Regatta-NewsHarte Kämpfe zur Flensburger Frühjahrswoche

Lars Bolle

 · 12.05.2002

Drei Tage lang überwiegend Starkwind und Sonne, erste Runde in der BONC-Ausscheidung

64 Boote segelten am vergangenen Wochenende um die Silberpötte in den Klassen und um die Tickets zum Baltic Offshore Nations Cup (BONC). Es gab Rammings und Überraschungssieger.

Rundum zufriedene Gesichter konnte man am Samstag Abend auf den Stegen und vor den Zapfanlagen des Flensborg Yacht Clubs und der Seglervereinigung Flensburg in Fahrensodde sehen.
Mastbruch und Rammings Doch nicht alle Segler werden sich mit uneingeschränkter Freude an die Wettfahrten zurückerinnern. Der aussichtsreiche BONC-Aspirant „Westwind“ von Peter Süselbeck in der Klasse IMS 2A wurde am Freitag auf der Startkreuz von der Flensburger Yacht „Me Bri“ frontal gerammt. „Wir wollten eigentlich hinter dem Heck von der ‚Westwind’ durchgehen. Aber es war bei dem starken Wind zuviel Druck im Segel und wegen eines Knotens in der Großschot konnten wir den Druck nicht rechtzeitig ablassen“, erzählt Meinhard Schmidt, der Steuermann auf der „Me Bri“. „So schossen wir mit vollem Speed in die Seite der ‚Westwind’“. Das Resultat: Ein 40 Zentimeter großes Loch in der Bordwand des Opfers und eine abrasierte Seereling. Das Boot war nicht mehr segelklar und erhielt von der Jury der Frühjahrswoche einen Ausgleich dafür, dass es an den letzten beiden Wettfahrten nicht mehr teilnehmen konnte. Glück für das Opfer; der Ausgleich berücksichtigte die guten Ergebnisse der ersten Wettfahrt und führte zu einem Gesamtsieg in der Klasse. Pech aber, dass das Boot schon am Samstag nach Capri verschifft werden sollte um dort die IMS-Weltmeisterschaft mitzusegeln. Nun muss die Reparatur des Bootes auf dem Transportweg organisiert werden.

Ein weiteres Ramming erfolgte noch vor dem Start am Freitag, in dem die „Hamburg XII“ vom NRV der kleineren Rommel 33 „Innovazione“ in die Seite fuhr.

Außerdem verhakte sich die „Lina F“ vom Flensburger Segelclub mit Ihrem Backstag in dem Bugspriet eines zur Rum-Regatta anreisenden Traditionsseglers und verlor den Mast.

Sicherlich haben alle Havarien überwiegend mit Pech zu tun. „Wir beobachten aber eine zunehmende Aggressivität auf den Bahnen und müssen im Bereich der Jury und Wettfahrtleitung zukünftig über Wege nachdenken, hier wieder für mehr Sportlichkeit und Fairness zu sorgen“, sagte Jury-Beisitzer Erich Meerbach bei der Pressekonferenz im Anschluß an die Veranstaltung.

Neue Gesichter auf den Booten der Wettfahrleitung Mit kleinerer Personaldecke startete Wettfahrtleiter Hans-Georg Glunde zum ersten Mal die Frühjahrswoche. Die Enge der Innenförde und die wettermäßigen Unsicherheiten machten ihm am Anfang noch zu schaffen. So sorgte die erste nicht optimal ausgelegt Bahn für einen scharfen Ton im Leitungsteam. Die Bojen mußten entsprechend der Winddreher schnell verlegt werden. Aber nach den Problemen bei der ersten Wettfahrt konnten sich die Segler über saubere Up-and-Down-Bahnen freuen. „Wir freuen uns, dass Petrus so gut mitgespielt hat und die Auslegung solcher sportlich hochwertigen Bahnen ermöglicht hat, die gleichzeitig von den Zuschauern an Land bestens mitverfolgt werden konnten,“ erklärte der neue Presseverantwortliche der Frühjahrswochen-Organisation, Jochen-Patrick Kunze. „Hierdurch konnten wir den sportlichen Antritt und das hohe Niveau unterstreichen, dem wir uns verpflichtet fühlen.“ Für Kunze besonders erfreulich war daher auch die Tatsache, dass zwei Einheitsklassen in Flensburg an den Start gegangen sind und das hohe sportliche Niveau auch bei den kleineren Booten erreicht werden konnte. „Wenn wir mit unserem sportlichen Anspruch besser wahrgenommen werden wollen, dann müssen wir überlegen, ob wir für die Einheitsklassen und insbesondere unsere dänischen Nachbarn nicht mehr tun können“, so Kunze weiter.

Going for BONC Die Wettfahrten der Frühjahrswochen waren gleichzeitig die ersten Ausscheidungsregatten für die BONC-Qualifikation. Der Baltic Offshore Nations Cup wird nach einer weiteren Ausscheidungsregatta, der Langstrecke auf der Kieler Woche, im August vor Kiel ausgetragen. Beste Aussichten auf eine Fahrkarte zum BONC haben Thomas Jungblut (Taktik) und Dietrich Tauber (Steuermann) in der Klasse IMS I, die mit einer Neukonstruktion der finnischen Werft „Swan“ sich hervorragend als Gesamtsieger platzierten und den sieggewohnten dänischen Erfolgssegler Dan Pedersen mit dem Konkurrenzmodell von X-Yachts aus Hadersleben, der IMX 45 „Alice" auf den zweiten Platz verwiesen. Das mit der auffälligen bunten Crewkleidung von dem Veranstaltungssponsor Jeantex segelnde Boot des Kielers Volker Kriegel konnten trotz aller Versuche nicht an der von Jungblut gesteuerten „Babs“ vom Flensburger Yachtservice vorbeikommen: Ausgleichende Gerechtigkeit für das schwache Abschneiden von Jungblut im vergangenen Jahr bei der Deutschen Meisterschaft in Flensburg. Für Erstaunen bei den IMS-Seglern sorgte das gute Abschneiden des Kielers Horst Mann, der mit seiner fünf Jahre alten First 40.7 noch den vierten Platz in der Gesamtwertung heraussegelte. Vielleicht ist dies aber nur das Ergebnis von fünfjährigem Kennenlernen des Bootes und zeigt, dass die Segler der brandneuen Konstruktionen noch gar nicht alles aus ihren Booten herausholen.

Beste Chancen auf eine BONC-Teilnahme in der Klasse IMS II haben sich neben der havarierten „Westwind“ Altmeister Werner Jensen aus Kiel mit seiner „Speedy Gonzales“ und Lokalmatador Dirk Manno mit seiner gecharterten First 36.7 „Pontus“ ersegeln können. Durchsetzungsstärke musste die in der Klasse IMS II als kleinstes Boot startende „Dantronik X press“, eine X 33 Sport, zeigen. „Wir können mit dem Boot speedmäßig gut mit den größeren IMS II Booten mithalten, aber dazu müssen wir uns schon am Start freisegeln um nicht von den größeren Booten abgedeckt zu werden“, erklärt Steuermann Torsten Bastiansen das Handicap seines Bootes. „Trotzdem sind wir beeindruckt, was die Modifikationen an dem herkömmlichen X 332-Rumpf, der längere Kiel mit anderem Profil und das modifizierte Rigg, an Geschwindigkeitspotenzial herausholen“. Die Bastiansen-Brothers machen sich aber um Ihre BONC Teilnahme keine Gedanken. „Selbst wenn wir nicht in ein deutsches Team kommen, haben wir mit unserer deutsch/dänischen Crew hervorragende Aussichten auf einen Platz in dem dänischen Team, das auch gerade aufgestellt wird“, sagt der zur dänischen Minderheit in Flensburg gehörende Torsten Bastiansen.

In der Klasse IMS III zeigten die Flensburger Segler John Friedrichsen („Chinook“, 1. Platz) und Dieter Naujeck („Kuddeldaddeldu“, 2. Platz) wo es lang geht. Sie legten sich in einer kleinen Klasse vor Phillip Pudenz, der mit einer frisch ausgelieferten Jeanneau 32 i an den Start ging.

Die Einheitsklasse X 99 kam mit etwas geringer Beteiligung nach Flensburg. Hier legte der Itzehoer Segler Soyka mit seiner Kieler Crew den Maßstab an. Deren Trainingsbeginn im Januar auf der Strander Bucht macht sich bezahlt. Zu den X 99 hingezogen fühlte sich offensichtlich auch Ex-Weltmeister in dieser Klasse Jonny Jensen, den sich Jes Madsen aus Sonderburg an das Steuer seiner neuen BB10m „Cilie“ holte. Trotz geringerem Geschwindigkeitspotential mischte Jensen konsequent im Feld der X-99 mit und hatte wenig Mühe, sich die übrigen BB10m vom Hals zu halten. Der inzwischen zum Starboot gewechselte dänische Topsegler war eigentlich nur spontan bei Madsen eingesprungen, zeigte sich aber begeistert von den Segeleigenschaften des Bootes. Dass er den Vorjahressieger Kunze hierbei deklassierte, störte diesen wenig; „Ich freue mich viel mehr, dass wir hier unsere eigene Klasse an den Start gebracht haben und dass alle, die gekommen sind, restlos begeistert waren und wiederkommen werden.“

Zuwachs verzeichneten die Organisatoren auch in der Wertungsgruppe Dansk Handicap, in der sich überwiegend kleine Boote wiederfanden. Hier machten die X-79 „Rigtige Venner“ von Helmuth Gardthausen aus Neumünster und „Esperanza“ des Flensburgers Dirk Eggers das Rennen unter sich aus. Mit dabei waren auch die aus dem Flensburger Hafenbild kaum noch wegzudenkende Dynamic 2000 „Dynamit“, wegen des Sponsorenlogos im Segel auch „der Gabelstapler“ genannt und das uralte H-Boot „Tod oder Leutnant“, die sich mit weitaus geringerem Geschwindigkeitspotential wohl am längsten von allen Teilnehmern auf der aufgewühlten Flensburger Förde verausgabt haben.

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