Tatjana Pokorny
· 22.04.2024
Es ist mehr als 50 Jahre her, als das Dick-Carter-Design “Optimist” die Eintonnerpokale 1967 vor Le Havre und 1968 vor Helgoland unter deutscher Flagge gewann. Die Erfolge der Boote des Münchner Architekten Georg Köhler, zu denen ihm sein Bremer Steuermann Hannes Beilken geraten hatte, sorgten damals für goldene Segelsportzeiten in Deutschland. Sogar der “Spiegel” berichtete regelmäßig und ausführlich von den Glanzleistungen der “Optimist” und ihrer Schwestern. Die Eintonner waren damals auch hierzulande so populär, dass es sogar Versuche gab, sie als olympischen Bootstyp auf die Bühne unter den fünf Ringen zu bugsieren.
Insgesamt konnten deutsche Boote den Eintonnerpokal fünfmal gewinnen. Dem Doppel-Coup der “Optimist”, der noch im Rahmen der 22-Fuß-RORC-Regel gelang, folgte 1978 der Sieg der “Tilsag” mit Skipper Klaus Lange. Da wurde schon unter dem Dach der seit 1971 gültigen 27,5-Fuß-IOR-Formel gesegelt. 1993 und 1994 war es schließlich zweimal eine “Pinta” von Willi Illbruck, die sich im Korsett der 30,5-Fuß-IOR-Regel durchsetzte. Im ersten Jahr gelang das mit keinem Geringeren als Finn-Olympiasieger, Matchrace-Ikone und dem späteren America’s-Cup-Gewinner und SailGP-Macher Russell Coutts, im zweiten Jahr mit US-Skipper John Kostecki.
Die goldene Ära der Eintonner liegt nun schon eine Weile zurück, doch es gibt auch in Deutschland immer noch viele Eigner, die sie und ihre kleineren IOR-Schwestern wie etwa Dreivierteltonner lieben hegen und pflegen. Kaspar Stubenrauch ist einer von ihnen. Seine “Golden Apple” wird in diesem Jahr 50 Jahre alt.
50 Jahre ist es auch her, dass “Golden Apple” 1974 als Co-Favoritin am Eintonnerpokal vor der Englischen Riviera in Torquay teilgenommen hat. Das Ron-Holland-Design, auf dem der Konstrukteur damals selbst mitsegelte, wurde beim wichtigsten britischen Segelereignis des Jahres in einer Flotte von 33 Startern von einer irisch-internationalen Crew gesegelt und erreichte Platz sieben. Den Sieg sicherte sich Klassenschwester “Gumboots”.
Heute ist “Golden Apple” in deutschen Händen von Trans-Ocean-Vorstandsmitglied Kaspar Stubenrauch. Mit “Gumboots” ist auch die Eintonnerpokal-Siegerin von 1974 in Deutschland zu Hause. Sie liegt in Lübeck. 50 Jahre nach dem Gipfel von Torquay hat Kaspar Stubenrauch nun die Idee, möglichst viele Eintonner aus den späten Sechzigern, den Siebzigern und frühen Achtzigern anlässlich der Travemünder Woche in der Lübecker Bucht zu versammeln. Vor allem hat Stubenrauch die Vertreterinnen der 27,5-Fuß-IOR-Formel der siebziger und anfänglichen achtziger Jahre im Visier.
Willkommen sind aber auch andere typische Vertreterinnen der Zeit. “Es wäre schön, wenn sich die Eintonner von einst treffen und den doppelten 50. Geburtstag gemeinsam bei der Travemünder Woche feiern. Wir sprechen aber nicht nur die Eintonner, sondern auch weitere IOR-Boote aus der Zeit an. Zu den One Tons in Travemünde passen natürlich auch Serienschiffe, die aus Prototypen entwickelt wurden: Contessa 35, Carter 37, Norlin 37 und viele mehr. Und falls die größeren Admiral’s-Cupper aus der Zeit antreten, wie beispielsweise die ‘Carina III’ und die ‘Struntje V’, freuen wir uns natürlich auch”, sagt Kaspar Stubenrauch.
Die 135. Travemünder Woche findet vom 19. bis 28. Juli statt. Sie endet am Tag, an dem in der Bucht von Marseille die olympische Regatta beginnt. Das Segelprogramm der seit 1889 rund ums Seebad ausgetragenen Travemünder Woche bietet ORC- und Yardstick-Yachten Up & Downs, den Klassiker Rund Fehmarn und eine Mittelstrecke an. “Je nach Zeit der Eigner & Crews sind die Seeregatten für das Treffen vorgesehen, insbesondere die im zweiten Teil, von Donnerstag bis Sonntag”, sagt Kaspar Stubenrauch. Seine Empfehlung an alle, die ein passendes Boot und Lust zur Retro-Geburtstagsfeier haben: “Da wir noch keine Gewissheit haben, ob wir eine eigene Gruppe bekommen können, sollen die Boote erst einmal per Yardstick melden.”

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