RekordversuchRuderbruch vor Madagaskar – Guirec Soudée segelt weiter

Tatjana Pokorny

 · 02.03.2026

Aus dem Steuerbordruder von "Macsf" ist ein Stück rausgebrochen. Es droht Delamination.
Foto: Guirec Soudée Adventure/Voile Macsf
Schock für Guirec Soudée an Tag 68 seiner Solo-Weltumseglung gegen die vorherrschenden Winde: Im Revier von Madagaskar wurde sein Steuerbordruder bei der Kollision mit einem Fischernetz am Wochenende beschädigt. Die Bilder von See zeigen, dass dass ein Stück des Rudernlattes weggebrochen ist.

​Der französische Extremsegler Guirec Soudée hat bei seinem Rekordversuch einen heftigen Rückschlag hinnehmen müssen. An Tag 68 seiner Nonstop-Einhandweltumseglung wurde bei einer Kollision mit einem Fischernetz das Steuerbordruder der Ultim-Riesin “Macsf” schwer beschädigt. Der Unfall hat sich südlich von Madagaskar ereignet. Zum Crash-Zeitpunkt war Guirec Soudée mit 20 Knoten Geschwindigkeit unterwegs.

Guirec Soudée: “Ernsthafte Schäden” auf “Macsf”

Guriec Soudée beschrieb die Schäden als “ernsthaft”, sagte aber gleichzeitig, dass eine Reparatur erst möglich sei, wenn er den Atlantik erreicht habe. Knapp zwei Tage nach dem Unglück hatte Soudée am Vormittag des 2. März noch rund 1250 Seemeilen bis zur Passage des Kaps der Guten Hoffnung am Südzipfel Südafrikas vor sich. Erst dann kann er wieder in den Atlantik eintauchen und den Schlussabschnit des Abenteuers einläuten. Skipper und Boot waren auch zuletzt wieder mit Geschwindigkeiten um 20 Knoten schnell unterwegs. Hier geht es zum Tracking für Guirec Soudées Solo um die Welt von Ost nach West.

In einem Bericht von Bord sagte Guirec Soudée: “Die Situation an Bord ist nicht gerade toll. Ich war im Inneren des Bootes und noch super schnell unterwegs. Ich glaube, so mit um die 20 Knoten. Dann spürte ich den Aufprall. Dann einen zweiten. Ich bin sofort nach hinten und habe das Boot so gut verlangsamt wie möglich. Ich hatte verstanden, dass wir mit etwas kollidiert sind. Ich habe mir das Mittelschwert angesehen, doch da war nichts. Auch das zentrale Ruder war okay.”

Autopilot aus, Handsteuern gefordert

Anschließend habe er schnell beide Seiten geprüft, aber immer noch keine Schäden ausmachen können. “Dann habe ich nach hinten geschaut um zu sehen, mit was wir kollidiert sind”, erklärt Guirec Soudée die Abläufe. Er habe danach versucht, das Boot wieder ein wenig zu beschleunigen. “Ich habe den Autopiloten ausgeschaltet und von Hand gesteuert. Da habe ich gefühlt, dass es super schwer ist und das Boot nicht beschleunigt.”

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Weiter erzählt der Solist: “Ich bin also wieder auf Downwindkurs gegangen und habe dann festgestellt, dass sich um das Steuerbordruder ein Fischernetz gewickelt hatte, an dem zwei schwere Gewichte hingen. Das Ruder ist gebrochen. Dabei wurde das Foil zuerst getroffen. Dort aber vermutlich nur vom Netz. Da kann ich keine starken Schäden erkennen.”

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Beim Steuerbordruder sieht es anders aus. “Da hinten ist das Ruder in einem üblen Zustand. Also habe ich gehalst und segle jetzt auf Backbordbug. Damit ist das Ruder in der Luft, das ist okay. Wenn ich aber auf Steuerbordbug segle, dann ist das Ruder voll im Wasser. Es kann delaminieren. Es ist super schwer beim Steuern und bedeutet, dass ich auf einem Bug die Fahrt verlangsamen muss. Unglücklicherweise ist es der gleiche Bug, auf dem ich schon mein Foilproblem habe.”

Reparieren will Guirec Soudée erst im Atlantik

Die Lösung, so sagt Guirec Soudée, könne ein Reparaturversuch bringen. “Aber dafür muss es windstill sein”, so Soudée. Stattdessen aber bewegte er sich in eher schwierige Wind- und auch Strombedingungen, in denen der Agulhasstrom vor der südafrikanischen Küste und vorhergesagte Winde eine sehr ruppige See erzeugen können. “Das ist sehr gefährlich für mein Boot”, hielt der 34 Jahre alte Abenteurer und Rekordjäger fest.

Er müsse sich mit Blick auf die Windprognosen beeilen, so Soudée, um das Kap der Guten Hoffnung schnellstmöglich zu erreichen und keine weiteren Schäden zu risikieren. “Sobald ich im Atlantik bin, werde ich einen Reparaturversuch unternehmen. Es wird mich nicht am Ankommen hindern, aber ich bin gehandicapt.

Guirec Soudée will den Rekord von Jean-Luc Van den Heede schlagen. Dem früheren Mathematiklehrer und sechsmaligen Weltumsegler “VDH”, den sie auch den “Segler der ersten Male” nennen, weil er unter anderem das historische erste Mini-Transat 1977 und die erste Vendée Globe 1990 bestritten hat, gelang die Nonstop-Weltumseglung gegen die vorherrschenden Winde bei seiner Rekordfahrt 2003/2004.

Der “Macsf”-Skipper jagt den “VDH”-Rekord

​Jean-Luc Van Den Heede war am 7. November 2003 zu seinem Solo aufgebrochen und hatte am 9. März 2004 nach 122 Tagen, 14 Stunden, 3 Minuten und 49 Sekunden mit der 26,40 Meter langen, vom Gilles Vaton Studio entworfenen Aluminium-Yacht “Adrien” die Ziellinie erreicht. Guirec Soudée jagt den Rekord mit der Ultim-Gigantin “Macsf”, einst gebaut als ”Sodebo Ultim” und später auch bekannt unter ihren Namen “Actual Leader”, “Mieux” und Adagio”. Vor Guirec Soudée hat noch niemand die Welt solo und nonstop mit einer Ultim von Ost nach West komplett umsegelt. Zum laufenden Versuch war Soudée einen Tag vor Heilgabend Ende 2025 aufgebrochen.

Hier beschreibt Guirec Soudée die Bruchsituation und seine Optionen in einem Clip von See:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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