ORC Zweihand-WM“Krasse Nummer” – Bronze für “Lightworks” nach WM-Krimifinale

Tatjana Pokorny

 · 14.06.2024

"Lightworks"-Eigner und Skipper Michael Höfgen (r.) und sein Co-Skipper Eckhard Kaller
Foto: Trond Teigen/KNS
Eines der fünf deutschen Boote ist bei der Zweihand-WM vor Oslo aufs Podium gefahren: Michael Höfgen und Eckhard Kaller erkämpften mit der Arcona 385 “Lightworks” im packenden Finale die Bronzemedaille in der mittleren Klasse B. Von 68 Startern kamen in den drei WM-Klassen 56 ins Ziel. Vier der fünf deutschen WM-Teams kamen durch.

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Nur rund vier Minuten nach berechneter Zeit gaben im hochspannenden Finale der Klasse B bei der Zweihand-WM vor Oslo den Ausschlag über Bronze- und Holzmedaille. Im Endspurt hatten Michael Höfgen und Eckhard Kaller noch einmal alle Kräfte mobilisiert, waren auf der noch jungen Arcona 385 von Michael Höfgen von Platz vier auf Platz drei vorgefahren. Nach 2 Tagen, 2 Stunden, 27 Minuten und 40 Sekunden im Ziel, reichte es für das deutsche Duo zum Sprung aufs WM-Podium. Das Nachsehen hatten auf dem viertplatzierten B-Boot die Norweger Harald und Christine Walder auf der JPK 10.80 “Mika”, die ihren dritten Platz lange hielten, aber nicht ganz bis ins Ziel verteidigen konnten.

Den Sieg holten in der mittleren Klasse die Norweger Sigmund André Hertzberg und Tim Sandberg auf der Dehler 30 OD “Hyrrokin” vor ihren Landsleuten Kristian Jerpetjon/Andreas Tinglum auf der Figaro 2 “Tetratys”. 21 B-Boote aus fünf Ländern kamen ins Ziel. Vier Teams haben das Leichtwindrennen mit einigen druckvollen Phasen bei der ORC-Zweihand-WM in Gruppe B nicht beendet, darunter auch die deutsche Dehler 38C “Uminoko”.

ORC-Zweihand-WM: Favoritensieg für “White Shadow”

In der großen, bis auf zwei Boote rein norwegisch besetzten Klasse A konnte sich die favorisierte Landmark 43 “White Shadow” mit Karl Otto und Maren Magda Book durchsetzen. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Thomas Robberstadt und Per Haugen mit der Swan 45 “Zorro” und Per Sortedal und Frode Johansen mit der XP-44 “Snekkas”. Arno Böhnert und Christian Heermann kamen nach dem flauen Auftakt im einzigen langen WM-Rennen mit ihrer First 36 “Salicornia” als Elfte ins Ziel.

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Unter den 28 Booten aus neun Nationen in Gruppe C schafften es zwei norwegische Duos und ein schwedisches Team aufs Podium: Yngve Amundsen und Ove Henning Asgard siegten mit der X-35 “Akhillevs-X” vor Martin Moe und Iselin Koksvik Dahl auf dem Schwesterschiff “Vortex” und Lars Bergkvist mit Anders Dahlsjo auf der Farr 30 “Consensus”. Bestes deutsches Team waren in der C-Gruppe Sverre Reinke und Lina Rixgens, die mit ihrer neuen Sun Fast 30 OD “Gaia” auf Platz neun segelten.

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Die WM-Strecke über 340 Seemeilen für die großen Boote, 320 Seemeilen für die mittlere Klasse und 300 Seemeilen für die Kleinsten war in diesem Jahr fordernder Natur: Sie begann im hübschen Oslo-Fjord mit bleierner Flaute, bot zwischendurch auch druckvolle Bedingungen und endete auf Kurs Zielhafen Tønsberg wieder mit leichteren Winden und dem Krimi-Finale in Klasse B. Den Grundstein zu ihrem Sieg hatte die norwegische Dehler-Crew schon zum Auftakt gelegt. “Die sind vorneweg gefahren, haben im extremen Leichtwindstart im Fjord ein Windfeld gekriegt, das sonst niemand bekommen hat. Die sind krass gut gesegelt”, verneigte sich der drittplatzierte Michael Höfgen im Ziel.

Der Kampf mit dem Autopiloten

Ich glaube, wir sind vier Patenthalsen gefahren” (Michael Höfgen)

Höfgens Team kam aber im Verlauf des einzigen langen WM-Rennens auch immer besser in Fahrt. Viele Segelwechsel auf der erst im April übernommenen und noch nicht ganz durchoptimierten Arcona 385 forderten dabei Michael Höfgen und Eckhard Kaller bei der Zweihand-WM viel Kraft ab. “Da war dann schon mal mehr Baller, zeitweise auch Bumms in der Kiste”, erinnert Michael Höfgen. Der bockende Autopilot und die fehlenden Grundeinstellungen jedoch bereiteten dem Duo Probleme: “Unter Motor kann man den B&G-Autopiloten benutzen, in der Welle: null Chance! Es gibt auch niemanden, der es einem vernünftig einstellen oder erklären kann. Ich glaube, wir sind vier Patenthalsen gefahren”, raufte sich Michael Höfgen noch am Tag nach dem Finale die Haare.

Sein Co-Skipper Eckhard Kaller fügte mit leicht verzweifeltem Lächeln hinzu: “Und dann versuch mal, das Ding mit Handschuhen oder Salzfingern zu bedienen …” Der Autopilot habe “immer mal kurz funktioniert”, sich dann in der Welle aufgeschaukelt, “irgendwann ‘rudder overloaded’ angezeigt” und sich dann “einfach abgeschaltet”, so Eckhard Kaller. Weiter sagte er: “Man kann den Autopiloten nicht einfach selbst abschalten, muss erst manuell beenden. Bevor das klappt, fliegt dir die Großschot um die Ohren.” Seine Crew habe fast die ganze Zeit durchsteuern müssen, so Höfgen. “Das war eine krasse Nummer.”

Ein Gewinn dagegen sei das neue Code-Segel gewesen. “Der Code mit 55-prozentiger Mittelbreite ist fast wie eine Riesengenua, bloß bauchiger. Wir haben sogar mal 35 Grad bei vier, fünf Knoten Wind geschafft. Du kannst damit fast am Wind fahren, wenn auch Kreuzen natürlich nicht geht”, erklärt Michael Höfgen. Insgesamt war das einzige deutsche Podestteam bei der WM zufrieden mit der überwiegend geforderten Leichtwindleistung des neuen Bootes, das ambitionierte Regatta- und Fahrtenansprüche seines Eigners erfüllen soll.

“Lightworks” nach WM-Erfolg auf Fahrtenkurs

“Ich denke, wir sind insgesamt gut gesegelt. Wir haben das Boot bis auf ein kurzes halbstündiges Tief, das wir beide einmal fast parallel hatten, weil wir einfach nicht mehr konnten, immer schnell gesegelt. Wir waren in den Polaren immer ganz oben dabei”, zieht Eigner Höfgen Bilanz. Für ihn ist die Bronzemedaille nach Zweihand-Silber mit Max Gurgel 2022 schon die zweite Zweihand-WM-Medaille binnen zwei Jahren. Ob er einen dritten Anlauf nimmt, ist noch nicht entschieden.

Ich freue mich aufs Familiensegeln, Krebsefangen und Grillen” (Michael Höfgen)

Die Arcona 385 soll im Sommer vor allem dem familiären Ferienvergnügen dienen. “Ich freue mich aufs Familiensegeln, Krebsefangen und Grillen”, frohlockt Michael Höfgen. Auch Bodenseesegler und North-Segelmacher Eckhard Kaller wird nach der Siegerehrung am Samstag lächelnd Abschied von Oslo nehmen: “Diese WM war eine super Sache, sehr intensiv. Es hat viel Spaß gemacht.”

Das war der Trailer zur ORC-Zweihand-WM 2024:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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