mit “Macsf” einen Vorsprung von rund 4500 Seemeilen auf Van den Heedes Rekordleistung. Trotzdem ist Soudée bei knapp 2500 Seemeilen bis zur Start- und Ziellinie unweit von Brest noch nicht am Ziel seiner Träume. Mann und Boot sind drei Monate nach dem Start in ihre XXL-Herausforderung am Tag vor Heiligabend 2025 müde.
Das berichtete Guirec Soudée von seiner Weltumseglung, wo er beim Atlantikaufstieg am 20. März dem 20. Breitengrad Nord entgegenstrebte. Soudée sagte in einer Videobotschaft: “Ich bin noch nicht da, habe einige Do-it-yourself-Arbeiten zu leisten. Auch, wenn die Bretagne seit dem Beginn noch nie so nah war, habe ich hier ein Boot, dass anfängt müde zu werden. Ich auch, um ehrlich zu sein.”
Weiter sagte der “Macsf”-Skipper: “Das Boot verlangt viel Arbeit. Obwohl ich nicht gerne klage, fängt es doch jetzt an, auseinanderzufallen. Es zeigt überall Ermüdungserscheinungen. Und ich weiß, dass das Wetter bis zumEnde schlecht sein wird.” Guirec Soudée weiß auch: “Die Bedingungen können sehr kompliziert sein.” Es sei wichtig, bis zum Ende “einen klaren Kopf” zu bewahren. Der unerschütterliche Optimist bleibt auf Kurs und kämpft weiter um seinen Traum.
Von seinem erzählerischen Talent und seinem Humor hat der “Segler mit dem Huhn”, der im Alter von 26 Jahren mit Bordhenne Monique um Nord- und Südamerika segelte, nichts eingebüßt. Das zeigt auch ein Clip aus dieser Woche, mit dem er bei seiner Weltumseglung demonstriert, wie kreativ er sich an Bord der Ultim fit hält. Die Schule hatte Guirec Soudée einst ohne Abschluss verlassen. Das Leben auf See erschien ihm die bessere Lehrbühne zu sein.
Jetzt nimmt die Spannung im Endspurt der jüngsten angenommenen Herausforderung zu: Schafft er es bei seinem mutigen Abenteuer in Ziel? An diesem Freitag war Guirec Soudée rund 750 Seemeilen westlich der Kapverden mit guter Geschwindigkeit von 16 Knoten im Nordatlantik unterwegs. 436 Seemeilen hat er in den vergangenen 24 Stunden gemeistert. Das Ziel ist nah. Und doch noch fern. Hier geht es zum Tracker für Guirec Soudée und “Macsf”.

Freie Reporterin Sport