Transat Jacques VabreThomas gibt Gas, Yoann will mehr Speed, Boris holt auf

Tatjana Pokorny

 · 15.11.2023

"Paprec Arkéa"-Skipper Yoann Richomme
Foto: Team paprec Arkéa
Es bleibt gegen Ende des neunten Imoca-Tages auf See hochspannend im 16. Transat Jacques Vabre. Während Justine Mettraux und Julien Villion im Norden stürmische Winde zu parieren haben, strebten die führenden Süd-Boote am Mittwochabend mit 18 bis 22 Knoten Speed dem Zielhafen Fort-de-France entgegen. Boris Herrmann und Will Harris rückten auf Platz sechs vor

1.400 Seemeilen hatten Thomas Ruyant und Morgan Lagravière auf dem Imoca-Spitzenreiter “For People” am Abend des neunten Tages auf See noch bis in den Zielhafen Fort-de-France zu absolvieren. Dabei ist der Sieg den aktuellen Pacemakern im zweigeteilten Feld noch keineswegs sicher. Weder lassen Yoann Richomme und Yann Eliès knapp 30 Seemeilen achteraus locker, noch geben die weiteren Verfolger ihren Kampf um den Aufstieg im Klassement auf. Und auch das entschlossene Nord-Mixed ist nach Ansicht der Konkurrenz noch nicht aus dem Rennen.

“Teamwork.net” macht es auf die harte Tour

Während Justine Mettraux und Julien Villion im kalten Norden auf ihrer “Teamwork.net” der Karibik auf die harte Tour entgegenstreben und im Zwischenklassement zunächst auf Platz sieben zurückfielen, konnten sich Boris Herrmann und Will Harris über den Tag um weitere zwei Plätze nach vorn schieben.

“Malizia – Seaexplorer” lag am Abend des 15. November auf Platz sechs. Boris Herrmann fasste noch einmal zusammen, warum sein Team – wie das Gros der Imoca-Flotte in diesem 16. Transat Jacques Vabre – den Südweg gewählt hatte. Und warum er die Entscheidung auch im Nachhinein nicht bereut.

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Wir sind froh, dass dieser Speedtest hier im Süden ergeben hat, dass wir ganz gut mithalten können mit den anderen Neubauten” (Boris Herrmann)

Boris Herrmann sagte: “Die Überlegung zur Südroute war relativ komplex, aber am Ende dann doch eine Mehrheitsentscheidung. Für uns ist es jetzt viel spannender gewesen – und ist es nach wie vor – uns mit den Neubauten, die auch an der Vendée teilnehmen werden, hier im Süden zu messen. Und eben nicht dort im Norden so wie Justine Mettraux so ein Einzelgängerrennen zu segeln. Davon abgesehen, sind wir froh, dass dieser Speedtest hier im Süden ergeben hat, dass wir ganz gut mithalten können mit den anderen Neubauten. Auch, wenn das nicht unsere bevorzugten harten Wetterbedingungen sind. Insofern eine positive Zwischenbilanz hier von See.”

Gleichzeitig zeigte sich Boris Herrmann beeindruckt von Justine Mettraux und ihrem Team: “Großer Respekt für Justine, für ihren Mut und ihre Stärke, durch diese harten Bedingungen zu segeln, während wir hier im Sonnenschein in T-Shirts sind. Sie müssen da oben beim Hämmern in den Wellen in ihren wärmsten Mützen und dickstem Fleece unterwegs sein.”

Zwei Schwesterschiffe liegen vorn

Boris Herrmanns Co-Skipper Will Harris glaubte wie andere Imoca-Skipper auch am 15. November noch, dass “Teamwork.net” weiter eine Siegchance habe: “Sie hat ein paar Meilen im Norden gespart, wir segeln im Süden schneller. Dieses Rennen wird erst am Ende entschieden.”

“Paprec Arkéa”-Skipper Yoann Richomme berichtete am selben Tag von der Freude, die beiden Conq-Koch-Schwesterschiffe 1 und 2 (Red.: gemeint sind die jüngsten 2023er-Neubauten “Paprec Arkéa” und “For People”) in der Imoca-Flotte zu haben. Tatsächlich zeigen die beiden schnellen Schwestern ihre Muskeln. Auch erzählte Richomme heiter von seinen Co-Skipper, dem Ex-Malizianer Yann Eliès, und wagte eine Prognose zum Nord-Süd-Duell der geteilten Imoca-Flotte.

Yoann Richommes Transat-Tagesbericht gibt einige interessante Einblicke und Aufschlüsse:

Wir haben die beiden Conq-Koch-Schwesterschiffe auf Platz 1 und 2, das ist ziemlich cool. Ich denke, Antoine kann ziemlich stolz sein. Die Boote sind toll, aber im Vergleich zu Thomas fehlt uns ein bisschen Speed. Seit wir die Kanaren hinter uns gelassen haben, sind die Passatwinde ungefähr gleich stark, 18-22 Knoten. Und wir spielen einfach mit den Verschiebungen und ein bisschen mit der Windkurve um das Hochdruckgebiet herum, sodass jeder Tag ein bisschen gleich ist.

Da diese Boote mit Autopiloten laufen, fühlt sich jeder Tag irgendwie gleich an. Wir passen die Einstellungen des Autopiloten an, wir passen die Segel an, wir lernen das Boot kennen, aber uns fehlt definitiv noch einiges an Wissen, um es so schnell zu machen, wie Thomas es macht. Aber wir lernen jeden Tag dazu. Es ist interessant, dass Yann uns bei jeder Wache mitteilt, was wir herausgefunden haben.

Man kann das, was ‘Teamwork’ macht, als Option bezeichnen. Ich würde es Folter nennen. Sie müssen sich selbst hassen …” (Yoann Richomme)

Der alte Mann (Yann) ist gerade mitten am Tag aufgewacht. Er isst Müsli aus einer Plastiktüte. Er isst wie ein Student. Man kann das, was Teamwork macht, als Option bezeichnen (lacht). Ich würde es Folter nennen. Sie müssen sich selbst hassen, aber auf dem Weg dorthin sind sie immer noch in einer guten Position, um zu gewinnen. Obwohl ich bezweifle, dass sie es schaffen. Wir werden sehen …

Im Zweifel heißt es ja: für den Angeklagten. Aber es scheint sehr schwer für sie zu sein, mit dem Tempo des Routings mitzuhalten. Erst zeigen sie einem ein paar wirklich schöne Dreher und Fronten, in deren Theorie du immer gut in Bewegung bist. Aber wie man gestern Abend und heute Früh gesehen hat, befanden sie sich in einem Leichtwindgebiet und wurden bei fünf Knoten Wind fast gestoppt, sodass man nirgendwo mehr hinkommt. Ich vermute, dass sie im Vergleich zu dem, was sie sich (im Norden) erhofft hatten, nur langsam vorankommen.

In zwei Tagen sollten wir ihren Kurs kreuzen. Hoffentlich haben wir dann die Nase vorn” (Yoann Richomme)

Für uns im Süden ist es einfacher. Und wenn es schiefgeht, können wir wieder nach Süden tauchen. Es sind noch vier Tage bis ins Ziel. In zwei Tagen sollten wir ihren Kurs kreuzen. Hoffentlich haben wir dann die Nase vorn.

Wir bringen immer Arbeit für das Team an Land mit. Aber wir haben vorausgeplant, wir haben eine Menge Material da. Die Bootsbauer werden einige Arbeiten an der Struktur vornehmen. Nicht viel, es ist nicht allzu wild. Etwa das, was wir erwartet hatten. Wir arbeiten mit einem Boot, das so ziemlich bei 100 Prozent einsatzbereit ist. Wir fühlen uns wirklich gut. Wir haben ein tolles Bett. Und wir haben sogar Bettzeug! Das sagt euch, wie weit wir wir gegangen sind. Und die Matratze ist fantastisch. Wir sind gut in Form. Aber wir wechseln uns weiter ständig ab. Es liegt fast immer jemand in der Koje.

Hier hämmert der “Malizia-Express” im Transat Jacques Vabre durch die Nacht – Boris Herrmann und Will Harris über ihr Bordleben und die nahenden Entscheidungen:

Das Transat hier direkt im Live-Tracking verfolgen:

Empfohlener redaktioneller Inhalttransat-jacques-vabre.geovoile.com

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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