Regatta-NewsBornholm Challenge Cup an Stähr

Matthias Beilken

 · 11.10.2005

Wieder unterbietet eine Figaro 2 den Bornholm-Rekord. Stähr-Geschwister segeln zweihand

Dass Anne (20) und Jan (29) Stähr aus Heikendorf den bestehenden Rekord nach Bornholm um fast anderthalb Stunden unterboten haben, ist in jeder Hinsicht bemerkenswert. Denn nur zu zweit segelten die Szene-Neulinge ihre ein Dreivierteljahr alte Zehn-Meter-Yacht über die 137 Seemeilen lange Strecke. Durchschnitts-Speed: 9,1 Knoten, Spitze: 18,8 Knoten. Zeit: 15 Stunden und vier Minuten.

Bisher ist die Latte für den Rekord dreimal gelegt worden. Zweimal offiziell, einmal inoffiziell, außerhalb des vorgeschriebenen Zeitfensters zwischen April und September. Die Heinritz 34 „Connection“ aus Heiligenhafen legte im Gründungsjahr des Cups (2001) eine Zeit von rund 17 Stunden vor, später kam die Figaro 2 von Jan Hamester und jetzt die von Anne und Jan Stähr. Zwar ist die diesjährige Challenge-Cup-Saison geschlossen, der letzte Versuch belegt jedoch die Popularität der Idee.

Im ersten Jahr des Rekords waren es vor allem alte Bekannte aus der Regattaszene, die auf Zeit nach Bornholm segelten. Nicht immer jedoch kehrten sie sofort zurück: Der Bornholm-Rekord war auch als schneller Auftakt zu einem ausgedehnten Sommertörn gedacht. Dementsprechend gingen vor allem größere Cruiser/Racer auf die Reise: Yachten von Luffe und X—Yachts, um nur einige zu nennen. Erst später kamen die Extremsegler.

Anne und Jan Stähr als Szene-Neulinge zu bezeichnen ist nicht ganz fair. Denn ihre Figaro 2 „Gnaraloo“ war während ihrer ersten Saison bei mehr Regatten am Start als sie meisten ihrer Konkurrentinnen. „Neu“ bezieht sich da höchstens auf ihre gesegelten Rennsaisons, nämlich eine, nicht auf ihre mittlerweile auf Langstrecken gesammelte Erfahrung. Bei der Double Hand Challenge im Mai düste Anne Stähr als Skipperin bei extrem schlechten Wetter mit der gerade frisch ausgelieferten Bénéteau Figaro 2 über die Flensburger Förde. Die Erfahrung als Seglerin eines 420ers und diverser Kleinkreuzertörns fuhr mit. Bei dem Zubringer nach Sandhamn war das Boot später genauso dabei (ihr älterer Bruder ist in der Surfszene zu Hause) wie bei dem anschließenden Rennen rund Gotland sowie beim HSH Nordbank Cup. Angesichts dieses Vielsegelprogramms verwundert es kaum, dass „Gnaraloo“ nach dem Passieren der Bornholm-Challenge-Ziellinie — das Leuchtfeuer Hammerodde muss 155 Grad peilen — denn auch gleich weitersegelte ud nicht etwa auf Bornholm festmachte. „Gnaraloos“ Kurs: Travemünde. Ihr Ziel: Start zur Double Hand Challenge rund Fehmarn.

„Wir wollten den Rekord offiziell bei dem World Sailing Speed Record Council in England registrieren lassen. Aber das kostet zu viel“, sagt Mitorganisator Jörgen Heinritz aus Heiligenhafen. Insofern ist der Rekord ein höchst seriöses Spaßphänomen, das während einer Bierrunde aus der Taufe gehoben wurde: Ihr gehörten teils sehr befahrene Segler des Ortmühler Regatta Clubs e.V. (ORC) an wie Heinritz selbst. Nicht zuletzt demonstrierte er das als Skipper der von ihm konstruierten „Connection“, die den Rekord bis jetzt hielt.

Die offizielle Ausschreibung kann die Bierlaune, aus der die Idee geboren wurde, jedoch nicht immer verschweigen. Denn ein Kriterium für Yachten ist, dass sie unter der Fehmarnsund-Brücke hindurchpassen müssen. Deren Höhe in der Karte: 21 Meter. Automatisch werden größere Yachten durch diesen Gag ausgesperrt: Schnelle Fünfzigfußer beispielsweise erhielten so nicht einmal eine Startgenehmigung. Bei der Vermessung der Yachten sind die Ortmühler pingeliger. Nur seegängige Yachten, die nach der Sicherheitskategorie 3 des Deutschen Segler-Verbands (DSV) ausgerüstet sind, dürfen los. Diese Bestimmung und die, dass das Zeitfenster einzuhalten ist, soll Abenteurer davon abhalten, auf der Strecke ihr Glück zu versuchen. Und es soll die Seglergemeinde davon abhalten, zu behaupten, die Heiligenhafener schickten Segler auf eine seemännisch unvernünftige Reise.

Mittlerweile findet Heinritz, dass es nicht bekannt genug ist, dass man in heimischen Gewässern seriös einen Rekord jagen kann. „Ab drei teilnehmenden Yachten schütten wir an die siegreiche ein Preisgeld von 1250 Euro aus“, sagt Heinritz. „Doch die Stährs waren dieses Jahr die einzigen, die überhaupt gemeldet haben.“ Somit konnte ihnen das Preisgeld nicht ausgezahlt werden.
Jedoch werden sie Mitte Dezember in Hamburg zwei Trophäen einsacken. Eine davon, ein Silbertablett, muss Heinritz selbst zu Hause aus seiner Vitrine nehmen und herausrücken. Es ist der Wanderpreis für den absoluten Rekord. Ein Block aus echtem Bornholmer Granit rundet die Trophäensammlung ab, die Anne und Jan Stähr demnächst in ihre Vitrinen einlagern müssen.

Meistgelesene Artikel