Tatjana Pokorny
· 04.12.2023
Wie üblich muss die neue Bestmarke noch vom World Sailing Speed Record Council (WSSRC) ratifiziert werden, doch die Leistung ist jetzt schon fabelhaft: Transat-Jacques-Vabre-Zweihand-Sieger Thomas Ruyant hat sich bei der Solo-Rückregatta Retour à La Base nicht nur mit einem mächtigen Satz auf Platz drei katapultiert. Zwischen 15.30 Uhr deutscher Zeit am 3. Dezember und der gleichen Zeit am 4. Dezember absolvierte sein Koch-Conq-Imoca sagenhafte 539,94 Seemeilen über 24 Stunden.
Damit überbot der Franzose die bisherige Solo-Einrumpfbestmarke des Briten Alex Thomson vom 16. Januar 2017 (536,81 Seemeilen) um gut drei Seemeilen. Alex Thomson hatte seinen Rekord vor knapp sieben Jahren im Rahmen der Vendée Globe aufgestellt. Ruyant ist nun der neue Speed-König, könnte aber in den kommenden Tagen noch überboten werden. Die führenden Imocas sind nach wie vor sehr schnell unterwegs. Sie jagen mit den Tiefdruckgebieten ostwärts auf Kurs Europa und Heimathafen La Base in Lorient.
Schon vier Tage nach dem Start hatten die Imoca-Besten bei ihrem ungewöhnlich schnellen Ritt vom Karibikhafen Fort-de-France in die Bretagne die halbe Strecke bis zum ersten von der Rennleitung eingezogenen virtuellen Tor gemeistert: Es zieht sich mitten durch die Azoren, denen Richomme, Goodchild, Ruyant und Co. wie entfesselte Galopper entgegenpreschen. Mit der Pflichtpassage des Tors sollt verhindert werden, dass die Flotte bei der Retour à La Base zu weit nach Norden vordringt und sich dabei möglicherweise in Eisgefahr begibt.
Mitten im Atlantik fiel am Montagabend Yoann Richomme mit dem zweiten Koch-Conq-Neubau “Paprec Arkéa” auf dem Trackerbild aus dem Rahmen. Der Transat-Jacques-Vabre-Zweite hat sich am weitesten nach Norden vorgewagt, wo er nach jüngsten Prognosen mit den stärksten Winden rechnen darf. Ob ihn der Extremkurs schneller macht oder er Gas rausnehmen muss, weil es zu wild zur Sache geht, bleibt abzuwarten. Am beginnenden fünften Tag auf See war am Abend des 4. Dezember weiter Thomas Ruyant auf “For People” mit mehr als 23 Knoten der Schnellste in den Top Ten.
Gleichzeitig beeindruckte sein Rennstallkollege Sam Goodchild auf Ruyants Ex-Boot “LinkedOut”. Dem Briten gelang mit dem nun als “For the Planet” startenden vier Jahre alten Imoca auch am Abend weiter die Verteidigung von Rang zwei hinter Richomme und vor Teamkamerad Ruyant, der wiederum Jérémie Beyou auf Platz vier verdrängt hat. Der anfängliche Retour-à-La-Base-Spitzenreiter Jérémie Beyou hat weiterhin technische Probleme, inzwischen seine Ersatzwindgeber installiert und kämpft ums Dranbleiben an den Top Drei.
Die Plätze fünf bis sieben belegten am Montagabend drei Ocean-Race-Segler: Nico Lunven auf “Holcim – PRB”, Sébastien Simon auf “Groupe Debreuil” und Boris Herrmann auf “Malizia – Seaexplorer”. Dabei orientierte sich Boris Herrmann am späten Abend tendenziell nach Norden. Die Top Ten machten etwa beim 33. Breitengrad Nord auf den Plätzen acht bis zehn “Initiatives Cœur”-Skipperin Samantha Davies, “Groupe Apicil”-Bändiger Damien Seguin und “L’Occitane en Provence”-Solistin Clarisse Crémer voll.
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