Rekordbedingungen herrschten beim RORC Caribbean 600 in diesem Jahr nicht. Doch wie schon das Duell bei den Mehrrumpfbooten, so bot auch das Ringen der 100-Fuß-Maxis packenden Sport. Die Monohull-Line-Honours holte sich Ramon Vos’ Crew auf “Black Jack 100”. Dramatisch dagegen endete das Rennen für die Crew auf Marc Lepesqueux’ TS42 “Cata Sensation”.
Der Katamaran mit der Segelnummer FRA 53228 war am 26. Februar nordwestlich von Antigua gekentert. Am schnellsten reagierte darauf das Class40-Team auf “Solano”. Die Mannschaft um Skipper und Eigner Robin Follin konnte alle sechs Crew-Mitglieder der “Cata Sensation” erfolgreich bergen und sie nach Antigua bringen. Die Veranstalter vom Royal Ocean Racing Club (RORC) konnten mit Blick auf die Segler entsprechend schnell Entwarnung geben.
In einem RORC-Statement hieß es: “Wir danken den Crews der Class 40 ‘Solano’ sowie der MG5 ‘Wellness Training’ und der VO70 ‘Cockatoo’, die ebenfalls auf den Vorfall reagiert haben. Wir danken auch allen Seenotrettungsdiensten für ihre Hilfe in dieser Situation. Alle Crewmitglieder sind wohlauf und in Sicherheit und werden vom RORC-Rennteam und Helfern in Antigua versorgt.”
Die Kenterung hatte sich gut 15 Seemeilen westlich von St. John’s Harbour ereignet. Die Crew war nach übereinstimmenden Berichten mit deutlich mehr als 30 Knoten sehr schnell unterwegs und wurde nach ersten Einschätzungen von einer Böe erwischt. Die Küstenwache wurde etwa eine halbe Stunde nach dem Vorfall benachrichtigt, hatte ihr Schnellreaktionsteam entsandt und eine dringende Seewarnmeldung an alle Schiffe im Umfeld herausgegeben.
Drei Crews hatten ihren Kurs geändert, um Hilfe zu leisten. 25 Minuten später kam die gute Kunde, dass alles sechs Crew-Mitglieder der “Cata Sensation” mit leichten Verletzungen wie Schürfwunden gerettet werden konnten. Ein Boot der Küstenwache eskortierte “Solano” noch bis in den Hafen von Falmouth. Die Küstenwache der Antigua und Barbuda Defence Force verfolgt indessen weiter die Position des gekenterten Katamarans und gab eine Warnung an alle Besatzungen im RORC 600 und weiterer Boote im Revier heraus, in der Umgebung maximale Vorsicht walten zu lassen.
Indessen hat sich der Start- und Zielhafen für das RORC Caribbean 600 weiter gefüllt. Gefeiert wurde Ramon Vos’ Crew auf “Black Jack 100”. Das Team um Skipper Tristan Le Brun hat sich nach spannendem Duell mit “Leopard 3” die Line Honors bei den Einrumpfyachten geholt. Am Ende machten 29 Minuten den Unterschied. Ihre 639 gesegelten Meilen im RORC 600 hat “Black Jack 100” in 1 Tag, 20 Stunden, 31 Minuten und 36 Sekunden gemeistert.
Im Ziel sagte der Eigner: “Wir sind für den Sieg gekommen. Die Crew ist sehr konkurrenzfähig. Mit vielen jungen, sehr motivierten Leuten.” Der Sieg aber, so Ramon Vos, mache nur ein Teil der Freude aus. Mit Blick auf die Konkurrenten auf “Leopard 3” sagte er: “Es ist wichtig, einen Kampf zu haben. Das ist es, was es fantastisch macht.”
“Black Jack 100” ist die frühere “Alfa Romeo II”, der ihr aktuelles Team in einem Refit noch mehr Speed für Offshore-Herausforderungen verliehen hat. Dennoch hatte das RORC Caribbean 600 in diesem Jahr am Start zunächst “Leopard 3” angeführt. Tristan Le Brun erklärte: “’Leopard 3’ ist schwerer, hat mehr aufrichtendes Moment.” Weshalb die Rivalin am Wind in 15 bis 20 Knoten schneller sei.
Bei Barbuda dann hatte die “Black Jack 100”-Crew den Spieß im Rennen um elf karibische Inseln umgedreht, führte mit gut zwei Minuten Vorsprung. Bis Nevis Island bauten Tristan Le Brun und seine Crew diesen Vorsprung auf mehr als zwölf Minuten aus. Bis St. Barth schrumpfte er wieder auf eineinhalb Minuten. Das Bug-an-Bug-Rennen der beiden Riesinnen hielt Segler und Beobachter in Atem.
Zuletzt gab wie so oft in der Vergangenheit des RORC Caribbean 600 der Windschatten von Guadeloupe den Ausschlag. Dafür hatte “Black Jack 100”-Navigator Max Deckers einen klaren Plan. “Max wollte dicht an der Küste bleiben: die kürzeste Route, der schnellste Übergang, wo manchmal Wind von Land kommt”, erzählte Tristan Le Brun. Die Strategie zahlte sich zunächst aus. Doch hinter Guadeloupe kam die Amwind-Stärke von “Leopard 3” noch einmal zum Tragen. Ihre Crew konnte wieder in Führung gehen und einen Vorsprung von bis zu sechseinhalb Minuten heraussegeln.
Die Freude darüber aber währte nicht lange, weil beim Reachen nach Barbuda die leichtere “Black Jack 100” das As im Ärmel hatte. Bei Barbuda hatten Tristan Le Brun und seine Crew sich einen Vorsprung von 22 Minuten ersegelt. Auf dem anderen Bug wurden daraus bis zur unbewohnten Karibikinsel Redonda sogar mehr als 35 Minuten. Diese Art des Power-Reachings hat “Black Jack 100” den Sieg im 17. RORC Caribbean 600 beschert, auch wenn “Leopard 3” ihr im Schlussspurt noch ein paar Minuten abknöpfen konnte.
Es war vermutlich das beste Boot-gegen-Boot-Duell, das wir in diesem Rennen je erlebt haben.” Chris Sherlock
Aber auch die auf dem Kurs knapp geschlagene “Leopard 3”-Crew hat dieses Duell der beiden unter Monaco-Flagge segelnden Maxis genossen. Skipper Christopher Sherlock sagte im Ziel: “‘Black Jack’ hat fantastisch gesegelt. Wir ziehen den Hut vor diesen Jungs.” Sherlock hat in diesem Jahr auf Joost Schuijffs “Leopard 3” sein elftes RORC Caribbean 600 bestritten. Lohn der Mühe: Sein Team hat mit der gesegelten Zeit von 1 Tag, 21 Stunden und 40 Sekunden die Führung in der IRC-Gesamtwertung übernommen, während das Rennen noch weiterlief.
Die einzige deutsche Yacht im Rennen hatte am Morgen des 27. Februar noch rund 25 Seemeilen bis in Ziel zu segeln: Henrik Teichmanns einst in Neuseeland für den One Ton Cup 1976 in Marseille gebaute “45 South 2” aus dem Jahr 1975 lag kurz vor Rennende auf Platz sechs in IRC 2. Die Line Honours bei den Mehrrumpfbooten hatte bereits vor zwei Tagen “Argo” gefeiert. Zum Tracking für das laufende RORC Caribbean 600 geht es hier.

Freie Reporterin Sport