RORC Transatlantic Race 2026Start vor Lanzarote unter Idealbedingungen

Sören Gehlhaus

 · 12.01.2026

Bei den Monos kreuzte die französische „Palanad 4“ als erste Yacht die Startlinie vor Lanzarote. Der 50-Fußer mit dem Scow-Bug führte nach 24 Stunden die IRC-Gesamtwertung an.
Foto: Sailing Energy
Die 12. Ausgabe des RORC Transatlantic Race von Lanzarote nach Antigua läutete steter Nordostwind ein. Für die MOD70-Trimarane und schnellsten Monohulls standen früh strategisch wichtige Entscheidungen an.

​​Zum Start des RORC Transatlantic Race herrschte buntes Treiben vor der Marina Lanzarote in Arrecife. Bei raumen Nordostwinden von zunächst zwölf und später 15 Knoten sprintete das Gros der 21 Yachten mit fliegenden Segeln davon. Der kollektive Aufbruch der Einrumpfer verdeutlichte einmal mehr die Diversität der diesjährigen Flotte – und im Segelsport allgemein.

Bunte Monohull-Flotte

Die ​50-Fuß-Scow „Palanad 4“ wirkte mit ihrem platten Bug und der runden Outline wie ein spielfreudiger Beluga, einem gigantischen Wasserläufer gleich raste die 34 Meter lange „Raven“ los. Danach schob sich die Swan 128 „Be Cool“ mit der Eleganz eines Schwans vorbei, gefolgt von der Truly Classic 128 ​„Linnea Aurora“ mit traditionellen Linien und Teak-Aufbauten.

Olivier Magres Mach 50 „Palanad 4“ überquerte als erstes Boot die Startlinie. Die Swan 128 „Be Cool“ unter Skipper Luca Serra startete gut und sicherte sich die Pin-Position. James Nevilles Carkeek 45 „Ino Noir“ fand eine gute Position vier Boote von der Starttonne entfernt. Die Baltic 111 „Raven“ unter Skipper Damien Durchon setzte sich schnell durch, kreuzte die Flotte auf Backbordbug und steuerte seewärts mit 14 Knoten und mehr.

Trimarane preschen voran

In der zweiten Gruppe starteten die MOD70-Tris „Argo“ und „Zoulou“ und zwei 50-Fuß-Katamarane. Alister Richardson führte Jason Carrolls „Argo“ über die Linie: „Der Plan war, nicht in die Zange genommen oder von Zoulou überrumpelt zu werden. Wir entschieden, uns der Linie auf Steuerbord zu nähern, damit Zoulou nicht die Möglichkeit hatte, uns zu erwischen. Wir haben bei Zeit und Distanz zur Starttonne einen sehr guten Job gemacht, sodass wir dort halsen und aufs offene Meer hinausfahren konnten.“

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​Bevor es Kurs Karibik ging, galt es die Wegmarke vor Puerto Calero Marina zu runden. „Argo“ erreichte die sogar vor „Raven", die zehn Minuten früher gestartet war und sich achtern mit zusätzlichen Schanzkleidern zeigte. ​Brian Thompson berichtete eine Stunde nach dem Rennen vom Kartentisch der „Argo“: „Wir sind unten bei Fuerteventura und erreichen schnell die afrikanische Küste." Drei Stunden nach dem Start rasten die MOD70s „Zoulou“ und „Argo“ mit 25 Knoten fast Seite an Seite in Richtung afrikanische Küste. „Raven“ führte die Einrumpfflotte an und legte eine große Halse nach Westen in Richtung Rumbline ein. Der Rest der internationalen Flotte hinter den Führenden lag eng beieinander auf einem schnellen tiefen Reach entlang der Ostküste von Fuerteventura.

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„Ino Noir“ nach IRC vorn

Kurz nach dem Start führte in der IRC-Wertung „Ino Noir“. Taktiker Jack Trigger kommentierte: „Wir hatten nicht vor, am Start große Risiken einzugehen, wenn ein ganzer Transatlantik vor uns liegt, aber es lief gut und wir konnten vermeiden, uns mit den großen Booten zu verheddern. Wir segelten einen schönen VMG-Lauf zur Calero-Marke und spielten mit den Winddrehern in Richtung Strand, was uns einen guten kleinen Vorteil verschaffte. Dann wechselten wir um die Marke herum auf unseren A3, um so schnell wie möglich nach Süden in Bereiche mit mehr Druck zu kommen.“

Finnische Zweihand-Crew

Am RORC Transatlantic Race 2026 nehmen nicht nur mit Profis gespickte Hightech-Maschinen teil. Die Crew des kleinsten Bootes kommt aus Finnland. „Stimmy“, eine Sun Fast 3300, wird von Vendée-Globe-Finisher Ari Huusela und Eignerin Annika Paasikivi zweihand gesegelt. Für Huusela, der fast 100.000 Seemeilen auf dem Konto hat gehe es bei dieser Kampagne darum, die Freude wiederzuentdecken. Für Paasikivi sei es ein Sprung ins Unbekannte – ihre erste echte Ozeanüberquerung. „Für mich ist dies ein entspanntes, glückliches Projekt“, sagt Huusela. „Unser Ziel ist einfach: das Segeln genießen und sicher ankommen.“

​​Taktik der „Walross 4“-Crew

Am anderen Ende des Erfahrungsspektrums steht „Walross 4“ vom ASV. Viele der zehn Besatzungsmitglieder überqueren zum ersten Mal einen Ozean. Die Regattateilnahme der Ausbildungsyacht des Akademischen Segler-Vereins zu Berlin ist Teil des Segelprojektes ​„Atlantic Connections“, das der ASV zwischen August 2025 und September 2026 durchführt. Skipper Matthias Kahnt geht es locker an: „Wir haben nicht die finanziellen Mittel, Ausrüstung für die Regatta zu verschiffen, um das Boot leichter zu machen. Deshalb nehmen wir alles mit. Wir haben uns auch entschieden, an Bord normales Essen zu kochen und nicht wie viele andere Teilnehmer auf Trockenverpflegung zurückzugreifen. Wir wollen dies über soziale Medien als psychologische Waffe gegen die anderen Teams einsetzen.“

Für die „Walross 4“-Crew könnten die ersten drei Tage entscheidend sein: „Wir werden uns darauf konzentrieren, während der schwierigen Bedingungen rund um die Kanarischen Inseln sehr gut abzuschneiden. Danach werden wir einfach versuchen, unseren Groove im Wachalltag zwischen Rudergehen – wir haben keinen Autopiloten –, Segel trimmen, Kochen, Schlafen und natürlich der Aktivität in den sozialen Medien zu finden“, so Matthias Kahnt.

​Die Flotte immer im Blick

RORC-Wettfahrtleiter Chris Jackson bestätigte, dass beide Starts ohne Probleme verliefen: „Von dem Moment an, in dem die Flotte Lanzarote verlässt, wird das Rennen rund um die Uhr überwacht. Wir achten auf alles Ungewöhnliche. Wenn ein Tracker etwas Unerwartetes anzeigt, sind wir sofort alarmiert und bereit zu reagieren.“ Für den RORC habe die Sicherheit absolute Priorität, unabhängig davon, ob es sich um ein 60-Meilen-Rennen oder einen 3.000-Meilen-Ritt handelt.

Alle Boote im RORC Transatlantic Race wurden vollständig inspiziert und entsprechen den Anforderungen der World Sailing Category 1 für Hochseeregatten. In vielen Fällen führen die Crews Sicherheitsausrüstung mit, die weit über das Minimum hinausgeht. Alle relevanten Küstenwachen entlang der Route wurden im Voraus informiert und verfügen über vollständige Details zu jedem Boot, jedem Crewmitglied und den Kontaktverfahren, sodass jedes Problem so schnell und sicher wie möglich behandelt werden kann.

​Zum Tracking geht es hier (bitte anklicken).


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