Zweimal hat Tonči Stipanović bei Olympischen Spielen Silber im Laser gewonnen: 2016 und 2021 verpasste der kroatische Weltklassesegler aus Split den Olympiasieg nur knapp. Nun greift der 36-jährige Spitzensegler aus Split auch sehr erfolgreich im Starboot an. Mit Tudor Bilic gewann Stipanović die Starboot-Europameisterschaft im Revier des gastgebenden Königlich-Dänischen Yacht Club Skovshoved. Über sechs Rennen konnte sich das Duo nach mäßigem Einstieg mit den Rängen 14 und elf enorm steigern: Vier Tagessiege und einen dritten Rang ließen die Kroaten folgen. Das reichte bei einem Streicher mit einem Punkt Vorsprung vor dem amerikanischen Steuermann Jack Jennings mit Pedro Trouche zum Sieg bei der offen ausgeschriebenen Europameisterschaft. Als Dritte segelten der Überlinger Hubert Merkelbach und Vorschoter Kilian Weise zu Bronze. Dabei hatten sie bei der Serie mit überwiegend schönen, mittleren Winden um zehn bis 15 Knoten durchaus mehr im Sinn und lagen zwischenzeitlich sogar in Führung. Doch dann brach der Mast …
In der dritten der sechs Wettfahrten knickte das Rigg auf Merkelbachs Starboot "Lara" mit der Segelnummer GER 8446 an der ersten Luvtonne plötzlich weg, obwohl die Backstagen klar waren. Das Unglück geschah nicht an der klassischen Bruchstelle an der Saling, sondern etwa einen Meter darunter. Was die Crew dann folgen ließ, war eine eigene Meisterleistung: Binnen einer Stunde rasten sie in den Hafen, tauschten das Rigg aus und schafften es eine Viertelstunde vor Beginn des vierten Rennens wieder auf den Kurs. "Wir haben schon auf dem Weg in den Hafen alle Wanten abgemacht, dann die Fallen und das Rigg mit Segeln in die Halle geworfen. Der Ersatzmast war noch in seiner Verpackung, ohne Salinge. Wir haben uns ein altes Trainingssegel geschnappt und sind wieder raus, ohne den Mast groß einzustellen. Das alles hat insgesamt vielleicht eine knappe Stunde gedauert. Wir wussten die ganze Zeit, dass uns ein zweites verpasstes Rennen die Serie gekostet hätte", erzählt Kilian Weise von der gelungenen Blitzaktion.
Steuermann Merkelbach vom Bodensee-Yacht-Club Überlingen erinnert sich ans Comeback nach dem hektischen Riggwechsel: "Da hatten wir nicht mehr viel zu verlieren, waren in guter Angriffslaune." Das deutsche Team antwortete mit zwei zweiten Rängen in Folge auf sein Missgeschick. Erst Rang neun im Finale kostete den in greifbare Nähe gerückten Titel. "Ich segle so schön mit Kilian, ihm hätte ich den Titel sehr gegönnt", sagte Merkelbach nach der Siegerehrung. Er selbst war 2014 schon einmal Europameister. Im vergangenen Jahr waren Merkelbach/Weise bereits Vize-Europameister. Ihre gemeinsame Titelrechnung bleibt nun offen bis zur nächsten Chance, die mit der Europameisterschaft 2023 in Cannes kommt. Auch bei der Starboot-Weltmeisterschaft im Revier von Marblehead in den USA wollen Merkelbach und Weise wieder angreifen. Dort werden im September 100 Jahre Starboot-Weltmeisterschaften gefeiert.
Jørgen Schönherr und Markus Koy segelten auf Platz acht. Zwei weitere deutsche Teams konnte bei der EM in Dänemark in die Top Ten vordringen: Jan Borbet vom Münchner Yacht-Club segelte mit Jesper Spehr von der Segler-Vereinigung Malente-Gremsmühlen auf Platz neun. Daniel Fritz vom Chiemsee-Yacht-Club erkämpfte mit Alberto Ambrosini im EM-Feld von 51 Starbooten aus zehn Ländern Platz zehn. Hier geht es zu den Endergebnisseen (bitte anklicken!).

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