Regatta-NewsDas Märchen vom "Froschkönig"

YACHT Online

 · 12.09.2006

Regatta-News: Das Märchen vom "Froschkönig"Foto: www.segel-bilder.de

96. Flensburger Fördewoche: Kein Happyend bei IDM?

Dem Kieler Woche-Sieg und dem WM-Titel bei der Rolex Baltic Week wollte Detlef Amlong vor Flensburg nun noch den Titel des Internationalen Deutschen IMS-Meisters hinzufügen. Doch vor der Donnerstagabend startenden Langstrecke stehen die Chancen dafür nicht gut.

Es gibt Geschichten, die von den Gebrüdern Grimm erzählt werden und die, die der Sport schreibt: In diesem Falle geht es um das Märchen vom "Froschkönig". Bei den Grimms ist es die Geschichte einer Prinzessin und eines verzauberten Prinzen, der vorübergehend als Frosch sein Leben fristet. Im Segelsport ist es die Geschichte eines Glasermeisters aus Schwedeneck, der die Segelwelt auf den Kopf stellt und mit einer fast 20 Jahre alten Dehler, Optima 101/106, mit Namen "Froschkönig" die Konkurrenz das Fürchten lehrt. Dem Kieler Woche-Sieg und dem WM-Titel bei der Rolex Baltic Week wollte Detlef Amlong vor Flensburg nun noch den Titel des Internationalen Deutschen IMS-Meisters hinzufügen. (Start 18 Uhr) liegt "Froschkönig" auf Platz vier, 18,5 Punkte hinter der führenden "no limits", und kann wohl kaum auf ein Happyend hoffen.

Im Rahmen der 96. Flensburger Fördewoche kämpfen seit vergangenem Freitag insgesamt 48 Yachten um die Deutsche Meisterschaft, die in den Klassen IMS I, IMS II und IMS III/IV vergeben wird. Die Entscheidung fällt morgen Nacht mit der Langstrecke.

Um 18 Uhr schickt Regattaleiter Claus Otto Hansen die Yachten auf die 80 sm lange Langstrecke, die nach den bereits am vergangenen Wochenende gesegelten sieben Kurzstrecken der Höhepunkt im Kampf um die Internationale Deutsche Meisterschaft ist. Da die Langstrecke die 1,5-fache Wertung hat und nicht gestrichen werden kann, bringt sie die Entscheidung im Kampf um die Plätze. Gegen Freitagmorgen werden dann die ersten Yachten der Klasse IMS I in Glücksburg zurück erwartet.

Schon bei der WM vor sechs Wochen hatte sich "Froschkönig" den Titel mit der Langstrecke gesichert, so dass dem 58jährige Amlong alles zuzutrauen ist, auch wenn "no limits" (Christensen/Flensburg) kaum noch einholbar scheint (18,5 Punkte Vorsprung heißt 13 Plätze Vorsprung).

Seit zwei Jahrzehnten ist der "Froschkönig" aus der deutschen Dickschiffszene nicht wegzudenken. In dieser Saison segelt Routinier Amlong mit Iris Kunterwald, Johanna Möller, Christian Zieger, Daniel Zenker und Nils Gauter von Erfolg zu Erfolg.

"Es gibt hier wohl keinen, der ihm den WM-Erfolg nicht von Herzen gönnt", war dann auch der WM-Zweite, Sven Christensen, bei der Weltmeisterschaft voll der Anerkennung, doch bei der DM hört die Freundschaft jetzt auf. Dort möchte der Flensburger selbst seinen Hattrick ersegeln und "Froschkönig" hinter sich lassen.

"Wir werden nach dieser IDM unsere X-Yacht verkaufen und eine neue Kampagne starten. Und wir möchten uns natürlich mit einer dritten Deutschen Meisterschaft verabschieden", so Christensen, dem als gebürtiger Flensburger gerade auf seinem Heimatrevier noch ein großer Erfolg fehlt.

Doch das wiederum möchte Detlef Amlong, der seit seiner Jugend segelt und vor rund 40 Jahren bei der Korsar-EM die Vizemeisterschaft gewonnen hat, verhindern. Nach zehn Jahren Segelpause stieg Amlong bei der "Hispaniola" als Taktiker wieder ein, bevor er sich vor 15 Jahren die viereinhalb Jahre alte Optima 101/106 kaufte. Seitdem ist der "Froschkönig" aus den deutschen Offshore-Regatten nicht wegzudenken und mischt in der IMS-Klasse III immer wieder vorne mit. Natürlich erhält der Oldtimer einen Altersbonus, doch der steigert sich nur bis zum 15. Jahr. Die weiteren fünf Jahre bringen keine Gutschrift mehr. "Aber es ist nicht der Altersbonus. Die segeln einfach wirklich gut", bescheinigt dann auch der Chef der deutschen Regattavereinigung Seesegeln (RVS), Uwe Wenzel (Bremen), seinem Dauerkonkurrenten seglerisches Können.

Froschgrün, mit einem plakativen Sponsoraufkleber (ein Relikt, denn der Sponsor zahlt schon lange nicht mehr) im Groß bedürfte das Schiff auch des Kusses einer Prinzessin, um schön wie ein Prinz zu werden, aber es fehlt das Geld. Zwar sind Fock und Groß von Segelmacherei Jan-Segel erst in der zweiten Saison an Bord, aber das zweite Regattagroß ist bereits sechs Jahre alt. Bedingungen, die die meisten Konkurrenten gar nicht kennen. Doch beim Aufrüsten kann Amlong nicht mithalten. "Wir haben sogar beschlossen, dass wir nächstes Jahr jeder 450 Euro in die Crewkasse zahlen müssen, damit wir weiter segeln können", erzählt Amlong. Und während die Konkurrenz zum Teil Profis an Bord holt und bezahlt, zahlt die Froschkönig-Crew fürs Segeln.

"Was wir dringend brauchen, ist ein Sponsor. Wobei wir noch mit anderen Dimensionen zufrieden sind, als sie im Segelsport vielleicht üblich sind", hofft Amlong nun auf einen kleinen WM-Bonus, wohl wissend, dass die Gruppe II (IMS II und III) natürlich im Schatten der Großen steht.

Dennoch - die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: Kieler Woche-Siege in diesem und im Vorjahr, die Titel bei zwei Deutschen Meisterschaften (1997 und 2003) und in diesem Jahr sogar der WM-Titel. Die Titelverteidigung im nächsten Jahr steht allerdings nicht auf dem Plan. "Wie sollen wir das bezahlen? Nein, das geht nicht", so Amlong, der seit dem Erfolg bei der Rolex Baltic Week nun eine teure Rolex am Armgelenk trägt, obwohl er den finanziellen Gegenwert für diesen Preis lieber in seine Yacht gesteckt hätte. Seine Krone hat sich der Froschkönig redlich verdient, auch wenn es bei der Internationalen Deutschen IMS-Meisterschaft der Seesegler wohl kein Happy end geben wird.

Swan-Auftakt
Nach einer gelungenen Eröffnungsfeier der 12. Swan Baltic Sea Challenge am Mittwochabend greifen im zweiten Teil auch die Swans bei der 96. Flensburger Fördewoche in das Geschehen ein. Zum Auftakt werden die elf Swans der Gruppe A und neun der Gruppe B auf die Langstrecke geschickt. Es folgen am Freitag (Start 13.30 Uhr) und Samstag (Start 10.00 Uhr) zwei Mittelstrecken. "Es ist enorm, dass trotz der Rolex Swan Week vor Sardinien 20 Schwäne in Flensburg starten", freute sich Organisationsleiter Claus-Otto Hansen über den Zuspruch der eleganten Yachten.

In der Gruppe A sind unter den elf Yachten aus vier Nationen auch die drei Swans, die im Vorjahr die Plätze auf dem Treppchen erobern konnten: "Tarok VI" (Berth/DEN), "Elan" (Baum/Hamburg) und Chaos" (Sundvall/NOR). Auch der Sieger der Gruppe B und Gesamtsieger "Thyros" (Charlet/ Bremerhaven) tritt zur Titelverteidigung an.

Termine:
Flensburger Fördewoche: 8.-16 September
Donnerstag, 14. Sept., 9 Uhr: Swan-Förde-Cup
Freitag, 15. Sept., 13.30 Uhr: 17111-Transit-Logist-Cup
Samstag, 16. Sept., 10 Uhr: Flensburger Pilsener-Cup
Blaue und Blau-gelbe Band der Flensburger Förde.

IDM: 7.-16. Sept.
Donnerstag, 14. Sept., Nacht der Meister - Langstrecke (ca. 80 sm/ Lyö Rund), Start: 18 Uhr.
Samstag, 16. Sept, 18 Uhr: Siegerehrung

12. Swan Baltic Sea Challenge: 13. bis 16. Sept.
Donnerstag, 14. Sept. 9 Uhr: Langstrecke
Freitag, 15. Sept., 13.30 Uhr Mittelstrecke
Samstag, 16. Sept., 13.30 Uhr Mittelstrecke

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