Hartes Los für Team Germany beim SSL Gold Cup vor Gran Canaria: Die bereits fürs Viertelfinale gesetzte deutsche Mannschaft verpasste den Einzug ins Halbfinale am Donnerstag schmerzlich knapp. Im Ziel des letzten und doppelt gewerteten Rennens fehlten nur ein paar Bootslängen zu den Holländern. Die kamen als Dritte vor den Deutschen rein und lösten nach den dominanten Ungarn das zweite Halbfinalticket.
Besonders bitter: Das entscheidende Rennen war zuvor schon einmal angeschossen worden. Da hatten Steuermann Paul Kohlhoff und die Crew in stärkeren Winden souverän geführt, als die Wettfahrtleitung die Begegnung in zu stark drehenden Winden abgebrochen hatte. Im zweiten Versuch hatte die die deutsche Mannschaft dann gleich mit einer Serie von Problemen zu kämpfen. Damit war sie zwar nicht alleine, zahlte aber mit Rang vier im Ziel den höchsten Preis nach kuriosem Rennverlauf.
Neun Sekunden Rückstand auf Team Holland brachten dem deutschen Team in der Endabrechnung nicht den schon in greifbare Nähe gerückten Halbfinaleinzug, sondern nur den vierten und letzten Platz in der Viertelfinal-Gruppenwertung hinter Ungarn, Holland und Chile.
Wir sind als Team zusammengewachsen und nehmen viel mit aus dieser Erfahrung.” Tim Kröger
“Die Chancen waren da, aber es ist heute nicht zugunsten unseres Teams gelaufen. Was schief laufen konnte, lief schief. Andererseits waren das Team beeindruckend schnell unterwegs. Paul hat im Zusammenspiel mit den Trimmern stark gesteuert. Insgesamt hat die Mannschaft eine gute Lernkurve absolviert, die wir gerne fortgesetzt hätten. Wir sind als Team zusammengewachsen und nehmen viel mit aus dieser Erfahrung”, zog Coach Tim Kröger nach dem dramatischem Rennverlauf eine erste Bilanz.
Ob es mit dem ursprünglich vorgesehenen Steuermann, Taktiker und Team-Mitgründer Markus Wieser anders gelaufen wäre, bleibt eine theoretische Frage. Der neben Eberhard Magg auf diesen Booten als Einziger erfahrene bayerische Big-Boat-Profi hatte seine Teilnahme einen Tag vor Abreise erkrankt absagen müssen.
Der olympische Bronzemedaillengewinner Paul Kohlhoff, üblicherweise auf rasanten Zweirumpf-Foilern vom Typ Nacra 17 unterwegs, hatte das Steuer kurzfristig übernommen und sich schnell umstellen können. Starboot-Weltmeister und Bruder Max Kohlhoff übernahm taktische Aufgaben und unterstützte außerdem Teamkapitän Frithjof Kleen im “Powerhouse” am Mast.
Als Großsegeltrimmer agierte Magnus Simon mit viel Erfahrung. Die 49er-Asse Thomas Plößel und Linov Scheel waren die weiteren Trimmer. Matchrace-Experte Eberhard Magg vom Bodensee wirkte als Ruhepol im Pit. Nick Beulke war als Vorschiffsmann im Einsatz.
Was der deutschen Mannschaft nach dem unglücklichen Ausscheiden bleibt, sind die starke Gruppendynamik und der Teamzusammenhalt, der in dieser Woche in Las Palmas de Gran Canaria und an Bord der goldenen Boote vom Typ SSL 47 zwischen jungen Olympioniken und erfahrenen Kielbootseglern entstanden ist. “Alle haben über ihren Horizont hinaus geschaut und gearbeitet. Das macht diesen neuen SSL Gold Cup als Nationenwettbewerb so besonders: die disziplinenübergreifende Herausforderung, die Top-Leute aus allen Bereichen und mehreren Generationen zusammenbringt”, sagte Tim Kröger.
Wir haben gute Fortschritte gemacht und hätten genau deshalb so gerne das Halbfinale bestritten.” Paul Kohlhoff
Steuermann Paul Kohlhoff war kurz nach dem entscheidenden Rennen und der knappen Niederlage zunächst “extrem enttäuscht”. Mit etwas Abstand aber zog der 28-Jährige Kieler auf Kurs zu seiner dritten Olympiateilnahme im kommenden Jahr sehr positiv Bilanz: “Das war eine tierisch gute Regatta, an der ich in Zukunft sehr gerne wieder teilnehmen würde. Es herrschte ein super Spirit im Team. Wir haben gute Fortschritte gemacht und hätten das so gerne im Halbfinale gezeigt.”
Teamkapitän Frithjof Kleen sagte: “Es fehlte am Ende nur etwas Routine. Wir haben im ersten Versuch dieses letzten und entscheidenden Rennens in Führung gelegen und sind auch in den zweiten Versuch gut reingekommen. Sogar nach dem Penalty sind wir wieder im Spiel gewesen.” Team Germany hatte an der ersten Luvmarke eine Starfe kassiert, weil der Bugspriet zu früh rauskam. “Danach aber sind wir etwas von unserer Linie abgewichen, haben vielleicht ein bisschen zu viel Risiko genommen”, erklärte Kleen.
Eine verunglückte Halse, bei der das Kitefall aufging, kostete Team Germany an der letzten Wendemarke die zuvor erarbeitete Chance, an den Niederländern vorbeizuziehen, die ebenfalls Probleme hatten. Auf dem letzten Vorwindgang gelang es dann Team Germany auch im “Kampfmodus” nicht mehr, die Niederländer noch abzufangen.
Die Viertelfinalläufe der weiteren Gruppen wurden am Donnerstag vor Las Palmas de Gran Canaria fortgesetzt. Die Halbfinalbegegnungen finden am Samstag ab 12 Uhr statt. Jede der beiden Halbfinal-Vierergruppen trägt nur ein Rennen aus. Die jeweils besten beiden Teams qualifizieren sich fürs Finale, das am Sonntag um 13 Uhr ausgetragen wird. Alle Rennen werden live hier übertragen.

Freie Reporterin Sport