Nach Traumbedingungen im Vorjahr traf es den Bodensee-Klassiker Rund Um am vergangenen Wochenende besonders hart: Zahlreiche Aufgaben nur eine Stunde nach dem Start, nur einer der acht gemeldeten Katamarane erreichte das Ziel. Dr. Gloria Mang trotzte mit ihrer Crew den harschen Bedingungen bei Regen und bis zu 28 Knoten Wind in Böen. Das Team erreichte die bayrische Altstadtinsel bereits wieder nach drei Stunden und 54 Minuten und sicherte sich so den Sieg in der Wertungsgruppe 0.
“Die Bedingungen waren brutal. Es war kalt, und die Welle war nach dem Start gewaltig”, sagte ihr Mitsegler Fritz Trippolt im Ziel. Der Bregenzer ist niemand Geringeres als der Rekordhalter der Rund Um (03:44:40, 2023) und Voreigner der heutigen “All you need” (ehem. “Skinfit”). Benannt nach ihrem eigenen Kosmetik-Label, ist Gloria Mang “seit Oktober 2023 mit viel Energie, Zeit, Durchsetzungskraft und Disziplin dabei, dieses sportliche Segelprojekt auf die Beine zu stellen”, wie sie selbst auf ihrem LinkedIn-Profil schreibt. Für die Traditionsregatta am heimischen Bodensee nahm sie eine ambitionierte Crew mit Trippolt und seinen beiden Söhnen an Bord.
Während Mang in den Medien jetzt als erste Siegerin gefeiert wird, dementierte Letzterer ihre Rolle als Steuerfrau gegenüber der YACHT deutlich. An dieser Position wird sie zwar in den Ergebnislisten geführt, die Eignerin habe jedoch zu keinem Zeitpunkt an der Pinne gesessen. “Das wäre bei diesen Bedingungen keinesfalls möglich gewesen”, erklärte der 67-Jährige und stößt damit eine alte Debatte neu an.
Denn auch die Geschäftsführerin der Bodenseeklinik schreibt in ihrem LinkedIn-Post: “Ich freue mich riesig, dass ich die 1. Frau bin, die die Rund Um Regatta gewinnt!” Darüber, ob es entscheidend ist, ob nun sie oder ihr Schiff mit Steuermann Fritz Trippolt die Regatta gewonnen hat, lässt sich streiten. Zwar holen sich auch andere segelnde Eigner oftmals eine erfahrene Crew an Bord, um ihre Rennmaschinen zu bewegen. Je nach Einzelfall und Regatta werden sie allerdings nur als Eigner oder Skipper geführt oder das Kriterium des Eigner-gesteuerten Bootes wird strikter durchgesetzt. Unter anderem in der 52 Super Series dürfen die Profis wie beispielsweise Tom Slingsby nicht ins Rad greifen.
Da Mang keinesfalls die erste Frau an Bord eines Rund-Um-Siegerbootes ist, sind die aktuell kursierenden Schlagzeilen durchaus kontrovers und erwecken den Eindruck von einem fehlenden Verständnis sportlicher Fairness. Die seglerische Leistung der Crew schmälert das allerdings keineswegs.
Der anspruchsvoll zu segelnde D35-Katamaran war schnell enteilt und allein auf dem rund 100 Kilometer langen Kurs. Das Hauptfeld mit insgesamt knapp 250 gemeldeten Schiffen in drei Wertungsgruppen konnte dem aus dem America’s Cup entstandenen Carbon-Geschoss erwartungsgemäß nicht folgen. Neben den laut Trippolt extrem böigen und drehenden Winden aus für den Bodensee ungewöhnlich südlicher Richtung und der daraus resultierenden Welle habe auch eine große Menge an Treibholz zu den größten Herausforderungen gezählt. Als der Sieg klar war, habe man daher Risikomanagement betrieben und beispielsweise den großen Gennaker nicht gesetzt, auch, wenn man den Rekord trotz einem Durchschnittsspeed von über 15 Knoten so um zehn Minuten verpasste.
In den übrigen Wertungen gab es bei der Rund Um 2024 ebenfalls zahlreiche Aufgaben, sodass insgesamt nur knapp 100 Yachten die Ziellinie durchquerten. Sieger der Wertungsgruppe 1 und Zweiter über alles wurde Wolfgang Palm vom Yachtclub Langenargen, der mit seiner Wilke 49 “Wild Lady” fünf Stunden und 17 Minuten brauchte. Damit gewinnt Palm auch das Blaue Band der Startgruppe 1. In Startgruppe 2 konnte sich die JPK 10.30 “Grace” von Vereinskamerad Karel Cernovsky durchsetzen. Armin Nops segelte mit seiner Grenada 910 “N°3” in der dritten Gruppe zum Sieg.
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