Tatjana Pokorny
· 18.10.2023
Vor einem Jahr haben sich die jungen Profis Lennart Burke und Melwin Fink zu einem Team zusammengeschlossen. Seit diesem Monat wohnen sie sogar zusammen, bilden eine dynamische WG im Hamburger Portugiesenviertel unweit der Elbe. Jetzt steht ihre bis dato größte Herausforderung auf dem Plan: Am 29. Oktober starten sie als Team Next Generation Sailing auf ihrer Pogo 40 S4 “Sign for Com” in die Jubiläumsauflage des Klassikers Transat Jacques Vabre.
Im Gegensatz zu den anderen drei deutschen Startern greifen Lennart Burke und Melwin Fink bei der transatlantischen Härteprüfung in der kleinsten Klasse an. Unter den insgesamt 95 Transat-Booten mit 190 Seglerinnen und Seglern aus 17 Nationen bringt die Class 40 mit 44 Startern allerdings das größte Feld an den Start. Unter den insgesamt 77 Transat-“Rookies” sind Lennart Burke und Melwin Fink die einzigen deutschen Segler in der Class 40.
Ihr Boot haben sie bereits in der vergangenen Woche mit dem Berliner Hendrik Witzmann nach Le Havre überführt. Am 19. Oktober werden Burke und Fink in Hamburg ins Auto steigen und über Bonn, wo sie noch ihren Titelpartner Sign for Com besuchen, nach Le Havre fahren. Lampenfieber vor der Transat-Premiere? “Ja, etwas. Wir sind schon ein wenig eingeschüchtert von dem riesigen Feld und den vielen großen Namen”, sagt Melwin Fink.
Wir denken, dass es eine schwere Prüfung wird” (Melwin Fink)
Weiter erzählt der erst 21 Jahre alte Mini-Transat-Dritte von von 2021: “Wir denken, dass es eine schwere Prüfung wird. Aber wenn wir gut fahren, kann es auch gut werden. In die Top Ten zu segeln, das wäre ein mega Ergebnis. Damit könnten wir angesichts der sehr starken Konkurrenz sehr zufrieden sein.”
Der letzte Test mit der Pogo verlief vielversprechend. “Es war ein schöner Test mit 40 Knoten Wind direkt hinter den Kanalinseln. Das Boot ist heil geblieben, alles super”, erzählt Fink. Lennart Burke weiß, warum: “Wir haben das Boot im Sommer einmal komplett auseinandergenommen und wieder zusammengebaut, jedes Lashing und jede Leine neu gemacht. Auch unsere Vibrationsprobleme mit dem Kiel sind glücklicherweise behoben.”
Unser Boot hat noch nie ein Transat bestritten, andere dagegen schon drei, vier Male” (Lennart Burke)
Der Kiel der “Sign for Com” hatte zuvor stets bei sieben, acht Knoten Speed begonnen zu vibrieren. Dem Problem hat sich Markus “Porky” Mehlen gewidmet. “Der Kiel ist jetzt glatt wie ein Kinderpopo”, sagt Melwin Fink und grinst. Der international extrem erfahrene Bootsbauer Markus Mehlen hat gerade einen Vertrag bei den jungen Seglern unterschrieben, die seine Kinder sein könnten. Gemeinsam wollen sie im internationalen Offshore-Segelsport nach oben. “Wir sind seine Jungs”, sagt Melwin Fink. Die Segler schätzen sich glücklich, einen so versierten Techniker im Team zu haben.
Dem Transat Jacques Vabre blicken der seit dem 25. September 25 Jahre alte Lennart Burke und sein erst 21-jähriger Segelpartner Melwin Fink mit Ehrfurcht, Vorfreude und einigem Ehrgeiz entgegen. “Unser Boot hat noch nie ein Transatlantik-Rennen bestritten, andere dagegen schon drei, vier Male. Das ist also Neuland für uns”, erklärt Lennart Burke. Das Team bereitet sich ganz in der Nähe von Boris Herrmanns Rennstall auf den Härtest vor.
Eine zweite Chance gibt es bei diesem Rennen nicht” (Melwin Fink)
“Für ein Fotoshooting in der vergangenen Woche hat uns Boris sein Team-Rib ausgeliehen. Das war extrem nett, denn so konnten wir etwas Geld sparen. Auch dürfen wir unsere Sachen in seinem Hangar lagern”, schwärmt Lennart Burke von Team Malizias Schützenhilfe für die junge deutsche Crew. Burke und Fink hoffen und setzen darauf, bei ihrer minutiösen Vorbereitung keine Fehler gemacht zu haben. Melwin Fink weiß: “Eine zweite Chance gibt es bei diesem Rennen nicht.”
Technisch muss sich das deutsche Class-40-Duo bei der Prüfung über 4.600 Seemeilen für die Class 40 nicht verstecken. Lennart Burke erklärt: ”Die neuen Designs sind alle so ziemlich auf gleichem Niveau. Technisch ist uns kein Boot stark überlegen. In der Class 40 liegen alle im Leistungsvermögen so eng beieinander. Die ersten 15 Boote sind sehr stark. Deswegen ist es so wichtig, dass die Boote top gewartet sind. Darauf haben wir großen Wert gelegt.”
Für Lennart Burke und Melwin Fink beendet das Transat Jacques Vabre ihr erstes gemeinsames Segeljahr. “Wir sind auf sehr gutem Weg und wollen die nächsten Jahre so weitermachen. Wir haben uns ziemlich genau vor einem Jahr, am 1. November 2022, zusammengetan. Unser mittelfristiges Ziel war es, das Transat Jacques Vabre zu erreichen. Da sind wir jetzt. Das fühlt sich sehr gut an”, sagt Melwin Fink.

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