Was für ein Seh- und See-Genuss diese Sechser-EM doch war! Knapp 50 6mR-Boote und ihre Crews trafen sich zur Ermittlung der Europameister 2026. 31 traten in der Klassiker-Wertung an, 18 bei den Open. Die engagierten Gastgeber der Société Nautique de Genève, unter deren Banner Ernesto Bertarelli und Team Alinghi zweimal den America’s Cup gewannen, servierten zum Europa-Gipfel ein traumhaft schönes Revier vor Bilderbuchkulisse.
Nur der Wind, der ließ ein wenig zu wünschen übrig. “Es war eine extreme Leichtwindserie”, berichtete der zweimalige 6mR-Weltmeister Markus Wieser. Darauf reagierte die Wettfahrtleitung maximal flexibel, schickte die Sechser oft früh morgens auf den See. “Da konnten wir dann in zehn Knoten Wind beginnen. Doch meistens ging es mit nur zwei, drei Knoten zu Ende”, erzählte Wieser. Diese Sechser-EM war eine für Leichtwindkönner, Geduldige und Schönwetter-Lover.
Mit einer Klassengeschichte, die bis ins Jahr 1907 zurückreicht, waren die Sechser einst von 1908 bis 1952 eine olympische Segeldisziplin. Auch wurden sie in der Zwölfer-Zeit des America’s Cup regelmäßig als Test- und Entwicklungsboote genutzt. Erst seit der ersten WM 1973 im amerkanischen Seattle trägt die Klasse Weltmeisterschaften aus. Mitte der 1970er-Jahre dann kamen die modernen Sechser dazu.
Dank smarter Führung sowohl der Regel als auch der internationalen Klassenvereinigung (ISMA) haben sich die Sechser ihren Platz als spannende Regattaflotte mit Weltradius bewahrt. Sie vereint heute die Eleganz der Klassiker und die hochmoderne Entwicklung der Boote in der Open-Division in einem Regattakalender, der die Teilnehmer zu einigen der spektakulärsten Segelreviere rund um den Globus führt.
Jüngster Beweis dafür war die Sechser-EM auf dem Genfersee, wo am 19. und 20. September auch die SailGP-Flotte wieder publikumsträchtig zu Gast sein wird. Unvergessen bleibt der erste deutsche SailGP-Event-Sieg, der Erik Kosegarten-Heil und seinem Team hier im vergangenen Jahr gelungen war. Da war Team Germany auch bei nur einem Hauch von Wind eine Wucht.
In dieser Woche jedoch war zunächst die 6mR-Flotte gefordert. Dieter Schön (Yacht Club Costa Smeralda), Taktiker Markus Wieser und die “Momo”-Crew, die 2022 und – mit dem neuen Boot – auch 2025 zu WM-Gold gesegelt waren, hatten auch bei der Europameisterschaft den höchsten Podestplatz im Visier. Doch den eroberten dieses Mal Schweizer bei ihrem Heimspiel: Eric und Ute Monnin, Franck Narbonne, Geoffrey Jan und Cédric Galetto beherrschten in der offenen Division ihr Heimat- und Trainingsrevier klar.
“Sie kennen da jede Ecke, wissen, wo der Wind ist und sind in dieser EM-Woche hier einfach gut gesegelt”, zollte der geschlagene Markus Wieser den Rivalen Respekt. Mit drei Rennsiegen, vier Top-Fünf-Ergebnissen und einem sechsten Rang als Streicher waren Matchrace-Könner und Steuermann Eric Monnin von der gastgebenden Société Nautique de Genève und sein Team das Maß der Dinge bei dieser Europameisterschaft.
Mit nur zwei Zählern mehr auf dem Sechser-EM-Konto holten Jamie Hilton vom New York Yacht Club und seine Crew in der offenen Wertung Silber. Bronze sicherte sich Dieter Schöns “Momo”-Crew mit Markus Wieser, Eberhard Magg, Matti Paschen-Schauenburg und dem Australier Torvar Mirsky. “Unsere Starts waren alle sehr gut, aber wir haben auch einige Fehler gemacht. Die anderen waren hier bei dem wenigen Wind einfach besser. Auch die Amerikaner hatten ein gutes Leichtwindboot. Wir hatten nicht ganz den Bootsspeed wie sie”, zog Markus Wieser Bilanz.
Wir haben letztes Jahr die WM gewonnen. Da willst du natürlich immer mehr.” Markus Wieser
Die Felder beider Divisionen waren gut besetzt, sagte Markus Wieser. Dass in der Klassiker-Division die spanische “Bribon” vom Real Club Nautico Sanxenxo den Titel abräumte, war auch mit Blick auf das im vergengenen Jahr gewonnene WM-Gold keine große Überraschung. Mit Ross MacDonald steuerte nicht zum ersten Mal ein gut bekannter Kanadier aus Vancouver für die Crew mit Juan Carlos de Borbón.
Ross MacDonald galt als einer der besten Starboot-Steuermänner seiner Generation, hatte 2004 mit Mike Wolf olympisches Silber in Athen gewonnen und sechs Jahre später noch Bronze mit Eric Jespersen hinzugefügt. 1997/1998 segelte er das Whitbread Round the World Race auf “Toshiba”. Silber holten in der Klassiker-Wertung Violeta Alvarez (Royal Yacht Squadron) und ihre Crew auf “Erica” vor der “Mecara” von der Seglervereinigung Bottighofen mit dem Schweizer Steuermann Reinhard Suhner und seinem fünfköpfigen Team. Hier geht es zu den Ergebnissen.

Freie Reporterin Sport
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