Sogar der bretonische Regen ließ für ein paar Stunden etwas nach, der Wind wehte sanfter, dann konnte der sorgfältig geplante Stapellauf des neuen Ultim-Trimarans “Maxi Edmond de Rothschild” (”Gitana 18”) in Lorient durchgeführt und vor Hunderten Fans und Schaulustigen zelebriert werden. Der bereits Anfang Dezember vorgestellte radikale Hochseefoiler repräsentiert den aufregenden ersten Entwurf einer neuen Generation vollfliegender Ultim-Trimarane.
Viele Segelfans waren in Frankreichs Seglerwiege Lorient an diesem Wochenende dabei, als Ariane de Rothschild, Skipper Charles Caudrelier und Team Gitana ihren neuen Ultim-Stolz am Nachmittag des 14. Februar erstmals in seinem Element zeigten. Das Datum war bewusst gewählt: Das Team wollte, dass die Operation an einem Samstag stattfindet, damit möglichst viele Fans diesen Moment miterleben konnten.
Dabei war passendes Wetter nicht nur erwünscht, sondern notwendig, weil das Zuwasserlassen einer 32 mal 23 Meter großen Ultim-Plattform – gefolgt vom Aufrichten eines über 36 Meter hohen Mastes – kaum Raum für Fehler lässt. Team Gitana hatte dieses Wetterglück. „Heute hat alles gepasst“, sagte Skipper Charles Caudrelier am Ende der Operation. „Das Wetterfenster war fast unerwartet, aber es hat es uns ermöglicht, die Plattform zu Wasser zu lassen und direkt danach den Mast reinzustellen. Alles lief perfekt!“
Das Team profitierte beim Stapelllauf der Ultim-Riesin von mäßigen bis leichten Winden – eine Seltenheit in den letzten Wochen, in denen mehrere Atlantiktiefs nacheinander über die Bretagne hinweggefegt waren. “Maxi Edmond de Rothschild” wird in den kommenden Tagen im Wasser bleiben.
Viele Komponenten werden erst jetzt nach und nach angebracht udn eingebaut. Bald werden das einziehbare Zentralruder und das Schwert hinzukommen. Die schwenkbaren Y-förmigen Foils mit einer Flügelspannweite von jeweils mehr als fünf Metern werden später installiert, sobald die erste Testphase abgeschlossen ist. Ab der dritten Februar-Woche wird das Boot den üblichen statischen Tests unterzogen, die bei allen Neubauten durchgeführt werden, wenn sie eine Werft verlassen.
Die Geschichte dieses Ultim-Prototypen fängt gerade erst an. Für Charles Caudrelier und das Gitana-Team stehen in den kommenden Monaten das Finetuning eines anspruchsvollen und hochkomplexen Designs auf dem Programm. Das Team hat bis zum 1. November – also acht Monate Zeit –, um sich auf die erste große Regatta vorzubereiten und ab Saint-Malo den Ultim-Titel bei der Route du Rhum – Destination Guadeloupe zu verteidigen.
Ariane de Rothschild sagte: “Mit dem Stapellauf von ‘Gitana 18’ beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte der Gitana-Reihe. Seit 150 Jahren bringt meine Familie ihre Leidenschaft für das Meer und den Segelsport mit diesen legendären Yachten zum Ausdruck, immer im Zeichen der Innovation. Die neue ‘Maxi Edmond de Rothschild’ ist die Verkörperung dieser Vision.”
Wie Ariane de Rothschild auf die angehende Ultim-Rekordjägerin blickt? “Sie besticht durch ihr architektonisches Konzept und ihr künstlerisches Design, das von Florian und Michaël Quistrebert entworfen wurde. Ich möchte dem Team für die bemerkenswerte Arbeit danken, die es in mehr als drei Jahren geleistet hat.”
Ich freue mich sehr darauf, diese neue Gigantin in See stechen zu sehen.“ Ariane de Rothschild
Im Interview sagte Charles Caudrelier am Tag des Stapellaufs auch, dass sein Team naturgemäß den Rekord für die schnellste Runde um die Welt im Visier habe. Um den Jules-Verne-Rekord, den gerade Thomas Coville und seine Crew auf “Sodebo Ultim 3” auf 40 Tage, 10 Stunden, 45 Minuten und 50 Sekunden gedrückt haben, “dreht sich alles”, so Caudrelier.
“Dabei werden auch das richtige Wetterfenster und die Vermeidung von Bruch eine Rolle spielen”, sagte der frühere Ocean-Race-Sieger. Und weiter: “Für das Team von Thomas Coville war es der große Wurf, hat deren große Leistungsfähigkeit gezeigt. Ihnen ist es gelungen, einen Rekord zu schlagen, der lange Bestand hatte.”
Caudrelier und sein Team wollen versuchen, diesen faszinierenden Rekord zu brechen. “Dafür ist das Boot gebaut”, so der Skipper, “aber es geht nicht sofort. Zwei bis drei Jahre dauert es, ein solches Boot zuverlässig zu machen. Die große Herausforderung, diesen Rekord zu brechen, besteht darin, das Boot zuverlässiger zu machen.”
Wann Team Gitana eine erste Testfahrt mit der Neuen unternehmen wird? Charles Caudrelier lächelte bei dieser Frage verschmitzt und sagte: “Voraussichtlich an meinem Geburtstag.” Der Franzose wird am 26. Februar 2026 52 Jahre alt. Wer bekommt schon ein solches Geschenk? In seinen kühnsten Träumen habe er sich nicht vorstellen können, so Caudrelier, “dass ich einmal eine solche Maschine fliegen werde”. Jetzt ist dieser Moment schon ganz nah.
Erstes namhaftes Regattaziel für die Mannschaft ist die bereits erwähnte Route du Rhum mit Start am 1. November. “Es ist ein ehrgeiziges Ziel, nahezu unrealistisch, mit einem solchen Boot acht Monate nach dem Stapellauf an einer Regatta teilzunehmen. Aber wir werden versuchen, es zu tun”, sagte Charles Caudrelier an diesem Wochenende beim Ultim-Stapellauf in Lorient.