Jochen Rieker
· 22.09.2018
Henrik Bøje Hansen ließ nichts anbrennen. Er war schon am Sonntag um kurz vor 2 Uhr in der Früh als First Ship Home zurück im Ziel. Der Mitarbeiter von Quorning Boats unterbot auf einem Dragonfly 28 Performance die bisherige Bestzeit in der Klasse der großen Mehrrumpfboote um fast eine Stunde. Die Rücküberführung heute morgen überließ er allerdings seinen Kollegen.
"Ich habe fast keine Kraft mehr in meinen Armen", sagte er gegenüber YACHT online, nachdem er im Schiff ein paar Stunden Schlaf gefunden hatte. "Beim Aufstehen hatte ich einen Krampf in den Beinen vom Abstützen im Cockpit." Auch sonst zeigte er sich von dem Rodeoritt beeindruckt: "Die Böen waren extrem, wirklich extrem! Die kamen fallwindartig wie aus dem Nichts", berichtete er. "Ich musste ständig die Schoten loswerfen und wieder dicht holen." Auch der Seegang im Kleinen Belt forderte seine volle Aufmerksamkeit. "Das war brutal. Dass die Boote das aushalten...!"
Der dänische Fotograf Mikkel Groth hat ausgangs des Svendborgsunds mit seiner Kamera festgehalten, was Henrik Bøje Hansen zu überstehen hatte. Seine Bilder zeigen den Dragonfly-Trimaran, wie er in der sehr steilen Welle kurzzeitig mit allen drei Rümpfen den Kontakt zum Wasser verliert. Eine eindringliche Dokumentation der Extrembedingungen, die fast die Hälfte des 134 Seemeilen langen Kurses über herrschten. Sie hatten schon beim und kurz nach dem Start zu zahlreichen Havarien, Grundberührungen und Rammings geführt – und zu kontroversen Diskussionen über die Verantwortbarkeit einer Solo-Wettfahrt im küstennahen Bereich.
Die Schäden summieren sich nach ersten Schätzungen auf mehrere hundertausend Euro. Allerdings verletzte sich nach bisherigen Informationen kein Segler schwer; es blieb bei leichten Blessuren und Schrammen. Auch zeigt die Zahl der Finisher, dass der Kurs durchaus segelbar war, selbst für einige sehr kleine Boote um und unter acht Meter Länge.
Einer der Topfavoriten, der eigens für das Silverrudder von 32 auf 40 Fuß verlängerte One-off "Black Maggy", sah anfangs wie ein sicherer Siegkandidat aus: als Erster über die Linie, als Erster unter der Brücke durch, und dann auf und davon. Doch Wolfram Heibeck, der das Boot konstruiert, gebaut und geskippert hatte, entschied nördlich von Lyø, bei mehr als 40 Knoten Wind in Böen abzudrehen. "Das Limit hatte ich mir vorher schon gesetzt." Just in dem Moment, als er das Groß fierte, brach sein Carbonmast. Wer ihn kennt, weiß: Er wird wiederkommen.
So erhielt Bernd Petrick seine Chance, der an Wolfram Heibecks Stelle den Sieg in der Klasse L klarmachte. Deutsche Skipper holten insgesamt gleich vier Gruppensiege und fünf weitere Podiumsplätze. Unten die Platzierungen auf den Rängen 1 bis 3; die Gesamtergebnisse finden Sie hier.

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