Tatjana Pokorny
· 30.12.2023
Auf dem letzten Abschnitt des 628 Seemeilen langen Weihnachtsklassikers ging es für Christopher Opielok und seine “Rockall VIII”-Crew noch einmal zur Sache. In starkem Wellengang und Winden bis zu 48 Knoten kämpfte sich das Team der Ziellinie vor Hobart entgegen. “Das Boot war kaum noch steuerbar. Es war bitter, wurde immer schlimmer”, berichtete Christopher Opielok kurz nach dem glücklichen Ankommen in Hobart von den letzten Herausforderungen auf See.
Für Christopher Opielok ist mit dem Zieldurchgang ein sechs Jahre währendes Kapitel seiner Segelsportgeschichte erfolgreich geschlossen: 2017 hatte der Hamburger vom Norddeutschen Regatta Verein, der inzwischen am Tegernsee lebt, erstmals am Rolex Sydney Hobart Yacht Race teilgenommen. Damals musste er das Rennen nach Ruderbruch als erstes Team aufgeben. Nun ist das “Unfinished Business” mit dem abgeschlossenen Rennen bereinigt.
Während das Rolex Sydney Hobart Race am Samstag vor Silvester noch weiterlief, konnte die “Rockall VIII”-Crew nicht nur ihr Ankommen in Hobart feiern. Ihr 49. Platz nach gesegelter Zeit (4 Tage, 3 Stunden, 47 Minuten und 30 Sekunden) war in der IRC-Gesamtwertung zunächst den starken 14. Platz wert, auf dem sich die eigens für diese 78. Edition der legendären Langstrecke von Sydney nach Hobart erworbene JPK 10.80 einreihte.
In ihrer IRC-Division 4 war das für die 10,80 Meter lange “Rockall VIII” mit der Segelnummer R62 sogar Platz zwei wert. Den feierten Skipper Christopher Opielok, Co-Skipper Felix Oehme, Navigator Chris Frost, Segelmacher Klaas Simon, Mark Lovelady, Stu Lee und Tom Swift in Hobart kurz und glücklich, bevor sie erschöpft in die Betten fielen.
Bereits am frühen Morgen des 29. Dezember australischer Zeit war nach nur 2 Tagen, 2 Stunden, 7 Minuten und 19 Sekunden auf See die “Alive” als viertes Boot in Hobart angekommen. Doch erst am 30. Dezember wurde die Reichel Pugh 66 von Eigner Philip Turner zur IRC-Gesamtsiegerin der legendären Langstrecke erklärt. Skipper Duncan Hine, Sailing Master Gavin Brady, die australische Top-Navigatorin Adrienne Cahalan und ihre Crew haben den Tattersall Cup zum zweiten Mal nach 2018 gewonnen.
Es war ein Cliffhanger bis zum verdammten Ende, nicht wahr? Der Derwent River zaubert immer etwas aus dem Hut” (Duncan Hine)
Skipper Duncan Hine sagte in Hobart zum zweiten Sieg der ”Alive” (Ex-”Black Jack”) binnen fünf Jahren: “Das ist der Beweis dafür, dass es 2018 keine Eintagsfliege war. Ich bin wirklich sehr glücklich. Phil hat so ein tolles Boot fürs Regattasegeln. Wir haben eine wirklich gute Crew. Und das Wetter war gut für uns.”
Auf die Frage, was die Schlüsselpunkte des siegreichen Rennens für die “Alive” waren, nannte Duncan Hine den letzten Abschnitt auf dem Derwent River hinauf bis ins Ziel und den spannenden Kampf mit der “URM Group”. Der Skipper sagte: “Es war ein Cliffhanger bis zum verdammten Ende, nicht wahr? Der Derwent River zaubert immer etwas aus dem Hut.”
Duncan Hine und seine Crew mussten sich nach ihrer Ankunft in Hobart zwei Tage gedulden. Erst einen Tag vor Silvester kürte der veranstaltende Cruising Yacht Club of Australia “Alive” zur IRC-Gewinnerin des prestigeträchtigen Tattersall Cups. Hine sagte aber, er habe sich während des Wartens auf diese Bestätigung wohler gefühlt als im Jahr 2018: “Ich fühlte mich viel zuversichtlicher als 2018. Ich dachte, es würde schwer werden, uns noch von dort, wo wir waren, zu verdrängen. Wäre das noch jemandem gelungen, hätte er das auch verdient.”
Hine lobte vor allem seine 14-köpfige Crew, darunter die extrem erfahrene Navigatorin und Weltumseglerin Adrienne Cahalan, für die es bereits die 31. Teilnahme am Rolex Sydney Hobart Yacht Race war – ein Rekord für weibliche Teilnehmerinnen. Der neuseeländische Sailing Master Gavin Brady, den Seesegler hierzulande im August als Taktiker auf Karl Kwoks ORC-Weltmeisterin “Beau Geste” in Kiel kennengelernt haben, sowie Stu Bannatyne und eine herausragend agierende internationale Crew zeichnen verantwortlich für den “Alive”-Sieg.
“Wir haben während des gesamten Rennens hart gearbeitet. Jeder hat 100 Prozent gegeben”, sagte Hine, dessen Boot sich vor den beiden weiteren IRC-Podiumsyachten “URM Group” (Reichel Pugh Maxi 72) und “Moneypenny” (Reichel Pugh 69) durchsetzte. Damit durften sich auch die Designer aus dem Hause Reichel Pugh über ein vollbesetztes IRC-Podest freuen.

Freie Reporterin Sport