Warnemünder WocheBeim 88. Rund Bornholm geht’s rund – „Skendata-Illbruck“ siegt

Antonia von Lamezan

 · 08.07.2026

Rund Bornholm: Bei rauen Wetterbedingungen hat die Crew alle Hände voll zu tun.
Foto: Privat/Tore Lass
Beim 88. Rund Bornholm musste der Kurs wegen eines Sturms kurzfristig von rund 250 auf etwa 120 Seemeilen verkürzt werden. Bei halber Distanz und harten Bedingungen lieferten sich zwei große Regattayachten ein enges Rennen um die schnellste Zeit. Die „Skendata-Illbruck“ gewinnt die Regatta als „First Ship Home“ sowie in der Yardstick-Wertung. Auch in den anderen Wertungsgruppen stehen die Sieger fest.

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Die Langstreckenregatta „Rund Bornholm“ zählt zu den anspruchsvollsten deutschen Hochseerennen in der Ostsee. Als eines der sportlichen Highlights der Warnemünder Woche führt die klassische Route über rund 250 Seemeilen von Warnemünde einmal um die dänische Insel Bornholm und zurück. Je nach Wind und Bootstyp benötigten die Crews dafür meist 24 bis 48 Stunden. Das Nonstop-Rennen verlangt den Teams durch durchgehende Nachtwachen, physische Ausdauer und präzise Navigationsarbeit einiges ab.

Wie Ausgleichssysteme für Fairness sorgen

Gewertet wird in verschiedenen Gruppen, unter anderem nach „Yardstick“ und „ORC“. Für alle, die diese Abkürzungen nicht kennen: Bei einer Regatta wie Rund Bornholm starten sehr unterschiedliche Boote gegeneinander: Von kleineren Familienyachten bis zu großen Hightech-Rennmaschinen. Würde man nur schauen, wer als erstes im Ziel ist, würden fast immer die größten und schnellsten Yachten gewinnen. Um die Ergebnisse fair zu machen, werden die gesegelten Zeiten mit Handicap-Systemen „verrechnet“.

  • Yardstick: Ein empirisches System, bei dem jedes Bootsmodell einen festen, auf Erfahrungswerten basierenden Zahlenwert erhält. Langsamere Boote bekommen so einen Zeitbonus, schnellere Schiffe einen Malus.
  • ORC (Operational Rating Congress): Ein wissenschaftliches Verfahren, bei dem jedes Boot präzise vermessen und ein physikalisches Computermodell erstellt wird. Der Computer errechnet für die jeweils herrschenden Windbedingungen eine theoretische Sollzeit. Wer diese am weitesten unterbietet, gewinnt.
  • ORC-Club: Die vereinfachte Variante des ORC-Systems. Hier dürfen Eigner die Bootsdaten anhand von Werksangaben selbst eintragen. Um Missbrauch vorzubeugen, rechnet das System Sicherheitszuschläge ein.

Neben dem prestigeträchtigen „First Ship Home“ (erstes physisch in den Zielhafen einlaufendes Boot) werden somit auch faire Sieger in den einzelnen Handicap-Wertungen gekürt.

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Unwetterwarnung: Wettfahrtleitung verkürzt die Distanz

Am 6. Juli 2026 starteten 34 Crews vor Warnemünde. Zum Auftakt herrschten moderate Bedingungen mit etwa 15 Knoten Wind aus westlicher Richtung. Die Wetterprognosen deuteten jedoch auf ein kräftiges Tiefdruckgebiet über Finnland hin, das im Verlauf der Regatta für einen deutlichen Anstieg der Windstärke sorgen sollte.

Während der erste Abschnitt nach Osten schnelle Raum- und Vorwindkurse erwarten ließ, drohten für die Nacht von Montag auf Dienstag in Böen Windstärken von bis zu zehn Beaufort. Ein Rückweg gegen diese Windmassen hätte eine extreme Starkwindkreuz gegen steile Wellen bedeutet. Aus Sicherheitsgründen entschied sich die Wettfahrtleitung deshalb noch vor dem Start für eine Verkürzung des Kurses: Der Wendepunkt wurde nördlich von Rügen gelegt, wodurch sich die Gesamtdistanz auf rund 120 Seemeilen halbierte.

First Ship Home: „Skendata-Illbruck“

Auf dem verkürzten Kurs erreichte die „Skendata-Illbruck“ vom Regatta-Verein Greifswald in der Nacht kurz nach 02:00 Uhr als erstes Boot das Ziel. Der ehemalige Ocean Racer sicherte sich damit bei der 88. Auflage des „Rund Bornholm“ den Titel „First Ship Home“.

Unmittelbar nach dem Überqueren der Ziellinie folgte auf dem Wasser eine traditionelle Geste: Die Wettfahrtleitung übergab per Schlauchboot einen Bierkasten.

Bei 30 Knoten Wind war das ein heikles Unterfangen“,

berichtete Wettfahrtleiter Dirk Jahnke. Skipper Oliver Schmidt-Rybandt zeigte sich dennoch begeistert über den nächtlichen Empfang bei schweren Bedingungen:

Die Geste mit dem Bierkasten ist natürlich geil. Nachts um zwei bei Mistwetter. Total geil.“

Kontrollierte Offensive: Mit 18 Knoten zur Wendetonne

Auf dem ersten Streckenabschnitt agierte die Crew der „Skendata-Illbruck“ defensiv. Um Schäden im angekündigten Starkwind zu vermeiden, wurde mit reduzierter Segelfläche agiert. Dennoch erreichte die Yacht unter Segeln Spitzenwerte von bis zu 18,5 Knoten, bevor sie am 06.07. um 18:25 Uhr die Wendetonne nördlich von Rügen rundete.

Der anschließende Rückweg wurde zur erwarteten Härteprobe. Dauerregen und kurze, steile Kreuzwellen setzten dem Material zu. Mit kleiner Fock und flach getrimmtem, ungerefftem Großsegel arbeitete sich das Schiff durch die Nacht.

Mit dem Gesamtlauf zeigte sich Schmidt-Rybandt im Hafen zufrieden und verteidigte die Entscheidung der Rennleitung:

Rund Bornholm in voller Länge wäre rein seglerisch natürlich schon cool gewesen. Aber wir waren ehrlich erleichtert, dass es verkürzt wurde. Als wir um 2:00 Uhr ins Ziel segelten, waren wir schon recht bedient.“

Sturmböen im Ziel: Sechs Crews kapitulieren vor dem Wetter

Während im Laufe des Dienstags (07.07.) schwere Schauerböen über die Mittelmole in Warnemünde fegten, lief das restliche Feld nach und nach ein. Die harten Bedingungen forderten jedoch ihren Tribut: Insgesamt sechs Crews mussten das Rennen vorzeitig aufgeben und steuerten den Hafen unter Motor an. Bis zum frühen Nachmittag waren die verbliebenen Schiffe sicher im Hafen festgemacht, wo am Abend die finalen Ergebnisse der Handicap-Wertungen bekanntgegeben wurden.

​Endergebnisse: Die Sieger der Handicap-Wertungen

​Yardstick-Wertung

  • 1. Platz: „Skendata-Illbruck“ (Skipper Oliver Schmidt-Rybandt) – Berechnete Zeit: 20:15:28 / Ist gleichzeitig First Ship Home
  • 2. Platz: „OSPA“ (Skipper Otto Timm) – Berechnete Zeit: 20:21:47.
  • Gesegelte Zeit: Die beiden ehemaligen Ocean-Racer blieben mit unter 13 Stunden für die verkürzte 120-Seemeilen-Strecke deutlich unter der veranschlagten Zeit. Im realen Ziel trennten die Schiffe nur knapp vier Minuten.

ORC-Wertung

  • 1. Platz: „Universitas“ (Skipper Hauke Sponholz) – Berechnete Zeit: 17:46:51 / Gesegelte Zeit: 15 Stunden und 40 Minuten.
  • 2. Platz: „Exciter“ (Skipper Jens Kuphal) – Berechnete Zeit: 17:53:06 / Gesegelte Zeit: 15 Stunden und 55 Minuten.

ORC-Club-Wertung

  • 1. Platz: Vaiana (Skipper Jan Laschinsky)
  • 2. Platz: Ocean Calling (Skipper Markus Linde)

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Antonia von Lamezan ist gebürtige Hamburgerin und studierte Kultur- sowie Sozialwissenschaftlerin (Lüneburg/Kopenhagen). Obwohl die Seefahrt zur Familiengeschichte gehört, fand sie den eigenen Weg aufs Wasser erst als Erwachsene – dann jedoch mit voller Begeisterung und Konsequenz: Innerhalb eines Jahres absolvierte sie alle für die Langfahrt erforderlichen Scheine, tauschte das geregelte Stadtleben gegen das eigene Boot und segelte zwei Jahre lang auf eigenem Kiel durch Europa. Als Volontärin in der Redaktion verbindet sie nun fachlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft für das Meer, Boote und das Schreiben.

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