Tatjana Pokorny
· 03.12.2023
Die Imoca-Solisten haben am dritten Tag ihres bisherigen Nordkurses bei der Retour à La Base ihren “Absprung” nach Osten eingeläutet. Dabei liefern sich die Akteure in der Führungsgruppe packende Positionskämpfe. Nach wie vor verteidigte Jérémie Beyou am Morgen des 1. Advent seine Führung auf “Charal” vor dem hartnäckigen Briten Sam Goodchild auf dem 2019er-Design “For the Planet” und Yoann Richommes neuem Koch-Conq-Geschoss “Paprec Arkéa”. Dahinter rangeln weitere Co-Favoriten um die besten Positionen. Vierter war Ex-Malizianer Nico “The Brain” Lunven auf “Holcim – PRB”.
Die Ferien sind zu Ende” (Conrad Colman)
Boris Herrmann war mit “Malizia – Seaexplorer” in der Nacht auf Sonntag auf Platz sechs vorgerückt, fiel in der letzten Stunde aber wieder auf Rang sieben zurück. Der deutsche Imoca zählte zwischendurch immer wieder zu den schnellsten Booten der Flotte. Bei Geschwindigkeiten von mehr als 23 Knoten ging es am Wochenende flott voran. Das Feld jagt nun die Tiefs im Norden, um dann möglichst schnell nach Osten vordringen zu können.
“The Holiday is over – die Ferien sind zu Ende.” Mit diesen prägnanten Worten hatte “MailBoxes.etc”-Skipper Conrad Colman, der am 2. Dezember seinen 40. Geburtstag auf See gefeiert hatte, das bevorstehende Szenario der zunehmenden Winde bei der Rückregatta der Imoca-Solisten aus der Karibik zurück nach Lorient prägnant beschrieben. Boris Herrmanns sturmerprobtem und in starken Winden sehr schnellem Boot dürften die bald knackigen Winde entgegenkommen.
31 Imocas streben der Heimkehr vor dem Weihnachtsfest entgegen. Es ist der erwartete schnelle Ritt nach Hause. “Die Skipper werden weiter nach Norden ziehen, um das Hochdruckgebiet zu umgehen”, erklärt Regatta-Meteorologe Dumard. Und weiter: “Sie werden dann an den Rand des ersten Tiefs gelangen, auf der Nordseite des Hochs geliftet werden und dann im Laufe des vierten Tages (Red.: Montag) in das erste Tief geraten.”
Dumard hatte erklärt, dass es den Skippern überlassen bleibe, wo sie zum Sprung nach Osten ansetzen werden. Gleichzeitig wies der französische Navigations- und Wetterexperte darauf hin, dass der Seegang voraussichtlich auf bis zu fünf Meter anschwellen werde, wenn das zweite Tief durchkomme – aus seiner Sicht die größte Herausforderung der kommenden Tage.
Boris Herrmann ist der Herausforderung in den ersten Tagen der Retour à La Base mit vielen kurzen Schlafeinheiten von maximal 25 Minuten begegnet. “Zum einen, weil ich mich erst wieder ans Solosegeln gewöhnen muss, zum anderen, weil die Bedingungen so instabil sind”, begründete er den bisherigen Mangel an mehrstündigen Schlafphasen.
Während die Flotte an Tag drei gut vorankommt, ist einer ihrer großen Kämpfer erst am Samstag von der Überführung mit seinem neuen Non-Foiler in Fort-de-France auf Martinique eingetroffen: Jean Le Cam wird dem Feld schnellstmöglich folgen, um sich wertvolle Qualifikationsmeilen für die Vendée Globe 2024/2025 zu verdienen. Die Startlinie der Retour à La Base bleibt bis 13 Uhr Ortszeit am 7. Dezember geöffnet.
Je temperamentvoller das Pferd, desto mehr Zeit braucht man, um es zu zähmen” (Jean Le Cam)
Mit breitem Lächeln sagte Jean Le Cam, der bei der vergangenen Vendée Globe als Retter von Kevin Escoffier Schlagzeilen machte: “Wir haben genau das getan, was wir tun wollten: Wir haben eine Transatlantikfahrt gemacht, ohne ein Risiko einzugehen. Und wir haben die Gelegenheit genutzt, das Boot besser kennenzulernen. Je besser es lief, desto wohler fühlte ich mich.”
Sein neues Boot erfordere “eine neue Gebrauchsanweisung, an die man sich immer wieder anpassen muss”, erklärte Le Cam. Die Atlantiküberquerung habe es dem Team und ihm ermöglicht, das Boot besser zu verstehen. Sein Credo: “Je temperamentvoller das Pferd, desto mehr Zeit braucht man, um es zu zähmen.” Jean Le Cam hat angekündigt, nicht vor Montag als 32. Herausforderer in die Retour à La Base einsteigen zu wollen, aber noch keinen genauen Starttermin genannt.
In seinem typischen “Yes we can”-Stil gab Jean Le Cam zu Protokoll: “Wir werden wieder aufbrechen, um eine neue Geschichte zu schreiben: die nächste Etappe in der jungen Geschichte dieses Bootes.” Sein Boot trägt jetzt den sehr bretonischen Namen “Tout commence en Finisterre – Armor Lux”. Die brandneue Raison-Konstruktion soll den 64-jährigen Vendée-Globe-Zweiten von 2004 und Gewinner des Barcelona World Race 2015 bei seiner sechsten Vendée-Globe-Kampagne ab 10. November 2024 um die Welt tragen.
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