Tatjana Pokorny
· 26.04.2022
Die 16. Hamburger Sportgala stand am Montagabend in der Handelskammer im Zeichen des Wassersports. Erstmals wurden in gleich zwei Hauptkategorien Segler ausgezeichnet. Weltumsegler Boris Herrmann gewann die Wahl zu Hamburgs Sportler des Jahres, folgte damit dem im vergangenen Jahr geehrten Laser-Weltmeister Philipp Buhl. Die Olympia-Segler Erik Heil und Thomas Plößel vom Norddeutschen Regatta Verein sind Hamburgs Sportmannschaft des Jahres und setzten ein weiteres Ausrufezeichen hinter Hamburg als Segelhochburg. Sportlerin des Jahres wurde Para-Kanutin Edina Müller, die in Tokio mit neuem Rekord über die 200-Meter-Distanz Gold gewann. Für sie war es die zweite Goldmedaille nach dem Sieg im Rollstuhlbasketballteam 2012 in London. Zu den Nominierten bei den Sportlerinnen hatte auch die olympische 49er-FX-Silbermedaillen-Gewinnerin Susann Beucke gezählt.
Boris Herrmann, der mit seiner Vendée-Globe-Teilnahme 2020/2021 ein Millionen-Publikum in den Bann gezogen hatte, konnte nicht persönlich bei der Sportgala sein. Der 40-jährige Hochseeprofi trainiert in Frankreich einige Tage mit einer Gruppe befreundeter Segler und kümmert sich um sein neues Boot für The Ocean Race 2023 und die zweite Vendée-Globe-Teilnahme 2024/2025. Die Imoca-Yacht soll am 19. Juli erstmals zu Wasser gelassen werden. Den ersten transatlantischen Härtetest will Herrmann mit seinem Neubau ab 6. November bei der Route du Rhum bestreiten. Über die Ehrung in Hamburg freute sich der live zur Gala zugeschaltete viermalige Weltumsegler aber auch aus der Ferne sichtlich: "Das ist großartig! Ich bin seit 2013 in Hamburg zu Hause und fühle mich als Hamburger. Deshalb bedeutet mir dieser Preis viel. 2021 war ein tolles Segelsportjahr, in dem ich sehr gerne auch mit den Olympiaseglern mitgefiebert habe." Die Laudatio für Herrmann hielt Prof. Dr. Mojib Latif. Der Präsident der Akademie für Wissenschaft in Hamburg würdigte nicht nur Herrmanns sportliche Leistungen, sondern lobte auch dessen engagiertes und versiertes Handeln für den Klimaschutz. Eine Überraschung kam für Herrmann in Form einer sehr persönlichen Video-Grußbotschaft von Team Malizias Mitgründer und Freund Pierre Casiraghi. Der Monegasse hat sie in Deutsch gesprochen und Herrmann damit gerührt.
Kurz danach rückte der Segelsport bei der Hamburger Sportgala erneut ins Rampenlicht. Die Olympia-Dritten Erik Heil und Thomas Plößel räumten den Preis für Hamburgs beste Sportmannschaft ab: Sie wurden für ihre zweite olympische Bronzemedaille in Folge geehrt und setzten sich damit gegen die anderen nominierten Teams aus Handball und Fußball durch. Das Kunststück zweier aufeinanderfolgender Olympia-Medaillen war bis zur Glanzleistung von "HP Sailing" historisch nur zwei deutschen Segel-Crews gelungen. Erik Heil und Thomas Plößel waren Teil der Segelnationalmannschaft, die am 3. August 2021 vor Enoshima binnen dreieinhalb Stunden drei Olympia-Medaillen für Team D gewann. Einen dritten Olympiastart haben der 32-jährige Steuermann Heil und sein 33-jähriger Vorschoter Plößel mit Blick auf Olympia 2024 nicht ausgeschlossen. "Die nahen Spiele in Europa reizen sehr", sagte Erik Heil. Die Chance auf die dritte Olympia-Medaille in Folge auch. Eine solche Leistung ist in der Olympia-Geschichte noch keinem deutschen Segler gelungen.

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