Silverrudder 2018Vier Klassensiege für deutsche Skipper im Starkwind-Solo

Jochen Rieker

 · 22.09.2018

Silverrudder 2018: Vier Klassensiege für deutsche Skipper im Starkwind-SoloFoto: YACHT/S. Juergensen
Silverrudder 2018
Starke Leistungen bei einer von extremen Bedingungen geprägten Einhand-Wettfahrt rund Fünen – ein Däne und ein Norweger stellen neue Streckenrekorde auf

Henrik Bøje Hansen ließ nichts anbrennen. Er war schon am Sonntag um kurz vor 2 Uhr in der Früh als First Ship Home zurück im Ziel. Der Mitarbeiter von Quorning Boats unterbot auf einem Dragonfly 28 Performance die bisherige Bestzeit in der Klasse der großen Mehrrumpfboote um fast eine Stunde. Die Rücküberführung heute morgen überließ er allerdings seinen Kollegen.

"Ich habe fast keine Kraft mehr in meinen Armen", sagte er gegenüber YACHT online, nachdem er im Schiff ein paar Stunden Schlaf gefunden hatte. "Beim Aufstehen hatte ich einen Krampf in den Beinen vom Abstützen im Cockpit." Auch sonst zeigte er sich von dem Rodeoritt beeindruckt: "Die Böen waren extrem, wirklich extrem! Die kamen fallwindartig wie aus dem Nichts", berichtete er. "Ich musste ständig die Schoten loswerfen und wieder dicht holen." Auch der Seegang im Kleinen Belt forderte seine volle Aufmerksamkeit. "Das war brutal. Dass die Boote das aushalten...!"

  Facebook-Post vom späteren SiegerbootFoto: Mikkel Groth Facebook-Post vom späteren Siegerboot

Der dänische Fotograf Mikkel Groth hat ausgangs des Svendborgsunds mit seiner Kamera festgehalten, was Henrik Bøje Hansen zu überstehen hatte. Seine Bilder zeigen den Dragonfly-Trimaran, wie er in der sehr steilen Welle kurzzeitig mit allen drei Rümpfen den Kontakt zum Wasser verliert. Eine eindringliche Dokumentation der Extrembedingungen, die fast die Hälfte des 134 Seemeilen langen Kurses über herrschten. Sie hatten schon beim und kurz nach dem Start zu zahlreichen Havarien, Grundberührungen und Rammings geführt – und zu kontroversen Diskussionen über die Verantwortbarkeit einer Solo-Wettfahrt im küstennahen Bereich.

Die Schäden summieren sich nach ersten Schätzungen auf mehrere hundertausend Euro. Allerdings verletzte sich nach bisherigen Informationen kein Segler schwer; es blieb bei leichten Blessuren und Schrammen. Auch zeigt die Zahl der Finisher, dass der Kurs durchaus segelbar war, selbst für einige sehr kleine Boote um und unter acht Meter Länge.

  Aus und vorbei: Einer von mehreren Havaristen, die schon kurz nach dem Start freigeschleppt werden musstenFoto: YACHT/S. Juergensen Aus und vorbei: Einer von mehreren Havaristen, die schon kurz nach dem Start freigeschleppt werden mussten

Einer der Topfavoriten, der eigens für das Silverrudder von 32 auf 40 Fuß verlängerte One-off "Black Maggy", sah anfangs wie ein sicherer Siegkandidat aus: als Erster über die Linie, als Erster unter der Brücke durch, und dann auf und davon. Doch Wolfram Heibeck, der das Boot konstruiert, gebaut und geskippert hatte, entschied nördlich von Lyø, bei mehr als 40 Knoten Wind in Böen abzudrehen. "Das Limit hatte ich mir vorher schon gesetzt." Just in dem Moment, als er das Groß fierte, brach sein Carbonmast. Wer ihn kennt, weiß: Er wird wiederkommen.

So erhielt Bernd Petrick seine Chance, der an Wolfram Heibecks Stelle den Sieg in der Klasse L klarmachte. Deutsche Skipper holten insgesamt gleich vier Gruppensiege und fünf weitere Podiumsplätze. Unten die Platzierungen auf den Rängen 1 bis 3; die Gesamtergebnisse finden Sie hier.

Kielboote bis 25 Fuß

  1. Patrik Heinrichs, T-24 "Jynx", GER
  2. Harald Müller, Platu 25 "Honk", GER
  3. Ulf Dinesen, Maxi 77 "Nanok", DEN

Kielboote bis 30 Fuß

  1. Hans Genthe, Farr 280 "4sale", GER
  2. Freddy Ejler Kristensen, Solus Alta "Altanativ", DEN
  3. Finn Dordel, X 79 "Xanthippe", GER

Kielboote bis 35 Fuß

  1. Jonas Hallberg, JPK 10.10 "Hinden", GER
  2. Erik Jørs, 11 Metre One Design "Petrulla", DEN
  3. Matthias Bröker, One-off "Pyleia", GER

Kielboote bis 40 Fuß

  1. Bernd Petrick, JPK 10.80 "Milou", GER
  2. Felmming Andreassen, Luffe 37 "Avantgarde", DEN
  3. Anders Hohansen, Dehler 36 db "Dehlfin", DEN

Kielboote über 40 Fuß

  1. Pål Stiansen, XP 44 "Born to Run", NOR – Neuer Rekord: 19 h 9 m 59 s
  2. Stig Wittrup, First 40 "My Way", DEN
  3. Peter Wrede, Hanse 470 "Peppermint", GER

Mehrrumpfboote bis 25 Fuß

  • Kein Boot im Ziel

Mehrrumpfboote über 25 Fuß

  1. Henrik Bøje Hansen, Dragonfly 28 Perf. "Lanzelot", DEN – Neuer Rekord: 15 h 13 m 28 s
  2. Jens Thuesen, Dragonfly 35 "Skagerrak 3", DEN
  3. Herbert Schueler, Dragonfly 920 Extreme "Cayenne", GER
Artikel teilen:
Jochen Rieker

Jochen Rieker

Herausgeber YACHT

Aufgewachsen in Süddeutschland, hat Jochen Rieker das Segeln auf Bodensee, Ammersee und Starnberger See gelernt. Zunächst war er auf Pirat, H-Jolle und Tempest unterwegs, später auf Hobie Cat, A Cat und Dart 16. Aber wie das so ist: Je weiter entfernt das Meer, desto größer die Leidenschaft danach. Inspiriert durch die Bücher von Bobby Schenk und Wilfried Erdmann, folgte in den 90ern der erste Dickschifftörn im Ionischen Meer auf einer Carter 30, damals noch ohne Segelschein. Danach war’s um ihn geschehen. Als YACHT-Kaleu und Jury-Vorsitzender des European Yacht of the Year Award hat Rieker in den vergangenen mehr als 25 Jahren gut 500 Boote getestet. Sein eigenes, ein 36-Fuß-Racer/Cruiser, lag zuletzt in der Adria. Diesen Sommer verholt er es an die Schlei, wo er inzwischen lebt.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta