Tatjana Pokorny
· 22.06.2022
Die Anzahl der Olympia- und WM-Medaillen aus anderen Bootsklassen, mit denen die Teilnehmer der Rolex-TP52-Weltmeisterschaft in Cascais anreisten, ist mehr als vielversprechend: Neun Top-Crews kämpfen in Portugal um die WM-Krone der führenden internationalen Einrumpfserie. Nach dem ersten Tag in ungewöhnlich leichten Winden in einem Revier, das sonst eher für druckvolle Bedingungen bekannt ist, liegen drei Co-Favoriten vorn. Angeführt wird das Elite-Feld vom amerikanischen Team Quantum, das sich die Spitzenposition mit zwei zweiten Rängen zum Auftakt verdient hat. Dahinter lauern zwei Mannschaften um deutsche Eigner: Harm Müller-Spreer vom Norddeutschen Regatta Verein steuerte seine "Platoon" am ersten WM-Tag mit den Rängen fünf und drei auf Platz zwei. Punktgleich auf Platz drei liegt die "Phoenix" von Tina und Hasso Plattner, die unter südafrikanischer Flagge das gleiche Zwischenergebnis mit zwei vierten Rängen erreichte. Dass die Mehrheit der WM-Teams zu Rennsiegen imstande ist, zeigten die jeweils ersten Ränge der amerikanischen "Sled" und der britischen "Alegre", die aber durch jeweils auch einen achten Rang zunächst auf den Plätzen vier und fünf liegen. Das Kräftemessen der potenten Teams könnte gut erst im Finale am kommenden Wochenende entschieden werden.
Die Güte des Feldes lässt sich anhand seiner Starter ermessen. Kurz vor WM-Start angereist ist der zweimalige Motten-Weltmeister, America's-Cup-Gewinner, Olympiasieger und Weltsegler des Jahres Tom Slingsby. Mit einem fulminanten Comeback-Sieg beim zweiten SailGP der Saison in Chicago im Gepäck, sprang der Australier mit amerikanischem Pass an Bord der "Phoenix" der Plattner-Familie. "Es ist schon hart, die ganze Zeit die Klassen zu wechseln. Ich habe vermutlich gerade den größten Sprung gemacht, weil ich direkt vom SailGP komme. Ich bin mittags am Flughafen angekommen, wurde abgeholt und direkt zum Hafen gebracht", berichtete der zweimalige SailGP-Saisonsieger kurz vor dem WM-Start in Portugal. Seine Einschätzung: "Die TP 52 Super Series ist aktuell die Top-Grand-Prix-Serie der Segelwelt. Die besten Segler sind hier. Das ist großartig."
"Platoons" Trimmer Ross Halcrow kam direkt vom WM-Sieg im Sechser mit Markus Wieser und der "Momo"-Crew von Dieter Schön aus Galicien nach Cascais. Sein Blick: "Es ist schön in großen Flotten wie auf Swans zu segeln, aber das TP-Segeln hat mehr mit Highperformance und Technik zu tun." Auch der erfahrene Profi Don Cowie, der auf Takashi Okuras "Sled" das Großsegel trimmt und mit der "Sled"-Kernmannschaft gerade die 12-Meter-Klasse auf Okuras "Freedom" gewonnen hat, sagt: "Die Rennen in der TP-52-Klasse sind so eng und werden jedes Jahr enger. Sie sind so hart zu gewinnen. Im Vergleich dazu war das 12-Meter-Segeln ziemlich entspannend. Es war fantastisch, hat Spaß gemacht. Das sind coole Boote! Wir waren auf der 'Freedom', die 1980 den America's Cup gewonnen hat."
Die Rolex-TP52-Weltmeisterschaft endet am 25. Juni. Hier geht es zu den Ergebnissen und Zwischenständen (bitte anklicken!). Geplant sind insgesamt zehn Rennen. Gastgebender Verein ist der 1938 gegründete Clube Naval de Cascais. Das pittoreske Fischerstädtchen an der Küste, nur einen Katzensprung entfernt von Lissabon, diente ursprünglich als königlicher Rückzugsort. Hier befinden sich die mittelalterliche Festung Nossa Senhora da Luz und der Zitadellenpalast. Der Club hat seit seiner Gründung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Wasser- und Segelsports in Portugal gespielt, insbesondere als Austragungsort und Organisator von nationalen und internationalen Regatten. Er war Austragungsort der ISAF-Segelweltmeisterschaften, der olympischen Klassenmeisterschaften und ist eine Hochburg der Drachen-Klasse. Cascais war schon Austragungsort der America's Cup World Series und steht oft auf dem Revier-Wunschzettel führender Grand-Prix-Serien. Das hat nicht zuletzt mit den üblicherweise vorherrschenden schönen Winden zu tun.

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