Tatjana Pokorny
· 21.05.2024
Henri de Bokays “Rafale” (Verein Seglerhaus am Wannsee) hat die Skagen-Tonne am 21. Mai um 22.36 Uhr passiert. Die Crew auf der Eliott 52 SS ließ die wichtigste Wendemarke des deutschen Offshore-Klassikers am späten Dienstagabend in bester Stimmung hinter sich. Kurz vor der Passage war der Racer noch mit vielen kurzen Schlägen dicht unter Land an der Fünf-Meter-Linie entlanggeschrammt, um den Gegenstrom zu vermeiden. Das berichtete Robin Zinkmann von See.
Wir erleben traumhaftes Segeln bei glattem Wasser und sehr stabilem Gradientwind” (Robin Zinkmann)
Zum Rennverlauf bis dahin erzählte der “Rafale”-Navigator: “Wir konnten uns gleich zu Beginn gut absetzen, als aus dem Upwind-Kurs kurz nach Helgoland plötzlich ein VMG Downwind wurde. Die Boote hinter uns mussten alle ‘rechts abbiegen’, wir haben es gerade noch weit genug nach Norden geschafft, sodass wir keinen großen Umweg fahren mussten. Seitdem erleben wir traumhaftes Segeln bei glattem Wasser und sehr stabilem Gradientwind.”
Für die zweite Rennhalbzeit durch die Ostsee zurück nach Kiel erwartet die “Rafale”-Crew eine schnelle Passage. Robin Zinkmann sagte am Dienstagabend: “Die Routings sagen eine Ankunft von 15 bis 15.30 Uhr am Mittwoch vorher. Das wäre außerhalb des Rekords. Seit Hanstholm am Dienstagmorgen hatten wir eine volle Kreuz. Das hat mit Blick auf den Rekord Zeit gekostet.”
Der Rekord für die 510-Seemeilen-Langstrecke steht seit dem Jahr 2000 bei 43 Stunden und 46 Minuten. Ersegelt wurde die Zeit von Dr. Klaus Murmanns “Uca” mit Steuermann Walter Meier-Kothe. Die schnelle “Rafale” könnte auf Kurs Kiel noch von ihrer Spitzenposition im Feld profitieren. Robin Zinkmann erklärte: “Wir rechnen mit einer Zielankunft kurz bevor der Wind mit der neu aufziehenden Front zusammenbricht.”
“Rafale” führte die Line-Honours-Wertung nach 290 gesegelten Meilen vor Gerhard Clausens Maxi Dolphin 75 “Calypso”, Daniel Baums Einzelbau “Elida”, Johannes Wackerhagens Knierim 49 “Desna” mit Skipper Bertil Balser und der J/V 52 “Haspa Hamburg” an. Nach berechneter Zeit aber lieferten sich an der Spitze eher die kleineren Boote einen Kampf um den begehrten Skagen-Preis: Da rangen die beiden führenden ORC-B-Crews auf der JPK 10.30 “Hinden” und auf Kai Gretens betagtem Eintonner “Oromocto” im Fernduell miteinander um die Spitzenposition.
Die Bedingungen sind nicht so flauschig, wie es manchmal aussieht” (Stefan Voss)
Als viertes Boot in ORC B und fünftes im Kampf um den Skagen-Preis, kämpfte sich am Dienstagabend die Archambault 35 “Om” der Skagen-Tonne entgegen. Eigner und Skipper Stefan Voss vom Yacht-Club Langballigau berichtete von bester Stimmung im Pantaenius Rund Skagen: “Es ist im Grunde ein Zauberwetter. Wir haben nur Sonne. Es wird nachts nicht dunkel. Wir haben Mondschein und supertolles Licht. Wir freuen uns schon auf Skagen in dieser Beleuchtung.”
Zum Verlauf des Rennens in seiner ersten Halbzeit und den aktuellen Bedingungen sagte Stefan Voss am zweiten Abend auf See: “Die Bedingungen sind nicht so flauschig, wie es manchmal aussieht. Es war ein Start mit einer Kreuz. Dann ging das Ganze in eine weitläufige Flaute über, weil zwei Wettersysteme miteinander gekämpft haben: das Tief über Niedersachsen und der Ostwind, der sich über Jütland durchsetzen sollte. Das passierte dann etwas später. Da hat sich das Feld ein bisschen hin und her geschoben. Dann entwickelte es sich zu einem relativ langen Power-Reach, der anfänglich mit Gennakern, später mit Codes oder mit Jib-Tops geführt wurde. Das war teils sehr frisch in der Nacht.”
Auch am Dienstag wurden die Crews auf Trab gehalten, wie Stefan Voss berichtete: “Der heutige Tag war windig, durchsetzt von vollem Groß, erstem Reff, zweitem Reff, Vorsegel weg. Langeweile kommt hier absolut nicht auf. Wir sind jetzt bei Hanstholm um die Ecke und haben es mit einer ganz straighten Kreuz bis nach Skagen zu tun. Wir denken, dass wir morgen gegen 10 Uhr da sind. Das sagt das Routing. Die Dänen sagen: An Skagen gibt es noch mal richtig schönen Gegenstrom und in den frühen Morgenstunden auch Böen bis zu 30 Knoten. Dann freuen wir uns auf die Heimreise, geben weiter Gas. Da wird aber noch das eine oder andere Flautenloch auf uns lauern. Vor dem Ziel ist vielleicht noch mit einem Tief zu rechnen, das sich nach Norddeutschland reinschiebt. Die Stimmung an Bord ist gut.”
Während “Rafale” und weitere schnelle Boote voraussichtlich bereits am Mittwochnachmittag oder am Abend das Ziel erreichen werden, wird das Pantaenius Rund Skagen für die kleineren Booten bis Donnerstag andauern. Für die eine oder andere betagte Yacht könnte das Langstrecken-Vergnügen auch noch etwas länger währen.
Was die Segler vor dem Start zu Pantaenius Rund Skagen über Deutschlands bekannteste Langstrecke sagten:

Freie Reporterin Sport