Tatjana Pokorny
· 26.12.2023
Die Zuschauerflotte war noch größer als sonst, als das Feld der 103 Boote das 78. Rolex Sydney Hobart Yacht Race am zweiten Weihnachtstag um 3 Uhr morgens deutscher Zeit eröffnete. Dabei begann sich der Himmel über Sydney kurz vor den insgesamt vier Starts bereits zu verdüstern. In anfänglich nordöstlichen Winden um fünf bis zehn Knoten ging es direkt zur Sache zwischen den Hundert-Fuß-Maxis, die in diesem Jahr um die Line Honours kämpfen.
Die Line-Honours-Titelverteidiger auf “Andoo Comanche” protestierten nach einem Backbord-Steuerbord-Vorfall gegen das Team auf “SHK Scallywag”, das sich mit einen 720-Grad-Strafkringel auf Höhe des berühmten Bondi Beach entlastete. Als das Feld auf südlichem Kurs die australische Küste hinunterstrebte, waren bereits die Vorboten der Gewitterstürme zu erleben, die für die ersten beiden Tage des Weihnachtsklassikers vorhergesagt sind.
Erwartet wird, dass die Winde bis Mittwoch auf Südwest drehen, während eine Reihe von Tiefs und eine Kaltfront durchziehen. In der ersten Startreihe sind die Maxis, TP52-Rennyachten und weitere Boote in das 628 Seemeilen lange Legendenrennen gestartet. Gleich vier potente Maxi-Crews wollten um den Sieg nach gesegelter Zeit kämpfen: “HSK Scallywag”, “Wild Thing 100”, “LawConnect” und “Andoo Comanche”.
Letztere hatte sich wenige Stunden nach dem Start zunächst einen Sechs-Seemeilen-Vorsprung vor “Law Connect” erarbeitet. 20 Seemeilen dahinter mühte sich das Team auf “Wild Thing 100” um Anschluss an die Top Zwei. Eine böse Bescherung dagegen gab es für das Team auf “SHK Scallywag”, das am Morgen des zweiten Weihnachtstages deutscher Zeit bereits aufgegeben und den schweren Rückweg nach Sydney angetreten hatte.
Die Enttäuschung der Crew auf “SHK Scallywag” war nach dem Bruch des Bugspriets riesig. In einem ersten Statement von Bord hieß es: “Die Sun Hung Kai Scallywag 100 ist mit einem gebrochenen Bugspriet aus dem Rolex Sydney Hobart 2023 ausgeschieden. Das Team ist natürlich sehr enttäuscht angesichts der großen Fortschritte, die wir gemacht haben, aber dankbar, dass niemand verletzt wurde und wir alle gesetzten Segel sicher bergen konnten. Das Team befindet sich derzeit auf dem Weg zurück nach Sydney.”
Christopher Opieloks Crew auf der eigens für dieses Rennen erworbenen JPK 10.80 “Rockall VIII” hat das Rennen im Mittelfeld eröffnet. Der Hamburger Eigner und Skipper hatte das Rennen 2017 im ersten Anlauf als erste Crew mit Ruderschaden aufgeben müssen. Jetzt will es Christopher Opielok mit einem Crew-Mix aus deutschen, britischen und australischen Seglern noch einmal wissen. Für den zweiten Anlauf hat er sich mit der Ex-”Atomic Blonde” eine potente JPK gewählt.
Mit Christopher Opielok kämpfen auch Boris Herrmanns Freund und Wegbegleiter Felix Oehme und der Segelmacher Klaas Simon auf “Rockall VIII” ums bestmögliche Ankommen im Rolex Sydney Hobart Yacht Race. Zielhafen ist Hobart auf Tasmanien. Felix Oehme war Boris Herrmanns Co-Skipper bei der ersten siegreichen Weltumsegelung im Portimão Global Race 2008/2009.
Insgesamt sechs Tage hatte die “Rockall VIII”-Crew mit dem gebraucht in Australien erworbenen und von Tom Swift vorbereiteten Boot trainieren können. Das Weihnachtsfest feierte Opieloks Crew in Sydney, bevor der Startschuss am “Boxing Day” fiel. Christopher Opielok will in diesem Rennen vor allem eines: ankommen und das “Unfinished Business” von 2017 hinter sich lassen!

Freie Reporterin Sport