Der Zwischenfall ereignete sich am Montag, 19. Januar 2026, als die Nissen 56 “Walross 4” im Atlantik auf dem Kurs von Lanzarote nach Antigua unterwegs war. Nach Angaben der Regattaorganisation wurde ein Crewmitglied bei einem Unfall an Bord bewusstlos.
Unmittelbar nach der Meldung wurden die zuständigen Rettungsstellen eingebunden. Die Einsatzkoordination übernahm das Maritime Rescue Coordination Centre in Delgada auf den Azoren. Ein in der Nähe befindliches Handelsschiff wurde umgeleitet und konnte die verletzte Person unter Hochseebedingungen von der Yacht übernehmen.
Das Handelsschiff steuerte anschließend in Richtung Kapverden. Sobald Wetter und Reichweite es zulassen, ist ein Hubschraubertransfer geplant, um die verletzte Person zur weiteren Behandlung auf die Azoren zu bringen. Angehörige wurden informiert, die Regattaorganisation steht nach eigenen Angaben weiter in direktem Kontakt mit “Walross 4” und dem Berliner Akademischen Segler Verein als Eigner.
“Walross 4” ist eines von 21 Booten in der 12. Auflage der RORC Transatlantic Race, einer rund 3.000 Seemeilen langen Passage von den Kanaren in die Karibik. Der Start zur 12. Auflage erfolgte am Sonntag, 11. Januar 2026, von Marina Lanzarote Richtung Antigua. Von Beginn an prägten stabile Passatbedingungen das Rennen und sorgten für ein hohes Tempo sowie eine früh auseinandergezogene Flotte.
Vorn entwickelte sich bei den Multihulls ein Zweikampf der MOD70-Trimarane: “Argo” setzte sich in einem engen Duell gegen “Zoulou” durch, beide Boote segelten über lange Strecken mit sehr hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten.
Multihull Line Honours: “Argo” (USA) gewann die Multihull-Wertung und stellte einen neuen Rekord für die Lanzarote–Antigua-Strecke auf. Zieleinlauf war am 16. Januar um 12:31:15 UTC (13:31 CET), die Zeit laut RORC: 4 Tage, 23 Stunden, 51 Minuten, 15 Sekunden. “Zoulou” folgte nur 2 Stunden und 32 Minuten später.
“Walross 4” ist die Vereinsyacht des Akademischen Segler-Vereins (ASV) aus Berlin. Der 56-Fußer wurde 2006 bis 2007 in Berlin und Glückstadt gebaut, konstruiert vom Kieler Yacht-Designer Georg Nissen und als Performance Cruiser ausgelegt, also als seefeste Fahrtenyacht für weltweite Reisen auch unter harten Bedingungen, mit festen Kojen und „echter“ Bord-Infrastruktur statt Leichtbau auf Maximum-Speed.
Im RORC Transatlantic Race 2026 segelt “Walross 4” unter Skipper Matthias Kahnt mit einer jungen Crew: Neun von zehn Crewmitgliedern sind Studierende aus Berliner Hochschulen, für viele ist es die erste Ozeanquerung. Der sportliche Anspruch ist eng mit Ausbildung und Erfahrungssammeln verknüpft.
Typ/Baujahr: 9m-Kreuzer-Yacht (Spitzgatter), Baujahr 1919
Konstruktion: Marinebaurat A. H. Meisner (Flensburg)
ASV-Einsatz: erstes Seeschiff nach dem Zweiten Weltkrieg, 1954–55: 8 Seereisen, 2.916 sm
Ende: Strandung Hohwachter Bucht (Herbst 1955), danach verkauft
Typ/Baujahr: Stahlschiff, Baujahr 1951
Konstruktion: Erich Köppen
ASV-Einsatz: Seeschiff 1957–1973, 81 Reisen, 70.091 sm (Ostsee, Nordsee, Atlantik)
Highlight: Spitzbergenreise 1972 (jenseits 80°N), ausgezeichnet mit dem Schlimbach-Preis (Crew um Schiffer Ekhart Hahn)
Typ/Baujahr: Swan 55, ex „Jan Pott“, Baujahr 1971 (seit 1974 im ASV)
Konstruktion: Sparkman & Stephens
Highlight: Whitbread Round the World Race 1981/82 (heute Ocean Race) als einziges deutsches Schiff; 4 Etappen, 28.329 sm
ASV-Nutzung: 227 Reisen unter ASV-Stander, 255.828 sm
Typ/Baujahr: Nissen 56 „performance cruiser“, Baujahr 2007 (Bau 2006–07 Berlin/Glückstadt)
Konstruktion: Georg Nissen (Laboe)
Einsatzprofil: hochseetaugliche Fahrtenyacht für weltweite Fahrt, 10 feste Kojen; wechselnde Crews mit erfahrener Schiffsführung
Highlights: u. a. Weltfahrt Richtung China 2007–2010, Sydney–Hobart, Kap Hoorn; seit 2007 >130.000 sm in rund 150 Reiseetappen