Andreas Fritsch
· 16.01.2024
Es dauert länger als gedacht: Obwohl das Race-Management der Arkea Ultim Challenge Brest verkündete, Armel Le Cléac’h wolle heute Morgen zur Verfolgung starten, nachdem sein Team alle Reparaturen an Bugkorb, Gennaker und Hydraulik für das Steuerbordfoil in Recife erledigt hat, war das Boot auf dem Tracker gegen 12 Uhr noch immer im Hafen. Das Reglement schreibt einen mindestens 24-stündigen Halt vor, wenn einer der Skipper stoppen muss. Der Franzose setzt darauf, dass der recht frühe Zeitpunkt des Stopps im Rennen ihm noch Chancen auf eine Aufholjagd eröffnet. Zuletzt hatte es nicht so ausgesehen, dass “Banque Populaire XI” einen Speed-Vorteil gegenüber den beiden führenden Booten hat, er muss also auf Wetterpech für das Führungsduo hoffen – oder auf ideale Bedingungen für sich selbst. Allerdings schien sein Tri fast immer einen Tick schneller als Thomas Covilles “Sodebo Ultim 3” zu sein, den zu überholen für ihn ziemlich sicher das nächste große Ziel ist, mit 700 Meilen Rückstand aber auch kein Spaziergang. Etwa 70 Meilen vor ihm segelt Anthony Marchand mit seiner “Actual Ultim 3”. Hier geht es zum Tracker
Denn die idealen Bedingungen herrschen derzeit vor allem vorn an der Spitze. Seit gestern ist Thomas Coville mit dem günstigsten Windeinfallswinkel aus Nordost von schräg achtern richtig schnell unterwegs, konnte seinen Abstand zum Führungsduo auf 460 Meilen verkürzen, segelte 772 Seemeilen in 24 Stunden. Charles Caudrelier hatte gestern mit 789 Meilen schon an der 800er-Grenze gekratzt, was einem Schnitt von fast 33 Knoten entspricht. Damit kommen die Skipper allmählich in die Nähe des 24-Stunden-Einhandrekords, den François Gabart mit seiner alten “Macif”, jetzt als “Actual Ultim” mit im Rennen, 2017 aufstellte. Damals war er auf Einhand-Rekordfahrt um die Welt und segelte 850 Meilen in 24 Stunden – mit einem Non-Foiler.
An der Spitze nähern sich Tom Laperche und Charles Caudrelier nun dem ersten Tief des Southern Oceans, auf dessen Ostseite sie versuchen werden, so lange wie möglich mitzufahren. Da die Tiefs in der Regel mit etwa 30 bis 40 Knoten Geschwindigkeit ostwärts ziehen, kann ein Ultim dies im Idealfall sehr lange, da diese Pace für ihn machbar ist. Das Kunststück gelang zuletzt Francis Joyon auf “Idec Sport” mit einer Fabelzeit für die Überquerung des Indischen Ozeans, den er fast mit nur einem einzigen Wettersystem durchquerte. Für die drei führenden Boote sieht der Weg zum Kap der Guten Hoffnung nach einem glatten Durchmarsch aus, und auch die Verfolger dürften recht gute Bedingungen vorfinden.
Interessant ist, wie souverän Tom Laperche heute Nacht den Versuch Charles Caudreliers konterte, ihn einzuholen. Stundenlang hatte der seine “Edmond de Rothschild” gepusht, war deutlich schneller als Laperche und kam von rund 75 Meilen Abstand bis auf 25 Meilen heran. Seitdem hat er wieder knapp 10 Meilen verloren, und beide sind jetzt fast auf die Zahl hinterm Komma gleich schnell unterwegs. Scheint also so, als könne “SVR Lazartigue” durchaus eine Schippe drauflegen, wenn es nötig ist. Aber das Rennen ist noch lang, vielleicht will Caudrelier sein Boot auch nicht zu sehr belasten.

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