Tatjana Pokorny
· 08.12.2023
Ist Yoann Richomme bei der Retour à La Base auf dem Weg zu seinem ersten großen Solosieg auf dem Koch-Conq-Neubau “Paprec Arkéa”? Darauf deutete am Vormittag des 8. Dezember alles hin.
Neun Monate sind vergangen, seit die von Antoine Koch und Pascal Conq in Zusammenarbeit mit Skipper und Schiffbauingenieur Richomme entworfene blau-rote Rakete Ende Februar dieses Jahres getauft worden ist. Jetzt könnte der zweimalige Figaro- und zweimalige Route-du-Rhum-Gewinner seinen ersten großen Solo-Triumph in der Imoca-Klasse einfahren.
Auf Kurs Vendée Globe 2024/2025 kommt Richommes Leistung bei der Retour à La Base einer Kampfansage für die Vendée Globe 2024/2025 gleich. Doch auch andere Akteure sorgen mit ihren Leistungen dafür, dass die Spannung bis zum Gipfelsturm ab 10. November 2024 beständig steigt.
Hinter Richomme ringen zwei ganz unterschiedliche Charaktere um die Podiumsplätze: Jérémie Beyou auf seinem fast auf den Tag genau ein Jahr alten Manuard-Design “Charal” – die Taufe hatte am 7. November 2022 stattgefunden – und der erst 34 Jahre alte Brite Sam Goodchild auf dem 2019er-Design “For the Planet” kämpfen um die Plätze zwei und drei.
Schon im Zweihand-Rennen Transat Jacques Vabre hatte Sam Goodchild mit “For the Planet”, der Ex-”LinkedOut” von seinem Rennstallboss Thomas Ruyant, mit Platz drei hinter den beiden neuen Koch-Conq-Schwestern von Ruyant (”For People”) und Richomme auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt tut Sam Goodchild es schon wieder – und bestätigt mit dem viereinhalb Jahre alten Imoca seine Klasse als Segler.
In diesem Konzert der Imoca-Granden spielen Boris Herrmann und “Malizia – Seaexplorer” bei auf hohem Niveau mit. Dass der Hamburger nach einer Reihe technischer Probleme und den entsprechenden Meilenverlusten Lorient als Vierter entgegenstrebt, ist eine bemerkenswert starke Leistung von Mensch und Boot.
Nach der Passage des ersten von zwei von der Wettfahrtleitung gelegten virtuellen Toren hat sich Herrmann mittig des Idealkurses ins Ziel positioniert. Er sagte am Freitag, er brauche nun “seine Extrakraft” für die fordernde finale Phase, war mit mehr als 20 Knoten eines der beiden schnellsten Schiffe in den Top Ten.
Verfolgt wurde der “Malizia – Seaexplorer”-Skipper am Freitagvormittag von Damien Seguin auf “Groupe Apicil”. Auch dessen Leistung ragt einmal mehr heraus. Der französische Paralympics-Sieger von 2004 und 2016 macht mit einer Hand, was andere mit zwei Händen anpacken können.
Den Fünften jagen Samantha Davies auf “Initiatives Cœur” und der stark aufgekommene Louis Burton auf “Bureau Vallée”, der zuletzt Nico Lunven auf “Holcim – PRB” von Platz sieben verdrängt hat. Burton greift in der Verfolgergruppe des enteilten Spitzentrios aus Norden an, hatte vor dem Wochenende mit Winden jenseits der 30 Knoten zu kämpfen.
In diesen letzten Tagen des rasend schnellen Transat-Sprints, der für Spitzenreiter Yoann Richomme bereits am Nachmittag des 9. Dezember zu Ende gehen könnte, haben alle Skipper am neunten Tag auf See auch mit Ermüdungserscheinungen, Bruch und auch Verletzungen zu kämpfen.
Sébastien Simon, der auf “Groupe Debreuil” lange in der Spitzengruppe unterwegs war, hatte sich in der Nacht zum Nikolaustag eine Kopfverletzung zugezogen. Die musste er zunächst in enger Abstimmung mit dem Rennarzt selbst versorgen, bevor er einen Notstopp auf der Azoren-Insel Flores einlegte, um ein Krankenhaus aufzusuchen. Inzwischen ist der Ocean-Race-Navigator vom Team Guyot wieder im Rennen, aber auf Platz 16 zurückgefallen.
Sébastien Simon scheute sich deswegen aber nicht, am Freitagmorgen weiter nach Norden vorzustoßen, um dort in brutalen Winden von teilweise mehr als 40 Knoten möglicherweise wieder Boden gutzumachen. Damit tat er es Louis Burton gleich, der im Verlauf des Vormittags immer dichter an die vor ihm liegenden Sam Davies und Damien Seguin heranrückte. Den Nordstürmern könnten also noch Sprünge nach vorn gelingen.
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Freie Reporterin Sport