Segel-WM in Den HaagEin letzter “Tango” und Medaillen im Visier

Tatjana Pokorny

 · 15.08.2023

Simon Diesch und Anna Markfort kämpfen bei der Segel-WM in Den Haag um eine Medaille im 470er-Mixed
Foto: Sailing Energy/World Sailing
Das German Sailing Team agiert stark im WM-Revier von Den Haag. Simon Diesch und Anna Markfort rückten im 470er-Mixed an einem weiteren fordernden Tag auf Platz zwei vor. Philipp Buhl katapultierte sich mit einem Tagessieg und Rang sechs auf Platz drei. Weitere DSV-Akteure glänzten in schwierigen Strömungsverhältnissen

Die Segelnationalmannschaft hat bei den Allianz Sailing World Championships in Den Haag weitere Medaillen im Visier. Einen Tag nach dem vorzeitigen WM-Gold für Heiko Kröger (Ammersbek) im 2.4mR liegen deutsche Boote und Boards in drei olympischen Disziplinen in den Top Drei, weitere auf aussichtsreichen Plätzen nahe der Spitze. Die Gesamtleistung kann sich zur WM-Halbzeit mehr als sehen lassen.

Wir sind heute mit einem blauen Auge davongekommen” (Anna Markfort)

Im 470er-Mixed rückten die Vize-Europameister und Kieler-Woche-Sieger Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Joersfelder Segel-Club) auf Platz zwei vor. In leichten Winden und fordernden Strömungsverhältnissen kehrte das Duo mit einem Tagessieg und den Rängen 4 und 18 in den WM-Hafen zurück. “Wir sind mit einem blauen Auge heute gut davongekommen”, sagte Anna Markfort am Abend in Scheveningen.

Die deutschen 470er-Mixed-Crews arbeiten sich voran

Gefragt nach den Schlüsseln zur guten Leistung ihres Duos, sagte die erfahrene Vorschoterin: “Wir können größtenteils gut analysieren, was auf dem Kurs passiert. Und wir haben bei den Übergangsbedingungen, in denen schon Pumpbedingungen herrschen, aber Pumpen noch nicht erlaubt ist, ein ganz gutes Bootsgefühl. Ich denke, dass Überblick und Bootsspeed bislang unsere größten Stärken hier sind.”

Als Achte und Neunte verbesserten sich auch die Teamkameraden aus der Weltklasse-Trainingsgruppe der deutschen 470er-Crews: Die Titelverteidiger Luise Wanser und Philipp Autenrieth (Norddeutscher Regatta Verein/Bayerischer Yacht-Club) und die Zweiten der olympischen Testregatta von Marseille, Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/Norddeutscher Regatta Verein), setzten ihre Aufholjagd in Richtung Spitze des Feldes am Dienstag fort.

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Es war mühsam und anstrengend mit der starken Strömung. Ich bin extrem glücklich mit diesem Tag, weil es leicht auch hätte anders ausgehen können” (Philipp Buhl)

Im Ilca 7 rückte Philipp Buhl (Norddeutscher Regatta Verein) mit Rang 6 und einem Tagessieg auf Platz drei vor. Der Weltmeister von 2020 und zweimalige Olympiateilnehmer sagte: “Ich bin angesichts meiner nicht so gelungenen Starts heute extrem glücklich mit diesem Tag. Es war mühsam und anstrengend mit der starken Strömung und hätte leicht auch anders ausgehen können. Den Umgang mit dem Strom muss auch die Flotte erst einmal lernen: dass man sich bei Starts weiter hinten anstellt … Ich habe heute einige Dreher zur richtigen Zeit bekommen. Etwa im zweiten Rennen kam ein kleiner Linker, den ich erhofft hatte.”

Am Ende des Tages hatten 138 Ilca-7-Steuermänner und ihre Wettfahrtleitung beim Versuch, noch ein drittes Rennen einzufahren, mit zwei Knoten Strom zu kämpfen. “Beim letzten Start stand ich bei etwa 80 Prozent Race-Modus sieben Minuten vor dem Start auf der Stelle. Das ist dann schon fast witzig”, wusste Buhl das Ringen aller mit dem Strom in leichten Winden gut zu beschreiben.

Kiter in bester Fluglaune: Meyer und Maus in Top-Form

Buhls Team- und Vereinskamerad Sebastian Kördel fiel am Dienstag mit zwei starken und zwei schwachen Rennen bei den neu olympischen iQFoil-Windsurfern auf Platz vier zurück. Der Titelverteidiger sagte: “Die Fehler waren heute auf meiner Seite und lagen bei den Starts. Mit dem Gesamtstand aber ist alles in Ordnung. Ich hoffe, dass wir morgen spät starten können. Der WInd soll dann wieder zunehmen, sodass wir ein paar Rennen reinbekommen.”

Bei den Kitern rückte Jannis Maus (Cuxkiters) auf Platz sieben vor. Florian Gruber (Norddeutscher Regatta Verein) lag nach acht Rennen auf Platz 18. Erfolgreichste Athletin der deutschen Kiter im German Sailing Team ist nach zwei Tagessiegen und beeindruckender Serie Leonie Meyer vom Norddeutschen Regatta Verein. Die deutsche “One-Woman-Show” im neu olympischen Formula Kite strahlt auf der Nordsee als Vierte nach zwei Renntagen ganz hell.

Bergmann/Wille kämpfen um den Einzug ins Medaillenfinale

Die deutschen Skiffsegler indessen können die Lücke nach dem Karriereende der Japan-Medaillengewinner Erik Heil/Thomas Plößel und Tina Lutz/Susann Beucke noch nicht ganz schließen. Marla Bergmann und Hanna Wille vom Mühlenberger Segel-Club sind am dichtesten dran, kämpfen im 49er FX als 13. nach zwölf von 15 Rennen bis zum Finale noch um den Einzug in die Top Ten. Bei den 49er-Männern lagen Maximilian Stingele und Linov Scheel vor den letzten drei Hauptrunden-Wettfahrten als beste deutsche Crew auf Platz 19.

Die Berlinerin Julia Büsselberg (Verein Seglerhaus am Wannsee) bleibt vorerst starke Vierte. Die Rennen der Ilca-6-Flotte mussten vertagt werden. Gleiches galt am Dienstag für die Olympia-Dritten Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer, die nach planmäßigem Ruhetag am Mittwoch im Endspurt wieder gefordert sind. Die Medaillenentscheidungen in den olympischen Flotten fallen bei der Segel-WM in Den Haag vom 17. bis zum 20. August.

“Letzter Tango”: Santi Lange beendet in Den Haag seine olympische Karriere

Auf der niederländischen WM-Bühne verabschiedet sich indessen in dieser Woche einer der Großen des olympischen Segelsports: Der 61-jährige Santi Lange – 2016 in Rio de Janeiro nach schwerer Krebsoperation umjubelter Goldmedaillengewinner mit Cecilia Carranza Saroli – hatte schon vor dem ersten Startschuss für die Nacra-17-Flotte nur noch minimale Chancen, sich in der nationalen argentinischen Ausscheidung für Olympia 2024 gegen die jüngeren Rivalen Mateo Majdalani/Eugenia Bosco durchzusetzen.

Vor den letzten Nacra-17-Rennen liegen nun Majdalani/Bosco auf Platz sechs, Santi Lange und seine Vorschoterin Victoria Travascio auf Platz 17. Lange weiß, dass seine Hoffnungen auf einen weiteren olympischen Einsatz geplatzt sind, und verabschiedete sich mit emotionalen Worten: “Es ist ein Privileg, mit 61 Jahren immer noch in dieser Klasse zu sein und auf diesem Niveau zu kämpfen. Es wäre also dumm von mir, wenn ich uns im Stich lassen und mich nicht anstrengen würde, weil wir es nicht nach Paris schaffen.” Weiter sagte Lange: “Ich bin stolz auf Mateo und Eugenia. Mateo war mein Trainer in Rio. Es bedeutet mir sehr viel, dass er jetzt in einer guten Position ist, um für Argentinien um eine Medaille zu kämpfen.”

Emotionales Farewell! Hier geht es zum Video, das die Nacra-17-Klasse Santiago Lange widmete:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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