Wettfahrten

Spannendes Szenario auf Etappe 2 im Mini-Transat EuroChef: Gewinne und Verluste wie an der Börse

Tatjana Pokorny

 · 04.11.2021

Spannendes Szenario auf Etappe 2 im Mini-Transat EuroChef: Gewinne und Verluste wie an der BörseFoto: Alexis Courcoux / Mini-Transat EuroChef 2021

Das Mini-Transat hält Teilnehmer wie Fans in Atem. Mit Melwin Fink hat der Sieger von Etappe 1 erneut die Führung übernommen. Doch kann er sie auch halten?

Auf der zweiten Etappe des Mini-Transat EuroChef wird gehandelt wie an der Börse: Die Skipper und Skipperinnen haben den rund 2700 Seemeilen langen Kurs von Les Sables d'Olonne nach Guadeloupe extrem unterschiedlich interpretiert. Die einen blieben während des ersten Etappen-Drittels der Ideallinie nah und sind daher – nach dem ersten Drittel der Strecke – vorerst die Gewinner in diesem Rennen über den Atlantik. Dazu zählen die seit Tagen in der Serienboot-Spitzengruppe segelnden Melwin Fink ("SignForCom") und Lennart Burke ("Vorpommern"). Am Donnerstagmorgen führte der erst 19 Jahre alte Melwin Fink das Feld als jüngster Teilnehmer sogar an. Lennart Burke lag auf einem starken fünften Rang. Inzwischen aber hat sich ihr Tempo verlangsamt, weil sie in leichtere Winde geraten sind. Teile der Konkurrenz haben indessen extrem in "Süd-Aktien"investiert. Dadurch verloren sie zunächst enorm an Borden. Bestes Beispiel dafür ist der Österreicher Christian Kargl, der dafür nach knapp einer Woche auf See mit 122 Seemeilen Rückstand auf Fink als aktuell 47. hart bestraft wurde. Doch langsam wendet sich das Blatt wie von vielen Experten vorhergesagt: Während die Führungsgruppe nur noch mit Geschwindigkeiten von viereinhalb bis sechseinhalb Knoten unterwegs ist, wird nun im Süden Druck mit Bootsgeschwindigkeiten von sieben, acht Knoten gemacht.

  Hatte sich etwas eher als Melwin Fink südlich orientiert: "Vorpommern"-Skipper Lennart Burke kämpft in der Spitzengruppe um eine möglichst starke Top-Ten-PlatzierungFoto: Alexis Courcoux / Mini-Transat EuroChef 2021
Hatte sich etwas eher als Melwin Fink südlich orientiert: "Vorpommern"-Skipper Lennart Burke kämpft in der Spitzengruppe um eine möglichst starke Top-Ten-Platzierung

Die 250 (!) Seemeilen, die Spitzenreiter Melwin Fink am Donnerstagmorgen von Christian Kargl trennten, bedeuteten einen ganz erheblichen Unterschied in den Segelbedingungen. Fink segelte in 4,8 Knoten Wind, Kargl in mehr als zehn Knoten. Der Mini-Transat-Tracker zeigt gut, wie sehr inzwischen auch die Spitzenreiter im Norden bemüht sind, ihre Bugspitzen nach Süden zu drücken, um dem der flauen Zone entlang der Ideallinie zu entkommen. Ihre Reaktion könnte zu spät gekommen sein, doch der Ausgang des Wettstrebens, das prinzipiell alle Miniisten nach Westen in Richtunmg Ziellinie vor Guadeloupe führen muss, bleibt spannend. Die wichtigsten Fragen: Reicht den Süd-Nachzüglern der aktuell mögliche Spurt zum Vorbeiziehen an den führenden Booten? Wie groß wird die Dvidende sein, die Kargl und Co. einstreichen können? Wie groß die Verluste, die Fink, Burke und Co. einstecken müssen?

  Können Kargl und Co. nach langer Durststrecke jetzt Kapital aus ihrer südlichen Positionierung schlagen? Die Windbedingungen deuten aktuell und auch in der 48-Stunden-Prognose darauf hinFoto: Mini-Transat EuroChef 2021 / Screenshot Tracker
Können Kargl und Co. nach langer Durststrecke jetzt Kapital aus ihrer südlichen Positionierung schlagen? Die Windbedingungen deuten aktuell und auch in der 48-Stunden-Prognose darauf hin
  Dieser Screenshot zeigt Melwin Finks eher nördliche Position in der breit gefächerten Flotte. Wie die anderen in der Spitzengruppe, versuchte auch der 19-jährige "SignForCom"-Skipper am Donnerstag, der flauen Zone rund um die ideale Kurslinie zu entgehenFoto: Mini-Transat EuroChef 2021 / Screenshot Tracker
Dieser Screenshot zeigt Melwin Finks eher nördliche Position in der breit gefächerten Flotte. Wie die anderen in der Spitzengruppe, versuchte auch der 19-jährige "SignForCom"-Skipper am Donnerstag, der flauen Zone rund um die ideale Kurslinie zu entgehen

In der Proto-Flotte herrscht ein vergleichbares Szenario: Der Franzose François Champion ("Porsche Taycan") führt seine Flotte in ähnlicher Position wie Melwin Fink an. Doch ob Champion bei nur noch fünfeinhalb Knoten Bootsgeschwindkeit ein Glückspilz bleibt, muss abgewartet werden, denn Konkurrenten wie Fabio Muzzolini, Tanguy Bouroullec, Pierre Le Roy und ganz im Süden die mutige Irina Gracheva auf "Path" profitieren von doppelt so starken Winden und preschen mit Bootsgeschwindigkeiten von mehr als acht Knoten wie auf der Autobahn voran. Erst etwa mittig des Atlantiks etwa werden die Nord- und die Südboote voraussichtlich wieder Bug an Bug in vergleichbaren Winden segeln, wenn sie ihre aktuellen Kurse beibehalten. Bis ins Ziel hatte Proto-Spitzenreiter Champion am Donnerstagmorgen noch knapp 1700, Serienboot-Anführer Melwin Fink noch knapp 1800 Seemeilen zu absolvieren. Hier geht es zum Tracker (bitte anklicken!).

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