Nach fast 15 Jahren Planung von der ersten Idee bis zum Start wird es nun endlich Wirklichkeit: Am Sonntag um 13.30 Uhr französischer Zeit starten die Skipper der sechs Ultim-Tris ins Nonstop-Rennen um die Welt. Und zwar pfeilschnell: Die Wettervorhersage sagt dank eines stabilen Hochs über Nordfrankreich für den Start 9 bis in Böen 17 Knoten Wind aus Nordost, unter zwei Meter Wellenhöhe und sogar ein paar Sonnenstrahlen vorher. Das sind für die Boote ideale Bedingungen, man kann wohl erwarten, dass die Skipper ziemlich schnell Speeds über 30 Knoten erreichen können. Denn dreifache Windgeschwindigkeit ist für diese Schiffe nichts Besonderes mehr. Sie werden die 350 Seemeilen über die Biskaya wahrscheinlich locker bis Montagfrüh absolviert haben, allerdings kann es sein, dass der Wind ausgangs der Biskaya etwas nachlässt. Es wäre wohl kaum verwunderlich, wenn die Boote in den ersten 24 Stunden die 600-Meilen-Grenze locker überschreiten.
Solche Bedingungen versprechen schöne Bilder für Fans der Mega-Tris. Und die kann man live am besten via der Event-Seite auf Youtube oder Facebook verfolgen. Wie üblich werden die Boote von Helikoptern und Drohnen verfolgt, spektakuläre Bilder sind also garantiert. Danach dürfte Fans der regelmäßige Blick in den Race Tracker die kalten Wintertage in Deutschland versüßen.
Ab Dienstag weht es weiter draußen vor der portugiesischen Küste dann schon stabil südwärts, man kann also davon ausgehen, dass die Schiffe sehr schnell die Kanaren passieren werden. Fast alle Skipper zeigten sich darüber erleichtert, hatten doch die vielen West-Stürme an der französischen Küste in diesem Winter vermuten lassen, dass es ein Start in brutalen Bedingungen wie zuletzt beim Transat vor zwei Monaten oder der Route du Rhum 2022 werden könnte. So steigt die Chance, dass das Feld ohne größere Verluste und Schäden in Richtung Süd-Atlantik kommt.
Bei dem Rennen ist im Unterschied zur Vendée Globe externes Wetter-Routing von Spezialisten an Land erlaubt. Seit Mittwoch ist etwa das Routing-Team von Armel Le Cléac’h fest im Rhythmus: “Unsere Wetter-Unit ist seit Mittwoch in Lorient vor Ort. Es gibt jetzt feste Briefings jeden Tag, und wir arbeiten an der perfekten Strategie und daran, wie die Zusammenarbeit während des Rennens am besten läuft.” Die Ultim-Klasse hat wegen des Kenter-Risikos das Routing schon vor Jahren in der Klasse beschlossen. Die Top-Teams haben bis zu drei Mann 24 Stunden pro Tag im Einsatz, die alle Veränderungen verfolgen und zusammen mit dem Skipper die Wetter-Taktik erarbeiten. Das hat allerdings seine Grenzen, wie Skipper Charles Caudrelier im YACHT-Interview unlängst anmerkte.
Armel Le Cléac’h, Skipper vom Banque-Populaire-Team, beschreibt, was in den ersten Tagen passieren wird: “Wenn die guten Bedingungen beim Start länger anhalten, ist es einfach, schnell zu sein, ohne etwas erzwingen zu müssen. Andererseits ist es interessant herauszufinden, wo man den Cursor eigentlich setzen kann und muss, wenn man es dann bei anderen Bedingungen doch tun muss.“ Denn auch wenn die Boote erst vor zwei Monaten ein Transatlantik-Rennen gegeneinander gefahren sind, ist nicht ganz genau klar, wer wo steht, da “Edmond de Rothschild”, “Sodebo Ultim” und auch “Actual” technische Probleme hatten und deutlich hinter den Möglichkeiten ihrer Boote zurückblieben. Genau diese drei Teams hatten aber zuletzt ihre Schiffe noch einmal technisch verbessert, Sodebo mit einem längeren Mast mit sehr Segelfläche und die beiden anderen mit modifizierten Foils.
Auch wenn der Druck hoch ist, freut sich Armel Le Cléac’h auf das Rennen:
“In meiner 25-jährigen Karriere bin ich mit einem Mehrrumpfboot noch nie über Ascension Island hinausgekommen. Jetzt werde ich weit fahren, und ich hoffe, dass ich den ganzen Weg um die Welt gehen kann. Diese Aussicht ist aufregend, macht Lust zu starten und mich glücklich. Ich habe Glück, das auf einem Ultim zu tun, auf dem ich mich wohlfühle und der Speeds fahren kann, die mit anderen Booten unmöglich sind. Zu wissen, dass ich nach zwölf Tagen am Kap der Guten Hoffnung sein kann und in 30 am Kap Hoorn, ändert komplett die Sichtweise auf eine Weltumsegelung, wie ich sie bisher kannte. In einem Imoca dauert es einen Monat bis zum Kap der Guten Hoffnung und fast doppelt so lang bis um Kap Hoorn. Wir betreten eine neue Dimension!”

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